Räucherdüfte – Bedeutung & Wirkung

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Die Räucherdüfte lassen sich ebenso wie die Duftstoffe in verschiedene Grundgerüche kategorisieren, basierend auf der Theorie der sieben Grundgerüche (ätherisch, beißend, blumenduftartig, faulig, kampferähnlich, mentholartig und moschusartig) des britischen Biochemikers John E. Amoore (1930-1998). Diese Theorie wurde durch den deutschen Aromaforscher und Riechstoffchemiker Günther Ohloff (1924–2005) zu acht Grundgerüchen erweitert und spezifiziert. Aus diesen Grundgerüchen setzt sich in unterschiedlicher Gewichtung bzw. Ausprägung das Duftbild eines Stoffes zusammen, wobei nicht jedem Stoff alle Grundgerüche zu eigen sein müssen.

8 Grundgerüche mit dazugehörigen Geruchsnoten

Räucherdüfte – Flasche mit echtem Ambra

Folgende Grundgerüche gibt es nach Günther Ohloff, die sich vom Menschen wahrnehmen lassen und somit auch in den Räucherstoffen in unterschiedlich starker Ausprägung enthalten sind:

Wirkweise von Räucherdüften

Aus wissenschaftlicher Sicht werden beim Verbrennen von Räucherstoffen bestimmte Duftmoleküle freigesetzt, die sich mit dem Rauch in der Raumluft verteilen. Diese Moleküle erreichen die Nase und werden dort von ca. 20 Millionen Geruchszellen (Riechsinneszellen) aufgenommen, bei denen sie an die dortigen Duftrezeptoren andocken. Mittels der Axone (Zellfortsätze ähnlich wie Stromkabel) werden die Informationen umgewandelt und in Form eines elektrischen Reizes an das Gehirn weitergetragen, von wo aus sie in den Hormonbereich sowie in das Nervensystem gelangen. Dort entstehen dann die entsprechenden Empfindungen, Erinnerungen, Gefühle und Stimmungen, was schon die griechischen Ärzte der Antike wußten:

„Die Nase steht von allen Sinnesorganen dem Gehirn am nächsten, und sie ist daher der Ursprung des Gefühls.“ (nach Alain Corbin)

Die Geruchswahrnehmung findet im sogenannten Limbischen System (Sitz von Affekten und Gefühlen) statt, d.h. das Gehirn wird hier in 3 Bereiche eingeteilt. Das limbische System ist die Schaltzentrale für das menschliche Gefühlsleben und beinhaltet auch das Gedächtnis für Düfte. Die Geruchsreize treffen zuerst mit den gefühlsverarbeiteten Teilen des Gehirns zusammen und erst anschließend mit jenen des Verstandes – im Gegensatz zu den Seh- und Hörreizen, wo dies genau umgekehrt ist. In der linken Gehirn-Hemisphäre werden die männlichen Düfte als Sinnesreize aufgenommen, in der rechten die weiblichen und in der Mitte, dem Mittel-oder Stammhirn, die neutralen Gerüche. Die Geruchswahrnehmung ist geschlechtsspezifisch unterschiedlich und es gibt sowohl weibliche wie auch männliche Düfte. Das macht sich u. a. auch die Kosmetikindustrie bei der Herstellung von Parfüms, Deos und anderen Duftwaren zunutze, indem sie je eigene Düfte für Frauen und Männer komponiert. Mittels dieser Sinnesreize bzw. Signale reagiert das menschliche Gehirn und schüttet entweder Hormone aus oder aber wirkt auf Drüsen und innere Organe, was entsprechend Blutdruck und Herzschlag beeinflusst. Auf diese Weise werden Emotionen und Gefühle erzeugt.

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Übrigens: Der österreichische Künstler Wolfgang Georgsdorf hat eine elektronisch gesteuerte Geruchsorgel namens „Smeller“ entwickelt, die eine präzise Aussendung von Geruchssequenzen ermöglicht. Statt Tönen kann diese Orgel mittels ihrer Kammern und geruchstransportierenden Polypropylen-Rohren dosierte Gerüche an einen kontinuierlich vorhandenen Luftstrom abgeben. Auf diese Weise lässt sich das Instrument zum „Inszenieren, Programmieren, Aufnehmen und Wiedergeben von Gerüchen, Geruchsakkorden und Geruchssequenzen“ einsetzen. Die dazugehörige Kunstform heißt „Osmodrama“. Mehr Informationen zur Geruchsorgel…

Der Geruchssinn gilt als entwicklungsgeschichtlich ältester Sinn, da bei den frühen Menschen das Riechen überlebensnotwendig war, um Informationen zu sammeln und schnell reagieren zu können. Auch bei der Partnerwahl spielen Gerüche in der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle, da jeder Mensch über einen eigenen Geruch verfügt und nicht jeder jeden „riechen“ kann. Ebenfalls sind auch auch die Pheromone (Sexualriechstoffe) als Lockstoffe nicht zu vergessen. Gerüche verfügen zudem über das besondere Charakteristikum, dass sie sich im menschlichen Gedächtnis stärker einprägen als wie Geschautes oder Gehörtes, denn sie werden im Langzeitspeicher weniger schnell vergessen.

Duftstoffe – Räucherdüfte

Nach Christian Rätsch sind Räucherstoffe, die der Mensch mittels Inhalation über die Schleimhäute aufnimmt, Verstärker von Erfahrungen und verfügen über eine hormonelle, olfaktorische, konditionierende, kognitive, psychologische und pharmakologische Wirkung. Für die „psychoaktive Wirksamkeit von Rauch und Duft auf das menschliche Bewusstsein“ lassen sich laut Rätsch als Erklärungsmodelle drei Wirkmechanismen festmachen:

  1. Im Rauch enthaltene Substanzen wirken bei entsprechender Dosis pharmakologisch auf das menschliche Nervensystem (ähnlich wie Neurotransmitter).
  2. Der Rauch entfaltet einen charakteristischen Duft, der über eine nachweislich starke psychologische Wirkung verfügt.
  3. Es sind Pheromone im Rauch enthalten, die Botschaften an das Sinnzentrum des Gerhirns schicken.

Zudem ist der Duft gemeinhin eine Eigenschaft von Materie wie Farbe, Klang, Gewicht etc. und übt auch auf molekularer Ebene eine bestimmte Wirkung auf Mensch, Tier und Umgebung aus.

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Beurteilung von Räucherstoffen anhand von Duftnoten

Düfte – Gerüche

Für die Beurteilung, der beim Räuchern freiwerdenden Duftstoffe der jeweiligen Räuchersubstanz wird ein klassisches Bewertungssystem in Form von Noten benutzt.

  • Kopfnote: Diese Note gibt zugleich den ersten, aber meist auch intensivsten Eindruck eines Räucherstoffs wieder, da hier viele leichte und flüchtige Duftstoffe frei werden.
  • Herznote (auch Mittelnote): Wie schon der Name andeutet, beschreibt diese Note den eigentlichen Charakter des Räucherduftes.
  • Basisnote: Sie ist das Fundament eines jeden Duftes und enthält die langanhaltenden und schweren Bestandteile.

Mittels dieser drei Geruchsnoten lässt sich die menschliche Wahrnehmung der unterschiedlichen und zumeist recht komplexen Nuancen eines Duftes (siehe die obige Einteilung in acht Grundgerüche) sich in Worte fassen. Hierzu gilt: Je mehr die menschliche Nase mit Räucherdüften geübt wird, desto genauer lernt sie zwischen den einzelnen Geruchsnuancen zu differenzieren und Düfte zu erkennen.

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Wahrnehmung bzw. Intensität eines Räucherduftes

Verantwortlich für die jeweilige Wirkung und Intensität eines Räucherstoffes bzw. einer Räuchermischung ist die Riechstoffauswahl und Riechstoffkonzentration. Dabei lassen sich vier unterschiedliche Grenzwerte für Düfte feststellen: Duftwirkungsschwelle (körperliche Reaktion), Wahrnehmungschwelle (es wird etwas undefinierbares gerochen), Erkennbarkeitsschwelle (Duft ist erkennbar) und Fluchtschwelle (Duft löst Fluchtreaktion aus).

Warum mögen Menschen bestimmte Räucherdüfte mehr als andere?

Menschliche Nase – Geruchssinn

Der Geruchssinn ist eng mit dem menschlichen Gefühlsleben verbunden. Düfte lösen Erinnerungen und Situationsbestimmungen unmittelbar aus. Dabei spielt die je eigene Biographie des Menschen (erworbene Vorlieben oder Abneigungen aufgrund von Erfahrung) ebenso eine wichtige Rolle, wie auch die genetische Veranlagung und Individualität bestimmte Gerüche als angenehm oder eher unangenehm zu empfinden. Sehr selten steht der Mensch einem Geruch neutral gegenüber, entweder mag man ihn oder aber findet den Geruch als abstoßend. Diese Wahrnehmung hängt mit der oben beschriebenen Aufnahme von Gerüchen im Gehirn zusammen, die sich anders gestaltet als wie die Aufnahme von Eindrücken durch den Seh- oder Hörsinn.
Beim Räuchern entscheidet zumeist schon die Kopfnote darüber, ob wir einen Duft mögen oder nicht mögen, da wir häufig bestimmte Erinnerungen, Phantasien oder Gefühle bzw. Gefühlserinnerungen mit dem jeweiligen Duft verbinden.

Hinweis! Ein Auszug, der aus Pflanzen gewonnen wird, ist das ätherische Öl. Mehr Informationen rund um das Thema „Ätherische Öle“ erfahren Sie hier: Ätherische Öle zum Räuchern…
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Ratgeber zum Räuchern

 

Quellen:

  • Corbin, Alain: Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs; Berlin 1984.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 12.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 11ff.
  • Ohloff, Günther: Irdische Düfte, Himmlische Lust. Eine Kulturgeschichte der Duftstoffe; Basel 1992, S. 11.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 27ff.
  • Rätsch, Christian: Weihrauch und Copal. Räucherharze und -hölzer. Ethnobotanik, Rituale und Rezepturen; Baden und München 2004, S. 12f.
  • Schleidt, Margret: Über den Geruchssinn des Menschen, In: Dragoco Report 1/1986, S. 5-16.
  • Strassmann, Rene A. : Duftheilkunde; Aarau/Schweiz, 1992, S. 157ff.