Räuchermann / Räuchermännchen

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Was ist ein Räuchermann?

Vor etwa 200 Jahren kam im Erzgebirge das Brauchtum des Räuchermanns bzw. Räuchermännchen (in erzgebirgischer Mundart „Raachermannl“ genannt) auf, einem speziellen Räuchergefäß, mit dessen Hilfe die sich ebenfalls dort hergestellten Räucherkerzchen auf originelle Art und Weise verräuchern lassen. Diese Männer werden zumeist aus heimischen Laubhölzern wie Ahorn, Birke, Buche, Erle, Fichte oder Linde gedrechselt.

Herkunft der Räuchermännchen

Riesen-Räuchermann – Erzgebirge

Mit dem Rückgang des Bergbaus am Beginn des 18. Jahrhunderts wuchs im Erzgebirge seit dieser Zeit eine kleine Hausindustrie heran, die Holzspielzeug und Gegenstände des täglichen Bedarfs fertigte. Hieraus gingen eine Vielzahl von Familienbetrieben und ab 1770 die ersten Großhändler hervor, die dann begannen die Produktion generalstabsmäßig zu organisieren. Bereits um das Jahr 1800 herum gab es eine Vielzahl an Figuren und Modellen, die zum Verbrennen von Räucherkerzen hergestellt wurden. Eine erste schriftliche Erwähnung finden die beliebten Räuchermänner, wie wir sie heute kennen, um das Jahr 1830. Als offizielle Erfinder gelten jedoch gemeinhin Ferdinand Frohs und Gotthelf Friedrich Haustein in Heidersdorf (kleiner Ort in der Nähe von Seiffen) um das Jahr 1856. Der erste Räuchermann war ein Pfeiffenraucher, der zum Prototyp des heutigen Räuchermanns wurde. Mittlerweile ist die Produktion dieser zumeist Räuchergefäße ein fester Bestandteil der erzgebirgischen Volkskunst und haben es weit über die Grenzen der Region hinaus zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Sie zählen heute neben Nussknacker, Schwibbogen, Pyramide, Bergmann und Engel zu den wichtigsten erzgebirgischen Dekorationsgegenständen in der Advents- und Weihnachtszeit. Dazu gibt es die Räuchermännchen in unzähligen Ausführungen, wobei sie häufig die Berufe der Region wiederspiegeln (z. B. Bergmann, Essenkehrer, Förster, Türke, Hausierer, Rastelbinder oder Soldaten). Aber auch Persönlichkeiten wie der berühmte Wildschütz und Robin Hood des Erzgebirges Karl Stülpner wurden als Räuchermann verewigt. Natürlich gibt es den Räuchermann auch als weibliche Variante, der Räucherfrau.

Verwendung des erzgebirgischen „Raachermannl“

Räuchermännchen

  1. Um ein Räuchermännchen zu benutzen, wird es zuerst geöffnet (besteht aus zwei Teilen).
  2. Anschließend stellt man ein entzündetes Räucherkerzchen auf den unteren Teil der Holzfigur.
  3. Danach wird der obere Teil, welcher ausgehöhlt ist, auf den unteren gesteckt.
  4. Jetzt brennt das Räucherkerzchen im Inneren des Räuchermannes ab, wobei aus dem Mundloch der aufsteigende Rauch des abbrennenden Kerzchens austritt.
  5. Genieße nun den angenehmen Duft der Räucherkerze.
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Quellen:

  • Crummenerl, Rainer (Hg.): Erzgebirgisches Weihnachtsbüchlein; Berlin 1996, S. 69.
  • Haas, Renate / Christof, Klaus: Weihrauch: Der Duft des Himmels; Dettelbach 2006, S. 217ff.
  • Sehn, Dietmar: Weihnachten in Sachsen; Erfurt 2013, S. 89.