Räucherzöpfe / Räucherschnüre

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Was sind Räucherzöpfe (Räucherschnüre)?

Die Räucherzöpfe (zu Schnüren verarbeitete Kräuter) sind eine spezielle Form von Räucherwerk, das es in zwei unterschiedlichen Ausführungen gibt:

  • Stengel und Halme, die von bestimmten Pflanzen stammen und geflochten werden
  • Papierrollen, die mit Räucherstoffen gefüllt sind, geflochten oder zusammengedreht werden

Räucherzöpfe finden traditionell bei den Ritualen der Indianer und in der Himalayaregion (Nepal, Tibet) Verwendung.

Räucherzöpfe bei den nordamerikanischen Indianern

Bestimmte Pflanzen werden von den Indianern verräuchert, um auf diese Weise den Geist der Pflanze freizusetzen mit dem Zweck der Götterverehrung oder um böse Geister bzw. Krankheiten zu vertreiben. Dazu wird traditionell ein Räucherzopf aus Gräsern und Kräutern verwendet. Meistens bestehen diese Zöpfe aus Süßgras (Sweetgras), dessen Halme in Mengen von ca. 10 Stück zu drei Strängen zusammengelegt und zu dicken Zöpfen verflochten werden. Geräuchert werden diese Zöpfe dann, indem man sie an einem Ende entzündet und über den Kopf schwingt.

Berk HS-465 Räucherwerk - Sandelholz Räucherschnüre

Räucherschnüre in der Himalaya-Region (Nepal, Tibet)

Tibetanischer Räucherzopf

Im Himalayaraum werden Räucherschnüre, die traditionell aus 14 verschiedenen Kräutern und 7 Hölzern (z. B. Kampfer, Wacholder oder weißem Sandelholz) bestehen, von den Schamanen für Heilungsrituale sowie als Begleitmittel zu Meditation und Gebet verwendet. In Nepal werden Räucherschnüre oft in der Morgenpuja (Morgenandacht) oder zum Abendgebet eingesetzt. Es ist dabei üblich immer zwei Schnüre zu entzünden. Das soll symbolhaft die Polarität im Universum zum Ausdruck bringen. Diese Schnüre werden aus handgeschöpften Seidelbastpapier (stammen von einer im Himalaya verbreitetenen Seidelbastart) nach alter Handwerkskunst in den tibetischen und nepalesischen Klöstern gefertigt. Ebenso werden sie von Schamanen und Hausfrauen hergestellt, wobei letztere die Räucherschnur nach altem Brauch in heiliger Tempelasche rollt, was die Wirkung beim Räuchern vergrößern soll.

Anwendung von Räucherzöpfen

Die Räucherzöpfe können in zwei verschiedenen Varianten verräuchert werden:

  1. Man entzündet eine Räucherkohle und legt den Zopf bzw. Teile des Zopfes auf die glühende Kohle.
  2. Der Räucherzopf wird über einer mit Sand gefüllten Schale angezündet. Sobald der Zopf brennt, wird er ausgepustet, so dass er nur noch glüht.
  3. Jetzt wird durch leichtes Blasen in die Glut der eigentliche Rauch erzeugt.

Im Anschluss an die Räucherung wird der Zopf gelöscht (am besten mit Sand) und kann für spätere Anwendungen aufbewahrt werden.

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Überblick aller Räuchermittel / Räucherwerk

 

Quellen:

  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 98-99.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 203.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 41.