Räucherstäbchen

Werbung

Was sind Räucherstäbchen?

Bei Räucherstäbchen handelt es sich um zu Stäbchen geformte Duftstoffe, die verbrannt werden, um einen angenehmen Geruch zu erzeugen. Räucherstäbchen werden sowohl in religiösen Ritualen / Zeremonien als auch für den profanen Zweck der Beduftung von Räumen und Umgebung verwendet. Diese alte Form von Räucherwerk hat ihren Ursprung in Asien (Indien, Tibet, Thailand, China sowie Japan). Räucherstäbchen gibt es in vielen Variationen, sowohl hinsichtlich ihrer Farben als auch im Duft. Ebenso gibt es einfache für den profanen, wie auch spezielle für Meditation (werden speziell in japanischen Zen-Klöstern produziert) hergestellte Stäbchen. Leider sind viele der aktuell auf dem Markt angebotenen Räucherstäbchen mit synthetischen Duftstoffen versehen.

Tipp! Wer Räucherstäbchen einmal selbst machen möchte, für den haben wir hier eine passende Schritt-für-Schritt-Anleitung parat: Räucherstäbchen selbst herstellen.

Formen von Räucherstäbchen

Im Laufe der Zeit haben sich zwei verschiedene Arten von Räucherstäbchen herausgebildet:

  • mit Stützholz: Bei dieser Form bestehen die Räucherstäbchen aus einem Bambusspan (dient zur Stabilisierung), der zu etwa zwei Dritteln mit einer Paste bzw. Teig aus verschiedenen Räucherstoffen ummantelt ist. Verbreitung: Indien, Amerika
  • ohne Stützholz: Hierzu werden die Stäbchen ähnlich wie Nudeln aus einem Teig geformt. Diese Form hat den Vorteil, dass sie beim Verbrennen keine beißende Eigennote von Bambusholz hat. Für die Stabilisierung ist die Konsistenz des Teigs verantwortlich, wozu die Räucherstäbchen nach dem Formen noch getrocknet werden müssen. Verbreitung: China, Tibet, Japan, Amerika

Ebenfalls gibt es Unterschiede im Verfahren der Herstellung der Stäbchen. Hier wird zwischen folgenden Methoden unterschieden:

  • getauchte Räucherstäbchen: Hierbei werden zumeist Stäbchen mit Stützholz verwendet, die mit einem Gemisch aus Holzkohle und Sägemehl ummantelt und anschließend in ätherische Öle oder andere Duftmischungen eingetaucht werden.
  • Masala-Mischung: Diese Art von Stäbchen wird aus einer Paste von Hölzern, Kräutern, Ölen und Harzen hergestellt. Dabei wird der Teig entweder nudelförmig ohne Stützholz (in China, Tibet und Japan) zu Stäbchen gerollt oder aber um einen Holzstab (in Indien) gewickelt.

Abbrennen eines Räucherstäbchens als Film

Ein kleiner Film über das Abbrennen eines Räucherstäbchens:

Räucherstäbchen beim Abbrennen.

Entwicklung in den verschiedenen Kulturen

Besonders im asiatischen Raum sind Räucherstäbchen weit verbreitet und gemeinhin werden die dortigen Kulturen als Urheber dieses Räucherwerks angesehehn, aber auch bei den amerikanischen Ureinwohnern hat sich diese Form von Räuchermitteln unabhängig entwickelt.

Werbung

Indien

Glimmendes Räucherstäbchen

Als eigentliches Ursprungsland der Räucherstäbchen gilt Indien, die hier als „agarbattī“ → Hindi: अगरबत्ती (von Agarholz = Adlerholz) bezeichnet werden. Schon in den alten Veden (spirituelle Schriften) gibt es erste Hinweise zur Herstellung von Räucherstäbchen. Nach einer anderen Überlieferung haben buddhistische Mönche die Räucherstäbchen erfunden, indem sie heimische Hölzer, Harze zur Hand genommen und diese mit einem Bambusspan als Stütze versehen haben. Zur Herstellung der Stäbchen wird ein Stützholz (meist Bambus) und Räucherpulver (bestehend zumeist aus Holzmehl, verschiedenen Harze und ätherischen Öle sowie zermahlenen Pflanzenteilen) verwendet.

Räucherstäbchen dienen in Indien zur Verehrung (Opferung) der Götter und neben dem Gebrauch im Gottesdienst und rituellen Zeremonien auch bei festlichen Anlässen wie Hochzeiten und Beerdigungen verräuchert.

Zu den bekanntesten Duftrichtungen von indischen Räucherstäbchen gehört sicherlich Nag Champa. Dabei handelt es sich um keinen speziellen Markennamen eines bestimmten Herstellers, sondern um einen besonderen Duft, der neben anderen Duftstoffen (u. a. Sandelholz) hauptsächlich aus den Blüten des gleichnamigen Baumes Nagchampa gewonnen wird.

Tibet

Die Räucherstäbchen-Herstellung in Tibet lässt sich bereits auf das 7. Jhrdt. zurück datieren. Bei religiösen Ereignissen, an großen Festtagen sowie bei Totenritualen wurden hier große Mengen von Räucherstäbchen verbrannt. Die Herstellung der tibetischen Stäbchen kennt keine Stützhölzer. Neben der religiösen Verwendung, kommen die tibetischen Räucherstäbchen auch für medizinische Zwecke zum Einsatz. Stattdessen wird hier ein aus Wasser und Kräutern bestehender Teig angemischt, der von Hand geknetet wird. Mit Hilfe einer Maschine (eine Art Presse) wird den Räucherstäbchen dann die richtige Form gegeben und zum Schluss noch getrocknet. In unseren Tagen werden die Räucherstäbchen aufgrund der politischen Situation in Nepal oder Indien nach strengen buddhistischen Normen (ohne Verwendung von synthetischen und tierischen Stoffen) hergestellt. Die Räucherstäbchen der Tibeter, auch als „Zimpo“ (Zhempus) oder Potala bezeichnet, werden zumeist nach aufwendigen Rezepten gefertigt und bestehen aus ca. 25 bis 35 aromatischen Kräutern, Hölzern und Harzen wie u. a. Aloeholz, Beifuß, Galgant, Guggul, Kostus, Muskat, Narde, Rhododendron, Safran, Rotes und Weisses Sandelholz, Sal Dhup, Vetiver, Wacholder oder Zeder. Früher waren es fast ausschließlich Pflanzen aus der heimischen Himalaya-Region, die dort als Bestandteile zum Einsatz kamen.

Thailand

Räucherstäbchen

Die Räucherstäbchen der Thais verfügen ebenfalls über einen buddhistischen Hintergrund. In Thailand wird das Räucherwerk zu religiösen Anlässen auch nicht sparsam verwendet.

China

In China wurden Räucherstäbchen ebenfalls durch buddhistische Mönche eingeführt und deren weiterer Gebrauch kultiviert. Allerdings entwickelte man hier ein neues Verfahren zur Herstellung: So wurden die Stäbchen hier statt mit einem Stützholz im so genannten „Nudelverfahren“ (wie bei der Herstellung von Nudeln) produziert. Das hatte den Vorteil, dass der Eigengeruch des Holzes beim Verräuchern wegfiel. Anhand dieses Verfahrens wurden dann später auch die Räucherspiralen hergestellt. Die chinesischen Räucherstäbchen werden auch häufig als „joss-sticks“ bezeichnet, was sich mit „Glücks- oder Schickssalsstäbchen“ übersetzen lässt. In China wurden Räucherstäbchen sogar als Duft- bzw. Räucheruhr verwendet, wozu bestimmte Markierungen und Symbole in die Stäbchen eingearbeitet wurden (teilweise sogar mit unterschiedlichen Düften → setzten beim Erreichen einer bestimmten Markierung/ Zeitfensters ein). Diese Erfindung ging auf buddhistische Mönche zurück, die aufgrund des gleichmäßigen Abbrennens wohl auf diese Idee kamen.

Angebot Japanischer Porzellan Räucherstäbchenhalter Brenner Von Shoyeido- Chrysantheme
Angebot Räucherstäbchenhalter exklusives 3er Set aus Sheesham-Holz zum Abbrennen von Räucherstäbchen, Räucherstäbchen Halter Zubehör

Japan

Stäbchenhalter mit Räucherstäbchen

Für die Produktion der edelsten Räucherstäbchen auf der Welt ist Japan berühmt geworden. Diese eigneten sich die Fertigkeit zur Herstellung solcher Stäbchen von den Chinesen an und verfeinerten diese. Erstmals wurden die Räucherstäbchen während der Muromachi-Periode (1338 bis 1573) in Japan eingeführt. Aber erst in der Edo-Zeit (1603 bis 1867) entstand die Kunst der Herstellung von Räucherstäbchen in Japan richtig. Diese wurde bis in die heutige Zeit immer stärker perfektioniert und verfeinert. Die japanische Räucherkultur verfügt seit jeher einen höheren Stellenwert als wie in den anderen asiatischen Ländern. Auch im Alltag verbrennen die Japaner traditionell viel Räucherwerk (wird hier als „Koh“ bezeichnet), was letztlich dem Zen und der damit verbundenen meditativen Kultur in den unterschiedlichen Lebensbereichen geschuldet ist. Ob z. B. beim Tee, dem Bogenschießen oder aber eben beim Räuchern (Koh-Dō-Zeremonie), alles ist durch die Philosophie und Praxis des Zen inspiriert. Nach dieser Philosophie entspringt der Gebrauch des Räucherwerks dem meditativen Geist.
Die Japaner haben die Herstellung und die Verwendung von Räuchermitteln zur Kunst gemacht: Als Schirmherr für die Herstellung von Räucherwerk in Japan gilt der „Meister des Koh“. Dieser kredenzt mit dem Ziel einen harmonischen Duft zu erschaffen die Duftmischungen (können manchmal bis zu 100 verschiedene Düfte enthalten). Für deren Produktion werden nur die allerbesten Räucherstoffe (u. a. Adlerholz (Jinkoh), Benzoe, Gewürznelke, Sandelholz, Sternanis, Weihrauch und Zimt) benutzt. Als Hauptbestandteil der japanischen Räucherstäbchen wird pulverisiertes Aloeholz benutzt. Zur Herstellung wird anstatt den Stützhölzern die Rinde des Tabuko-Baumes (machilus thunbergii) oder Tabuholz (cercidiphyllum japonicum) verwendet. Diese Rinde gewährleistet einen reinen Duft (ohne Eigengeruch) und sorgt für ein gleichmäßiges Abbrennen der Stäbchen.
Besonders im Ahnenkult der Japaner (u. a. in den Bestattungsriten) werden die Räucherstäbchen eingesetzt und symbolisieren hier Dankbarkeit der Hinterbliebenen gegenüber dem Vorfahren.

Amerika

Außer in den asiatischen Ländern sind Räucherstäbchen auch bei den amerikanischen Ureinwohnern erfunden worden. In alter Tradition stellen auch diese neben den zu Zöpfen gebundenen Kräutern (als „Smudge Bundles“ bezeichnet) Räucherstäbchen her (mit und ohne Stützholz). Diese bestehen zumeist aus Zederspitzen sowie u. a. Copal, Desert Sage, Pinie, Wacholder oder Yerba Santa.

Werbung

Anwendung von Räucherstäbchen

Wie ein Räucherstäbchen richtig verräuchert wird, haben wir in dieser kurzen Anleitung beschrieben:

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zuerst werden die Räucherstäbchen an ihrer Spitze angezündet.
  2. Nun lässt man das Stäbchen einen Augenblick brennen und fächelt es dann nach alter Tradition mit der Hand aus. Wenn alles richtig gemacht wurde, sollte das Räucherstäbchen jetzt glühen und einen angenehmen Duft verbreiten.
  3. Jetzt kann das glühende Stäbchen in einen entsprechend dafür vorgesehenen Stäbchenhalter oder Räuchersäule gesteckt werden. → Sollte kein spezieller Halter verfügbar sein, so tut es auch eine mit Sand gefüllte Schale, in die sich das Stäbchen stecken lässt und außerdem den entscheidenden Vorteil hat, dass die Asche nicht daneben fallen kann.

Anleitung als Video

Entzünden eines Räucherstäbchens.

 
Überblick aller Räuchermittel / Räucherwerk

 

Quellen:

  • Berk, Susanne: Einfach Räuchern. Anwendung, Wirkung und Rituale; Burgrain 2016, S. 101ff.
  • Haas, Renate / Christof, Klaus: Weihrauch: Der Duft des Himmels; Dettelbach 2006, S. 200.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 89f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 14ff.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 214ff.
  • Wollner, Fred: Duftender Rauch für die Seele. Vom praktischen Umgang mit Räucherwerk; München 1998, S.26f., 119.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 98ff.