Japanisches Räucherwerk

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Über die Jahrhunderte hat sich in Japan eine besondere Duftkultur entwickelt, die sich nicht nur in Duftspielen oder Ritalen wie der traditionellen Koh-Dō-Zeremonie wiederspiegelt, sondern eben auch in der Vielfalt von Duft- und Räucherwerk.

Japanisches Räucherwerk

Im Laufe der Zeit haben sich in Japan unterschiedliche Formen von Räucherwerk herausgebildet, die sich bis in unsere Tage einer großen Beliebtheit erfreuen:

  • Aromahölzer

Als Aromahölzer werden bestimmte Holzarten (u. a. Adlerholz, Sandelholz, Zeder, Zypresse) bezeichnet, die beim Räuchern einen sehr feinen Duft verströmen und dabei fast keinen Rauch entwickeln.

  1. jinkō bzw. Jinkoh (Räucherholz)

    Räuchermittel aus Japan – Jinkoh-Plättchen (Adlerholz)

    Hierbei handelt sich um ein besonders seltenes Räucherholz, das auch unter dem Namen Adlerholz bekannt ist. Es wird in kleinen Splittern verräuchert und verströmt dabei einen einzigartigen Duft. Es wird von Bäumen gewonnen, deren Kern vorher mehrere Jahre lang von Pilzen infiziert wurde und wird in unterschiedlichen Qualitäten (richtet sich nach dem Fermentierungsgrad) verkauft.
    Mehr Informationen zum Adlerholz …

  2. Sandelholz (Byakudan)

    Eine weitere Holzart, die in Japan zu den traditionellen Aromahölzern gehört, ist das Sandelholz. Dieses Holz wird ebenfalls in Form von kleinen Plättchen verräuchert. Mehr zum Sandelholz …

  • shōkō (bzw. Shokoh)

Darunter werden Granulatmischungen verstanden, die vornehmlich in buddhistischen Tempeln zu Reinigungsritualen und als unterstützendes Hilfsmittel zur Meditation verräuchert werden. Die im Tempel verwendeten Granulate bestehen in der Regel aus bis zu zehn verschiedenen Räucherstoffe (u. a. Ingwerlilie, Jinkoh, Nelke oder Sandelholz). Mehr zur Shokoh-Räuchermischung …

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  • nerikō bzw. Nerikoh (Duftkugeln)

Japanisches Räucherwerk – Nerikoh-Duftkugeln

Zur japanischen Tee-Zeremonie („sado“) werden traditionell Nerikoh-Duftkugeln verräuchert, die aus pulversierten Räucherstoffen wie Benzoe, Jinkoh, Narde, Patchouli und Sandelholz zusammen mit Honig und Kohlepulver zu einem Teig geknetet werden. Daraus werden dann zu Kugeln geformt und häufig über lange Zeit in Glas- oder Tonbehältern gelagert. „Nerikoh“ heißt übersetzt „gekneteter Duft“ und soll dem in Japan sehr geschätzten zarten Duft von Pflaumenblüten gleichen. Mehr Infos zu den japanischen Räucherkugeln …

  • senkō (Räucherstäbchen)

Die acht traditionellen japanischen Düfte sind Daigen-koh, Gozan, Haku-un, Hoyei-koh, Kin-kaku, Kyo-nishiki, Kyo-zakura und Nokiba. Die japanischen Räucherstäbchen verfügen über kein Stützholz wie ihre indischen Pendants. Als natürliches Bindemittel wird aufgrund seines neutralen Geruches in der Regel die zu Pulver verarbeitete harzhaltige Rinde des Zypressenbaumes (jap.: Tabu-Koh) verwendet. Es gibt in Japan traditionelle Firmen wie z. B. Shoyeido, die seit über  dreihundert Jahren Räucherstäbchen produzieren. Die Räucherwerk-Manufaktur Shoyeido hat ihren Firmensitz in Kyoto und wurde im Jahr 1704 von der Familie Hata begründet.
Mehr Infos zu den japanischen Räucherstäbchen …

  • ensuikō (Räucherkegel)

Bei dieser Art von Räucherkerzen wurden zumeist Blumen- oder Zitrusdüfte (u. a. Jasmin, Lavendel, Pinie, Rose) in eine konische Form gepresst. Mehr Infos zu den Räucherkerzen …

  • inkō bzw. Inkoh (gepresstes Räucherwerk)

Japanische Duftplättchen (Inkoh) in Form von Blüten

Eine weitere Art von erlesenen Räuchermitteln, die in Japan weit verbeitet sind, müssen die gepressten Duftplättchen (In-koh) angeführt werden. Diese sind häufig in Form von Blüten (Räucherblüten, jap. Himenoka) im Handel erhältlich und wurden auch zumeist mit Blüten- und Blumendüften (Jasmin, Pflaume, Rose etc.) parfümiert. Zum Räuchern können die kleinen Plättchen dann auf heiße Asche neben die glühenden Kohlen gelegt werden, wo sie langsam schmelzen und einen angenehmen Wohlgeruch verströmen.

  • Räucherspiralen

Nicht nur in China und Indien sind Räucherspiralen verbreitet, sondern auch in Japan. Dieses lang brennende Räucherwerk (meist mehrere Stunden) wird in der Regel zu Meditation und Gebet eingesetzt. Japanische Räucherspiralen zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie sich im Liegen verräuchern lassen und nicht wie ihre Pendants aus China und Indien auf einem Ständer bzw. durch Aufhängen an der Decke. Mehr Infos zu Räucherspiralen …

Weitere Duftmittel

Neben dem klassischen Räucherwerk gibt es auch weitere Entwicklungen im Bereich der japanischen Duftkultur:

  • nioi-bukuro bzw. Taga-sode (Duftsäckchen)

Diese kleinen Säckchen duften nicht nur gut und vertreiben hervorragend Insekten, sondern sollen als kleine Glücksbringer auch vor Unglück schützen. Die Duftsäckchen sind in der Regel mit Aloeholz, Gewürznelken, Kautschuk (weiß), Kiefer, Moschus, Sandelholz, Spiralmuschel (gemahlen) Tulpe, Weihrauch (indisch) oder Zimt gefüllt. Solche traditionellen Duft-Sachets können zur Beduftung von Auto, Gepäck, Kleiderablagen, Schränken, Schubladen, Wäsche etc. verwendet werden. Früher wurden diese Säckchen am Kimono getragen.

  • zukō bzw. Zu-Koh (Duftpulver)

Seit vielen Jahrhunderten sind in Japan zudem Duftpulver (japanisch: „Zukoh“) aus reinen Naturstoffen in Gebrauch, die vermutlich von den Mönchen in den dortigen Klöstern erfunden wurden. Dabei handelt es sich um fein gemahlene Hölzer oder Harze wie u. a. Gewürznelken, Kampfer, Patchouli, Sandelholz oder Zimt. Verwendung finden die japanischen Duftpulver zumeist für das Beduften des Körpers (wird ähnlich wie Parfüm angewendet) und für verschiedene Gegenstände wie Briefe, Geschenke oder Kleidung. Besonders bei den Zen-Meistern ist es traditionell üblich den Kimono mit Hilfe des Oulvers zu parfümieren.

Japanische Räuchermethoden

Im Laufe der Zeit haben sich in Japan mehrere Methoden des Räucherns entwickelt:

  • Soradaki

Sandelholz – Japanische Aromahölzer

Als Soradaki bezeichnen die Japaner jene Methode des Räucherns, die weniger rituell ausgeprägt ist und eher für den profanen Genuß von Düften zum Einsatz kommt. Sie wird angewandt, wenn es darum geht mittels Beduftung z. B. eine angenehme Raumatmosphäre zu schaffen.

  • monkō (auch Mon-Koh)

Die Räuchermethode Mon-Koh wurde von den Japanern entwickelt, um den Duft kostbarer Aromahölzer wie Adler- oder Sandelholz vollends auszuschöpfen. Meistens wird sie während der traditionellen Koh-Dō-Zeremonie angewandt. Dabei steht das meditative „dem Duft lauschen“ im Vordergrund, was das Wort „monkō“ (japanisch: 聞香) aus dem Japanischen übersetzt auch heißt.

  • Koh-Dō-Zeremonie

Hierbei handelt es sich um die traditionelle japanische Räucherzeremonie, die auch „Weg des Räucherns“ genannt wird. Sie entstand bereits im 14. Jhrdt. n. Chr und wird bis in unsere Tage als wichtiges Ritual neben der bekannteren Tee-Zeremonie gepflegt. Dabei ist die Koh-Dō-Zeremonie in engem Zusammenhang mit dem Zen zu sehen. Mehr zur Koh-Dō-Zeremonie …

  • Kumi-kō (bzw. Kumikoh)

Darunter werden in Japan Duftspiele verstanden, die dem ästhetischen Vergnügen dienen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich eine ganze Reihe solcher unterschiedlicher Spiele entwickelt, die auch heute noch gerne gespielt werden.

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Räucherwerk / Räuchermittel im Überblick

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, 217-259.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 45-49.
  • Schwarz, Aljoscha A. / Schweppe Ronald P.: Natürlich heilen mit Weihrauch; München 1998, S. 15.
  • teeweg.de: Genji-Mon / Genji-Kô, abgerufen am 1. Januar 2016.
  • Wollner, Fred: Duftender Rauch für die Seele. Vom praktischen Umgang mit Räucherwerk; München 1998, S. 112-123.