Räuchern im Winter

Seit uralter Zeit gehört das Räuchern im Winter zu den festen Traditionen der Menschen in unseren Breitengraden und bereits unsere Vorfahren räucherten ausgiebig in den kalten Tagen des Jahres.
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Räuchern in der Winterzeit

Räuchern in der Winterzeit

Wenn es draußen kalt wird und der erste Schnee fällt, dann machen wir es uns daheim gemütlich. Neben Kamin, Kerzenlicht, heißem Tee und anderen Wohltaten, gehören auch gute Düfte zu den Dingen, die für eine behagliche Atmosphäre in einer unwirtlichen Zeit sorgen. Am 21. Dezember eines jeden Jahres ist der astronomische Winteranfang und damit beginnt offiziell die kälteste Zeit des Jahres.

Räucherwerk im Advent

In der Adventszeit gehört das Räuchern bei vielen Menschen zum festen Brauchtum in Häusern und Wohnungen. Neben den beliebten Räucherkerzen aus dem Erzgebirge erfreuen sich auch Räucherstäbchen aus Fernost, Weihrauch, Myrrhe und andere Räuchermittel einer großen Beliebtheit als Duftbringer im Advent. Typische Winter-Gewürze wieZimt, Kardamom, Gewürznelke, Sternanis, Vanille oder Orangenschalen lassen sich ebenfalls als Räucherstoffe auf Holzkohle oder Stövchen hervorragend verbrennen. Auf diese Weise wird für eine eine angenehme weihnachtliche Stimmung in den Stuben und Zimmern gesorgt.

► Viele Informationen zu Ursprung und Entwicklung der beliebten Räucherkerzen gibt es in unserem Artikel „Räucherkerzen (Räucherkegel)“.
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Astronomischer Winteranfang

Der astronomische Winteranfang wird daran festgemacht, dass die scheinbare geozentrische Länge der Sonne bei 270° liegt, was mit dem Ereignis der Wintersonnenwende zusammenfällt. Dieses Datum variiert zwischen dem 21. und 22. Dezember. Während der Winter auf der Nordhalbkugel in die Monate Dezember, Januar und Februar fällt, findet er dagegen auf der Südhalbkugel in den Monaten Juni, Juli und August statt.

Räuchern an Weihnachten

In der Weihnachtszeit haben sich in den vergangenenen Jahrhunderte eine Vielzahl an Bräuchen herausgebildet, die ihren Ursprung bereits in vorchristlichen Zeiten hatten und im Laufe der Zeit mit neuen Bedeutungen versehen wurden.

  • Wintersonnenwende


Vom 21. auf 22. Dezember hat das Jahr seine längste Nacht und wird seit alter Zeit auch als Wintersonnenwende bezeichnet. Bei unseren Vorfahren war diese Nacht in besonderer Weise den Göttern geweiht und es wurde in diesen Tagen auch entsprechend geräuchert. Die Wintersonnenwende, auch Mittwinter genannt, ist ein Fest der Dunkelheit und des Lichtes zugleich. Das Licht besiegt letztlich in dieser langen Nacht die Dunkelheit und wird wiedergeboren. Bei Germanen und Kelten hieß das Fest auch Julfest (bzw. Yule), wobei „Jul“ vermutlich „Rad“ bedeutete und sich auf den Jahreskreislauf bezog. Zur Unterstützung der Wiedergeburt der Sonne, wurde in dieser Nacht das Julfeuer entzündet, um darin symbolisch die Altlasten des vergangenen Jahres zu verbrennen. Zu diesem Anlass war es üblich auch Haus und Hof auszuräuchern. Die Nächte vom 21. bis 25. Dezember werden im heidnischen Brauchtum auch als Mütternächte, da diese Zeit besonders dem Aspekt des Weiblichen gewidmet war, bezeichnet. In diesen Nächten sowie in den darauffolgenden zwölf Rauhnächten wurde diese Reinigung fortgeführt.

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  • Raunächte

Zur Weihnachtszeit gehört seit vielen Jahrhunderten das Brauchtum der Raunächte, das es schon vor der Christianisierung Mittel- und Nordeuropas gab. Als Raunächte werden traditionell die Nächte zwischen dem Weihnachtstag und dem Dreikönigstag bezeichnet. Die letzte Rauhnacht, die am 6. Januar endet, wird auch als Perchten-Nacht bezeichnet. Zu diesem Anlass werden an vielen Orten in Bayern und Österreich traditionell die lärmenden Perchtenläufe (Umzüge mit aufwendig geschnitzten Holzmasken, Glocken und schön gefertigten Kostümen) abgehalten, um die bösen Geister des Winters zu vertreiben. In der Zeit der Raunächte ist es alter Brauch das Haus und den Hof mit Kräuterbündeln auszuräuchern, die an Mariä Himmelfahrt (15. August) geweiht werden. Das Ausräuchern soll dabei traditionell dem Vertreiben schlechter Geister bzw. zum Schutz vor diesen Wesenheiten dienen. Nach germanischer Mythologie zogen in diesen Nächten Wotan mit einem Heer Naturgeister und Seelen von Verstorbenen durch die Lüfte. Um den Gott gnädig zu stimmen, brachten die Germanen Opfer in Form von Speisen dar, die sie vor Tor und Tür stellten.

► Weitere Informationen zu den Rauhnächten haben wir in folgendem Artikel zusammengefasst: Rauhnächte – Rituale und Brauchtum
  • Weihnachten (25. Dezember)

Weihnachtsdekoration

Das Datum des 25. Dezembers, an dem wir in der westlichen Welt heute Weihnachten feiern, war schon im heidnischen Rom ein wichtiger Termin, da an diesem Tag dem Sonnengott Mithras (Sol) in besonderer Weise verehrt wurde. Erst Kaiser Konstantin der Große, der nach seinem Sieg in der Schlacht an der Milvischen Brücke (diesen Sieg schrieb er aufgrund eines großen Kreuzzeichens am Himmel Christus zu) im Jahr 312 das Christentum zur Staatsreligion im römischen Reich erhob und den 25. Dezember als Geburtstag von Jesus Christus festlegte. Konstantin identifizierte den „Sol invictus“ („unbesiegbaren Sonnengott“) nun mit Christus als der neuen Sonne. Seither feiern wir in Europa und anderen christlich geprägten Regionen am 25. Dezember das Fest der Geburt Christi. Bereits in den heidnischen Tempeln des alten Roms wurden an diesem Tag zu Ehren von Mithras Weihrauch und andere kostbare Harze als Opfer verbrannt und auch heute ist es üblich besonders in der feierlichen Christmette Weihrauch-Mischungen zur Ehre Gottes zu räuchern.

► Mehr Informationen zum kirchlichen Verwendung von Weihrauch können übrigens in folgendem Beitrag nachgelesen werden: Kirchenweihrauch.
  • Heilige Drei Könige (6. Januar)

Heilige Drei Könige – Holzfiguren

Ebenfalls in sehr engem Zusammenhang steht das Räuchern im christlichen Kontext mit dem Hochfest Heilige Drei Könige, das die Kirchen alljährlich am 6. Januar feiern (in der orthodoxen Kirche ist es sogar das eigentliche Weihnachtsfest). Nach biblischer Überlieferung überbrachten an diesem Tag drei Weise (auch als Sternendeuter oder Magier bezeichnet) dem neugeborenen Heiland Geschenke in Form von Gold, Weihrauch und Myrrhe. So wird es jedenfalls in den Evangelien berichtet. Passend zu diesem Tag ist in der kirchlichen Liturgie auch die alttestamentliche Lesung aus dem Propheten Jesaja gewählt: „Unzählige Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Madian und Epha. Sie alle kommen von Saba mit Gaben von Gold und Weihrauch, laut kündend das Lob des Herrn.“ (Jes 60,6) Zur feierlichen Unterstützung des Gottesdienstes an diesem Hochfest in der Weihnachtszeit werden traditionell Mischungen aus Weihrauch, Myrrhe und anderen Räucherpflanzen innerhalb der kirchlichen Liturgie verbrannt. In manchen Gegenden Europas ist es dabei auch Brauch, dass die Sternensinger beim Segnen der Haustüren den Bewohnern auch drei Weihrauchkörner als Erinnerung an die Gaben der heiligen drei Könige überreichen.
Der 6. Januar wird in einigen Regionen (im süddeutschen sowie im alpinen Raum) auch Hochneujahr oder Perchten-Tag genannt. Letztere Bezeichnung hat ihren Ursprung in der Sagengestalt der „Perchta“ (ist vermutlich identisch mit der germanischen Göttin Frigg bzw. Frau Holle), die an diesem Tag als Lichtgestalt verehrt wird. Perchta kommt vermutlich vom Althochdeutschen „peraht“, was sich mit „hell“ bzw. „glänzend“ übersetzen lässt.

Räucherstoffe für den Winter

Typische Räucherstoffe für den Winter sind neben bereits erwähnten Gewürzen wie Anis, Nelke, Kardamom, Vanille und Zimt auch Pflanzen wie Alant, Beifuß, Mistel, Kiefer, Tanne, Thuja oder Wacholder. Diese herrlichen Winterdüfte laden nicht nur zum Wohlfühlen an kalten Winterabenden ein, sondern vertreiben auch lästige Insekten!

► Eine Übersicht mit weiteren Räucherstoffen für den Winter findet sich in folgendem Beitrag: Räuchermischungen im Winter.
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Zur Räucherwelt

 

Quellen:

  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 114ff.
  • Haas, Renate / Christof, Klaus: Weihrauch: Der Duft des Himmels; Dettelbach 2006, S. 206.
  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen. Räucherduft und Ritual im Jahreslauf; Oberstdorf ²2012, S. 45f.