Räuchern im Sommer

Seit langer Zeit gehört das Räuchern im Sommer zu den festen Traditionen der Menschen in unseren Breitengraden. Schon unsere Vorfahren räucherten in jenen Tagen, wo die Natur in ihrer voller Pracht und Blüte steht.
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Räuchern in der Sommerzeit

Wenn im Sommer Luft von Blütenduft erfüllt ist, die Sonne ihre ganze Energie entfaltet sowie die Pflanzen blühen und für die Ernte heranreifen, dann steht die Natur am Höhepunkt ihrer Entfaltung. Tier und Mensch erholen sich und tanken in diesen Tagen neue Kraft für die im Anschluss folgende kalte Jahreszeit.

Heidnische Feste: Sommersonnenwende und Schnitterfest

Sommersonnenwende

Die Sommersonnenwende (auch Mittsommer oder Midsommar genannt) markiert jenes Datum der kürzesten Nacht und des längsten Tages im Jahr (Gegenstück zur Wintersonnenwende), das immer auf den 21./22. Juni fällt. Bei diesem Ereignis steht die Sonne im Zenit ihrer Kraft. Bereits die Kelten und Germanen begingen diesen astronomischen Termin mit einem großen Fest, dass auf keltisch „Alban Hevin“ heißt. Archäologischen Funden zufolge brachten die Kelten dem Sonnengott wohl an diesem Tag auch rituelle Blutopfer dar. Dieses heidnische Brauchtum wandelte die katholische Kirche im Zuge der Christianisierung Europas später zum Johannistag am 24. Juni um, an dem der Enthauptung von Johannes dem Täufer gedacht wurde.

Ein weiteres heidnisches Sommerfest, mit dem die traditionell die Zeit der Ernte eingeläutet wurde, ist das Schnitterfest am 1./2. August (lag ganz ursprünglich als Mondfest auf dem Vollmond im August). Bei diesem Fest handelt es sich um das erste von drei traditionellen Erntefesten. Die Bezeichnung leitet sich von der Ernte des Getreides ab, die zuerst erfolgte und früher als „schneiden“ bezeichnet wurde. Bei den Kelten hieß dieses Fest Lugnásad bzw. Lughnasadh und sie feierten an diesem Tag zu Ehren der Gottheit Lugh (zu deutsch: der Leuchtende), einem Nachkommen des Feuer- und Lichtgottes Bel (Belenus), dieses Feuerfest. Traditionell wuurde für dieses Fest auch Brot gebacken, wovon sich auch eine weitere Bezeichnung des Schnitterfestes ableitet, der aus dem Angelsächsischen kommt: „Lammas“. Dieser Name lässt sich mit Brotlaib übersetzen und kann als Symbol für die Erntefrüchte gedeutet werden.

Maria Himmelfahrt (15. August) und Kräuterweihe

Maria Himmelfahrt am 15. August

In engem Zusammenhang mit dem oben erwähnten Schnitterfest stand auch das Ernten von Kräutern ab Mitte August, da den Pflanzen in dieser Zeit eine besondere Heilkraft nachgesagt wurde. Diese Tage zwischen dem 15. August und dem 15. September wurden auch als Frauendreißiger bezeichnet. Um dieses heidnische Brauchtum zu christianisieren, legte die katholische Kirche im 5. Jahrhundert das Fest Mariä Himmelfahrt (Gedenken der Auffahrt Marias in den Himmel) auf den 15. August eines jeden Jahres (später folgten noch weitere Marienfeste in den Tagen danach) und führte Rituale von Kräuterprozessionen und Kräuterweihen ein. Der Legende nach schenkte Maria den Menschen eine Vielzahl an Heilkräutern. Bis heute ist es vielerorts Tradition an diesem Tag gesammelte Kräuterbündel (bestehen zumeist aus 7, 9, 12, 14, 24, 72 oder 99 verschiedenen Kräutern) in der heiligen Messen segnen zu lassen, um die Kräuterbuschen anschließend als Heil- und Schutzmittel in Haus und Hof aufzuhängen.

Johannistag (24. Juni) und Johannisfeuer

Johannisfeuer am Johannistag (24. Juni)

Mit dem Fest zu Ehren des heiligen Johannes am 24. Juni haben sich bis heute einige Bräuche wie u.a. die Johannifeuer erhalten, die eigentlich heidnischen Ursprungs sind. Aus diesem Grund werden in einigen Regionen Europas an diesem Tag nach alter Tradition Sonnenwendfeuer bzw. Johannisfeuer veranstaltet (besonders im alpenländischen Raum), die ihre Herkunft den vorchristlichen Ritualen der Sommersonnenwende zu verdanken haben. Der Brauch solcher Sonnwendfeuer geht auf verschiedene Traditionen zurück: Sie haben ihren Ursprung wohl in heidnischen Fruchtbarkeits- und Reinigungsriten wie z.B. das Herabrollen brennender Räder von Hügeln, das Überspringen des Feuers oder das Anzünden vieler einzelner Feuer auf den Feldern. Die Johannifeuer sollten Schutz vor bösen Geistern und Krankheiten bieten. Ein weiterer Brauch an Johanni ist zudem das nächtliche Sammeln von neun Kräutern (mancherorts auch bis zu 99 Kräutern), weil zu diesem Zeitpunkt den Pflanzen eine besonders starke Heil- und Schutzwirkung zugesprochen wird.

Astronomischer Sommeranfang

Der astronomische Sommeranfang wird auf den 21. Juni eines jeden Jahres datiert, also zur Sommersonnenwende, wenn die Tage am längsten sind und die Sonne senkrecht über dem Wendekreis steht. Während der Sommer auf der Nordhalbkugel in die Monate Juni, Juli, und August fällt, findet er dagegen auf der Südhalbkugel in den Monaten Dezember, Januar und Februar statt.

Räucherstoffe für den Sommer

Das Räuchern im Sommer soll uns besonders als Erfrischung dienen und uns zu innerer Ruhe verhelfen. Passend zur Sommerzeit empfiehlt es sich Räucherstoffe zu verwenden, die eine blumige, frische Note haben. Als typische Räucherpflanzen für den Sommer eignen sich u. a. Arnika, Baldrian, Beifuß, Johanniskraut, Kalmus, Königskerze, Lavendelblüten, Lindenblüten, Mariengras, Mädesüß, Melisse, Rose oder Salbei. Diese herrlichen Sommerdüfte laden nicht nur zum Wohlfühlen an lauen Sommerabenden ein, sondern vertreiben auch Mücken und andere lästige Insekten (► Räuchern gegen Insekten)! Neben einzelnen Räucherstoffen gibt es aber auch eine Vielzahl an Räucherwerk (u. a. Räucherkerzen oder Räucherstäbchen) mit passenden Düften für den Sommer.

► Eine Übersicht mit weiteren Räucherstoffen für die Sommerzeit findet sich in folgendem Beitrag: Räuchermischungen im Sommer.

 

Zur Räucherwelt

 

Quellen:

  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 75ff.
  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen. Räucherduft und Ritual im Jahreslauf; Oberstdorf ²2012, S. 34ff.