Räuchern im Herbst

Seit langer Zeit gehört das Räuchern im Herbst, einer meist unwirtlichen Übergangszeit zwischen Sommer und Winter, zu den festen Bräuchen der Menschen in unseren Regionen. Bereits unsere Vorfahren räucherten in diesen Tagen, wenn die Blätter überall welkten und sich die Natur auf einen langen Winterschlaf vorbereitete.
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Räuchern in der Herbstzeit

Wenn sich im Herbst die Blätter an den Bäumen verfärben, bevor sie zu fallen anfangen, dann beginnt jene Jahreszeit, in der sich die Natur langsam zurückzieht und auf den nahenden Winter vorbereitet. Die Bauern holen auf den Feldern die Ernte ein und füllen die Scheunen und Kornkammern mit Vorrat für den Winter. Auch werden die Tage wieder kürzer und die Kraft der Sonne lässt nach.

Heidnische Herbstfeste: Mabon und Samhain

Erntedankfest

Jedes Jahr am 21. September feierten die Kelten in früheren Zeiten ein Fest zu Ehren von Mabon bzw. Maponos (Gott der Fruchtbarkeit und des Lichts), den Sohn der Erd- und Muttergöttin Modron. Dazu brachten sie ihm ein Dankesopfer für die eingefahrene Ernte dar. Auch die alten Griechen feierten um dieses Datum herum ein Dankesfest zu Ehren der Göttin Demeter, deren Name sich ethymologisch aus den beiden Worten „Dea“ und „Mater“ zusammensetzt und mit „Gott-Mutter“ oder „Muttergöttin“ übersetzt werden kann. Das Fest lässt sich als Vorläufer des späteren Erntedankfestes deuten, das für unsere Vorfahren eine enorme Bedeutung hatte und heute noch im kirchlichen Brauchtum alljährlich mit einem feierlichen Gottesdienst (zumeist mit viel Schmuck) am Sonntag nach Michaelis (29. September), dem Fest des hl. Erzengels Michael und aller Engel, begangen wird. Im Zuge der Christianisierung wurde auf den 21. September der Gedenktag des Evangelisten Matthäus gelegt (Matthäustag).

Toten-Gedenken (Allerheiligen / Allerseelen)

Ein weiteres Herbstfest ist Samhain am 1. November, das vermutlich keltischen Ursprungs ist und bei dem Ahnen, Naturgeister und Götter verehrt wurden. Mit der Missionierung Europas nahm die katholische Kirche dieses Datum als Hochfest Allerheiligen (1. November) bzw. dem Gedenktag Allerseelen (2. November) in ihren liturgischen Kalender auf. An diesen beiden Tagen wird der Toten nach altem Brauch in Form von Gottesdienst- und Friedhofsbesuchen besonders bis heute gedacht. Noch heute zeigen sich in Form von Halloween (irisch-keltischer Herkunft) am 31. Oktober, bei dem schlechte Geister mit Hilfe von Kostümen verjagt werden sollen, oder dem mexikanischen Fest „Los Dias de Muertos“ an Allerheiligen, die heidnischen Ursprünge dieses Datums. Bei letzterem Fest wird alljährlich traditionell viel Copal-Harz (schwarzer Copal) verräuchert, um den Kontakt zur Totenwelt herzustellen. Früher wurde der 1. November zudem als Winteranfang gedeutet.

Herbstgleiche / Äquinoktium (Tag- und Nachtgleiche im Herbst)

Die Herbsttagundnachtgleiche (Äquinoktikum) markiert jenes Datum, an denen Tag und Nacht gleich lange dauern. Dieser Wendepunkt findet im Zeitraum vom 21. bis 23. September statt (variiert jedes Jahr etwas). Zugleich markiert dieses Datum den kalendarischen Herbstanfang. Ab diesem Moment werden die Nächte wieder länger als die Tage, bis sich dann nach der Frühlingstagundnachtgleiche (fällt zwischen den 19. bis 21. März) das Spiel wieder umkehrt und die Nächte wieder länger als die Tage werden.

Astronomischer Herbstanfang

Der astronomische Herbstanfang wird anhand des Äquinoktium (Herbst-Tagundnachtgleiche) festgemacht und kann deshalb etwas variieren. Zudem wird der offizielle Herbstbeginn auch abhängig vom Abstand zum letzten Schaltjahr gemacht. Darum ist er auf der Nordhalbkugel entweder am 22. oder aber am 23. September. Während der Herbst auf der Nordhalbkugel in die Monate September, Oktober, und November fällt, findet er dagegen auf der Südhalbkugel in den Monaten März, April und Mai statt.

Räucherstoffe für den Herbst

Räucherwerk im Herbst

Das Räuchern im Herbst soll uns dabei helfen den inneren Frieden einkehren zu lassen sowie uns die nötige Kraft für den bevorstehenden Winter geben. Dazu hilft das Räucherwerk dem tristen Wetter zu trotzen und eine stimmungsvolle Harmonie zu schaffen. Für die Herbstzeit empfiehlt es sich Räuchermittel zu verwenden, die eine würzig-krautige Note haben. Als typische Räucherstoffe für den Herbst eignen sich u. a. Pflanzen wie Angelika, Beifuß, Beinwell (Wurzel), Birke, Drachenblut, Eberraute, Frauenmantel, Iris (Wurzel), Lärche, Mistel, Mohn, Myrrhe, Opoponax, Rainfarn, Wacholder (Beeren) oder Wermut. Diese wundervollen Herbstdüfte laden nicht nur zum Wohlfühlen an tristen Herbstabenden ein, sondern vertreiben auch Mücken und andere lästige Insekten (► Räuchern gegen Insekten)!

► Eine Übersicht mit weiteren Räucherstoffen für die Herbstzeit findet sich in folgendem Beitrag: Räuchermischungen im Herbst.

 

Zur Räucherwelt

 

Quellen:

  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 40ff.
  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen. Räucherduft und Ritual im Jahreslauf; Oberstdorf ²2012, S. 95ff.