Wacholder (juniperus communis)

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Was ist Wacholder?

Wacholder (Beeren) als Räucherwerk

Der Wacholder (juniperus communis), auch Gemeiner Wacholder, Heide-Wacholder, Feuerbaum, Kranewittbaum, Machandelbaum, Räucherstrauch, Reckholder oder Weihrauchbaum genannt, gehört zur Pflanzengattung der Wacholdergewächse (zählen zur Familie der Zypressen (cupressaceae)) mit 70 verschiedenen Arten. Der Strauch kann eine Wuchshöhe von bis zu 18,5 m erreichen.

Kulturelle Bedeutung

Die Wacholder-Arten gehören zu den ältesten kulturell genutzten Pflanzen der Welt. Sie werden in vielen Kulturen als eine der wichtigsten Räucherpflanzen betrachtet. Seine Zweige, Beeren, Blütenstaub und Harz dienten den Schamanen seit frühester Zeit als Räuchermittel in Schutz- und Reinigungsritualen. Bereits in den Gräbern der alten Ägypter fand man Wacholder als Grabbeigabe, die vermutlich dem Schutz der Toten dienten. Ebenfalls wird der Strauch in der Bibel erwähnt (vgl. Her 17,5-6). Auch in Europa zählte der Wacholder bei den Kelten und Germanen zu den wichtigsten rituellen Pflanzen und galt als Symbol für die Unsterblichkeit des Menschen. In späteren Zeiten stand er dann für Christus und dessen Sieg über den Tod (als Gegenentwurf zum Paradiesbaum). Für die Schamanen Sibiriens ist der Wacholder ebenfalls der „Baum des Lebens“. In Tibet und der Himalayaregion werden die dort gedeihenden Wacholderwälder (Hochgebirgswacholder → juniperus recurva) als „Wohnung der Götter“ sowie besonders auch das Harz als „Götterspeise“ verehrt. Das Wacholderharz wird dort in Form von Räucherpulver und Räucherstäbchen verräuchert. Früher wurde Wacholder auch „falscher Weihrauch“ oder „deutsches Sandarak“ genannt und als Weihrauch-Ersatz verwendet.

Wacholder räuchern – Nutzung als Räucherwerk

    Wacholder (Strauch) als Räuchermittel

  • Räucherduft

  • Beim Verräuchern der Wacholderbeeren verströmen diese einen stark waldigen und frischen Duft. Die Zweigspitzen (frisch oder getrocknet) und Nadeln des Wacholders hingegen verbreiten beim Verbrennen einen kräftig-harzigen, süß-warmen Geruch, der aufbauend und heilend wirkt. Auch wurde das Holz verräuchert.

  • Wirkung

  • Der Rauch von Wacholder wirkt leicht desinfizierend, er vertreibt schlechte Gedanken und sorgt zudem für einen wachen und klaren Geist. Ebenfalls hilft er dabei negative Energien zu neutralisieren.

  • Räuchermischungen

  • In Räuchermischungen lässt sich Wacholder hervorragend mit anderen Räucherstoffen wie u. a. Elemi, Galbanum, Mastix, Vetiver, Weihrauch oder Zeder verräuchern.

  • Traditionelle Verwendung

  • Der Wacholder zählt zu den ältesten Räucherstoffen der Menschheit. Er wird traditionell als Schutz- und Reinigungsmittel verbrannt. Es können alle Teile des Baumes als als Räuchermittel benutzt werden. Zumeist dienen aber die getrockneten Beeren und die Nadeln als Räucherwerk. Seltener hingegen wird das Harz zum Räuchern genutzt, da der Baum nicht allzuviel davon absondert und es außerdem über einen eher unbedeutenden Geruch verfügt.

    Der Rauch des Wacholders wurde bereits im antiken Griechenland zur Divination eingesetzt, da ihm eine prophetische Wirkung nachgesagt wurde.

    Die nordamerikanischen Indianer setzen das Räuchern von Wacholderspitzen nach alter Überlieferung zu Gebet, Schwitzhütte und heiligen Liedern ein, denn sie glauben, dass der Rauch ihre Gebete zum Schöpfer (wakan tanka, manitu) trägt. Der indianische Name für Wacholder ist „Hoo-na“. Besonders die Spitzen der „cedar“ (nicht zu verwechseln mit der Zeder), einer Wacholderart, verehrten sie als heilig, da der Baum nach ihrem Glauben zu den ersten Geschöpfen zählte, die vom großen Geist erschaffen wurden. Ebenso soll der Rauch böse Geister vetreiben und vor Gefahren schützen.

    In der Zeit des Mittelalters wurde Wacholder häufig bei Krankheiten geräuchert, die ansteckend waren. Die Menschen glaubten, dass dieser Baum bzw. Strauch ein besondere Schutzfunktion besäße. So wurden bei Pestepedemien nicht selten ganze Feuer aus Wacholderholz entfacht.

Anwendung als Heilmittel

Wacholder (Zweig)

Der Wachholderbaum findet seit langer Zeit in der Volksmedizin Anwendung und wurde bereits von den alten Ägyptern (er wird u. a. in einem über 4.000 Jahre alten Papyrus erwähnt) sowie in Indien (ayurvedische und tantrische Medizin) als bedeutende Heilpflanze genutzt. Besonders die Beeren des Wacholders fanden hierbei Verwendung, die über eine harntreibende Wirkung verfügen. Das aus den Beeren gewonnen Öl galt gemeinhin als Allheilmittel. Gerne werden die Beeren als Tee oder aber als Ganze für verschiedene Beschwerden verabreicht:

  • Blähungen,
  • Darmprobleme wie Durchfall,
  • Gicht,
  • Gallenbeschwerden,
  • Husten,
  • Magenschmerzen,
  • Rheuma
  • Sodbrennen

Ebenfalls werden aus Wacholderbeeren durch Einlegen in Spiritus Einreibungen hergestellt, die bei inneren und äußeren Beschwerden Anwendung finden. Zudem gilt Wacholder als altbewährtes Mittel zur Blutreinigung. Der Rauch von Wacholderharz war früher bei Kranken als desinfizierendes Mittel, als Schleimlöser sowie zur Behandlung bei Rheuma, Lähmungen, Geschwulsten etc. sehr geschätzt.

Aber nicht nur das Harz, sondern auch die Nadeln und Zweige des Wacholders verfügen über eine keimtötende sowie abwehrsteigernde Wirkung.

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Weitere Verwendungsmöglichkeiten

  • Wacholder wird zur Herstellung von Schnaps verwendet.
  • Traditionell wurden Wacholderzweige an Häusern angebracht, da man glaubte sie schützen vor Dämonen.
  • Wacholderbeeren gelten als beliebtes Gewürz zu Wild- und Bratengerichten.
  • Die Frauen der Navaho-Indianer bastelten aus den Wacholderbeeren für ihre Kinder kleine Armbänder, um diese vor schlechten Träumen zu schützen.
  • In der Himalaya-Region wird der dort wachsende Wacholder auch als Abwehrmittel gegen Insekten verwendet.

 

Übersicht räucherbarer Nadeln und Zweige

 

Quellen:

  • Alberts, Andreas / Mullen, Peter: Psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere; Stuttgart 1999, S. 118.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 40ff, 197.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 162.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 274f.
  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen. Räucherduft und Ritual im Jahreslauf; Oberstdorf ²2012, S. 166f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 164f.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 175-180.
  • Rätsch, Christian: Weihrauch und Copal. Räucherharze und -hölzer. Ethnobotanik, Rituale und Rezepturen; Baden und München 2004, S. 75ff.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 76.
  • Zohary, Michael: Pflanzen der Bibel; Stuttgart 1983, S. 117.