Schwefel (sulphur)

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Was ist Schwefel?

Schwefel-Kristalle als Räucherwerk

Als Schwefel (lat. sulphur, sulphuricum, sulpur, fälschlich auch sulfur) wird ein gelbes, nichtmetallisches Element bezeichnet, das in der Natur als kristallines Mineral vorkommt. Dieser Stoff gehört im Periodensystem zur sechsten Hauptgruppe (Chalkogene) und hat die Ordnungszahl 16. Dort wird es allgemein mit dem Buchstaben S abgekürzt. Das deutsche Wort „Schwefel“ ist dem Germanischen (gotisch „swefls“) entlehnt und kommt wohl von „suel“ oder „swel“ (schwelen) bzw. von „swebal“ (althochdeutsch) und „swefl“ (altenglisch). In der Natur findet sich dieser Stoff sowohl gediegen (z. B. als Schwefelblüte) als auch in Form seiner anorganischen Verbindungen vor (besonders als Sulfid oder Sulfat). Der nicht verunreinigte Schwefel von gelber bis grüner Farbe hieß bei den Griechen „apyron“ und bei den Römern „sulphur vivum“.

Kulturelle Bedeutung

Bereits die Bibel erwähnt Schwefel im Buch Genesis, wo von der Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra durch Feuer und Schwefel berichtet wird. Ebenfalls berichtet Homer in der Odyssee von der Verwendung des Schwefels zur Reinigung, Entsühnung sowie zur Vertreibung schlechter Dämonen. Im alten Rom hingegen verehrte man Venus Mefitis, also die „Herrin allen Übels“ als die Göttin des Schwefels, der ihr geweiht war. Schefel wurden dabei heilende Kräfte zugesprochen und wurde als reinigende Kraft gegen alles Schlechte verwendet. Später im christlichen Mittelalter galt der Rauch von verbranntem Schwefel als Zeichen des Teufels bzw. als Geruch der Hölle.

Schwefel räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Schwefel – Mineralischer Räucherstoff

  • Räucherduft

  • Beim Verbrennen verbreitet pulverisierter gelber Schwefel einen beißend-stechenden Geruch.

  • Wirkung

  • Dem Mineral wird eine reinigende Wirkung nachgesagt und wird zu diesem Zweck seit Jahrhunderten eingesetzt.

  • Traditionelle Verwendung

  • In früheren Jahrhunderten wurden Schwefelräucherungen von französischen Ärzten als Schutzmittel vor Typhus und Pest eingesetzt. Häufig wurde er dazu Räuchermischungen aus Hopfen, Kampfer, Mastix, Pfeffer und Weihrauch beigegeben.

    Ebenfalls räucherte man Schwefel im Mittelalter als Schutzmittel vor Schadenszauber bzw. zum Vertreiben von Dämonen und bösen Geistern.

Anwendung als Heilmittel

Als Arznei ist Schwefel schon seit über 5.000 Jahren vor Christus in China und Ägypten bekannt. Besonders als Mittel bei Hautkrankheiten ist Schwefel sehr beliebt. Bereits Plinius (23-79 n Chr.) berichtet von der Anwendung des Schwefels bei Ohnmachtsanfällen sowie zur Erkennung simulierter Krämpfe. Nach Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) soll Schwefeldampf bei Schwerhörigkeit verwendet worden sein (Dampf wurde mittels einem Röhrchen ins Ohr eingeführt). Laut Galen (um 129-201) wurde Schwefel zudem bei Schwindsucht eingesetzt.

In etlichen Regionen Frankreichs wird Schwefel auch heute noch als Mittel bei Flechten, Krätze und anderen Hautkrankheiten verräucht. Die betreffende Person muss sich hierzu entkleiden und in eine Kammer begeben, worin sich Schwefelrauch befindet (wird durch Verbrennen auf glühendenen Kohlen erzeugt). Bei Juckreiz am ganzen Körper trug man Schwefel in Verbindung mit Natron auf.

Außerdem wurde er in früherer Zeit auch bei Asthma, Husten, Erkältungen oder Lungengeschwüren verwendet. Weiterhin wurde er bei Skorpionbissen (mit Essig gemischt) eingesetzt.

Bei Blutungen und Quetschungen wurde Schwefel in einer Paste zusammen mit Honig und Wein aufgetragen.

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Weitere Verwendungsmöglichkeiten

  • Bei den Assyrern wurde Schwefel zusammen mit Bilsenkraut und Bier als Schutzmittel für Haus und Hof benutzt.
  • Das antike Griechenland nutzte ihn als Desinfektionsmittel. Hierzu verbrannte man diesen auf glühendenen Kohlen. Zur Konservierung von Wein wurden vorher die Fässer mit Schwefel ausgeräuchert.
  • Eine weitere Verwendung in der Antike fand der Stoff als Brandwaffe aufgrund seiner brandbeschleunigenden Eigenschaften.
  • Die größte Verbreitung fand Schwefel aber sicherlich als einer der drei Hauptbestandteile (neben Holzkohle und Salpeter) von Schwarzpulver, das im 14. Jhrdt. durch den deutschen Mönch Berthold Schwarz wiederentdeckt wurde.
  • In der chemischen und pharmazeutischen Industrie wird Schwefel u. a. zur Herstellung von Schwefelsäure, Farbstoffen, Insektiziden und Kunstdüngern verwendet. Reinen Schwefel nutzt man zudem häufig bei der Vulkanisation von Kautschuk.

 

Übersicht mineralischer Räucherstoffe

 

Quellen:

  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 148f.