Ambra (physeter macrocephalus)

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Was ist Ambra?

Ambra als Räucherwerk – Historische Zeichnung eines Klumpen

Als Ambra (physeter macrocephalus) wird ein wachsähnliches und harziges Sekret (Stoffwechselprodukt) bezeichnet, das aus dem Darm und Magen des Pottwals gewonnen wird. Es dient dem Wal als Wundverschluss der Magen- und Darmschleimhaut vor den Zähnen der gefressenen Tintenfische.

Kulturelle Bedeutung

Bereits im Alten Testament wird Ambra erwähnt, wobei dort vermutlich Bernstein (heißt auch Ambre bzw. Amber) oder andere Harze gemeint sind. Früher rankten sich viele Legenden um die Herkunft dieses Stoffes. So vermutete man unter anderem, dass Ambra wie Pilze auf dem Meeresboden wachse (Persien) oder aber aus Quellen in der Nähe von Meeren entspringe (Arabien). In China hingegen galt Amber als Speichel von Drachen.
Heutzutage wird Ambra fast gar nicht mehr verwendet, da Wale in der Regel unter Naturschutz stehen und für die Gewinnung von größeren Mengen dieses Stoffes getötet werden müssten. Ab und an wird Ambra in größeren Klumpen an den Strand (Küsten von Afrika, Australien, Ost- und Westindien sowie Südamerika) gespült, denn es wird aus dem Körper des Pottwals in regelmäßigen Abständen ausgestoßen.

Verschiedene Arten von Ambra

Es gibt vier unterschiedliche Sorten der Substanz, die sich anhand der Farbe erkennen lassen:

  1. schwarze, weiche Ambra → Geruch: animalisch, fäkalisch
  2. dunkelgraue bis schwarze, mittelharte Ambra (ist die verbreitetste Sorte) → Geruch: animalisch, leicht fäkalisch
  3. graue, wachsartige Ambra → Geruch: fein, warm, holzig, tabakartig, balsamisch, schwach tierisch, erinnert etwas an Meer und Weihrauch
  4. weiße, wachsähnliche Ambra → Duft: fein, warm, holzig, tabakartig, balsamisch, ganz schwach tierisch, erinnert an Meeresstrand und Weihrauch

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Am wertvollsten gelten die graue und weiße Ambrasorten, wohingegen die schwarze Sorte den geringsten Wert aufweist und die dunkelgraue bis schwarze, mittelharte Ambra im mittleren Bereich liegen. Beim Zerschlagen von Ambrastücken lassen sich häuig unterschiedliche Schichten feststellen, die aufzeigen, wie das Sekret abgeschieden wurde. Die Zwischenschichten weisen dabei häufig einzelne, dunkle, hornige Teilchen auf, die u. a. von Tintenfischen der Art Hornkiefer stammen.

Ambra räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Echtes Ambra – Räucherstoff vom Pottwal

  • Räucherduft

  • Beim Verbrennen verströmt dieser Stoff einen feinen, warm-erdigen und animalischen Duft mit einer teilweise holzig-fäkalischen Note, je nach Sorte.

  • Wirkung

  • Der Duft von Ambra hat eine betörende und sinnliche Wirkung auf den Menschen. Außerdem wirkt er aufmunternd bei Depression und Traurigkeit.

  • Räuchermischungen

  • In Räuchermischungen lässt sich Ambra hervorragend mit anderen Räucherstoffen wie z.B. Patchouli zusammen verräuchern.

  • Traditionelle Verwendung

  • Ambra galt früher als beliebtes Räuchermittel und wurde in Asien bereits etliche Jahrhunderte vor Christus in unterschiedlichen Ritualen verräuchert. Besonders gern wurde es in Räucherungen zur Lustförderung benutzt.

    Noch heute gilt das Sekret als wichtige Zutat in den japanischen Räucherstäbchen.

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Weitere Verwendung

  • In allen Kulturen schätzte man Ambra als Aphrodisiakum (z. B. wurde es in Spanien als Potenzmittel auf einem gekochtem Ei gegessen).
  • Früher wurde Ambra auch als Duftstoff für die Herstellung von Parfüm verwendet. Schon die Azteken kannten die aphrodisierende Wirkung dieses Stoffes in Parfüms. Heute erzeugt man diesen Duft in der Regel durch synthetische Stoffe.
  • Im Mittelalter benutzte man ihn zudem als Heilmittel bei allen möglichen Herzerkrankungen. Auch wurde es bei Gebärmutterhochstand, Epilepsie und Ohnmachtsanfällen eingesetzt.
  • Schließlich wurde der Stoff in früheren Zeiten auch zur Zubereitung exklusiver Speisen verwendet.

 

Übersicht der tierischen Räucherstoffe

 

Quellen:

  • Bergwein, Karl: Ambra grisea – Eine der animalischen Duftnoten in der Parfümerie, In: Dragoco Report 6/1954, S. 59-62.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 166-167.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 227f.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 38-39.
  • Thomas, Hans-Karl: Ambra, In: Dragoco Report 5/1955, S. 80-84.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 56.