Wermut / Wermutkraut (artemisia absinthium)

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Was ist Wermut?

Beim echten Wermut (artemisia absinthium) bzw. Wermutkraut handelt es sich um eine Pflanze, die zur Gattung Artemisia aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehört und weltweit verbreitet ist. Andere Namen für Wermut sind Absinth, Alsem, Artenheil, Bitterer Beifuß, Eberreis, Heilbitter und Wurmbraut. Schon im alten Ägypten war das Kraut als Heil- und Räucherpflanze bekannt. Wermut ist ein Busch, der eine Höhe von bis zu 1,60 Meter erreichen kann und häufig an felsigen, sonnigen und trockenen Plätzen, aber auch an Ufern von Flüssen, an Weinbergen oder am Wegesrand wächst. Der deutsche Name „Wermut“ ist vermutlich dem germanisches Wort „wermoda“ entlehnt.

Historische Bedeutung

Bereits im Altertum war Wermut bekannt und bei den Griechen der Artemis (Göttin der Jagd, Schutzgöttin der Geburt und der Hebammen) geweiht. Von ihr stammt auch der botanische Name von Wermut („artemisia“). In den Mysterien- und Fruchtbarkeitszeremonien zur Ehre von Artemis wurde alljährlich im Frühjahr die Göttin in Form von Wermut symbolisch gegessen. Ebenfalls erwähnt die Bibel den Wermut an verschiedenen Stellen (vgl. Jer 23,15 und Am 5,7). Im Mittelalter galt Wermut als magisches Schutzmittel vor Impotenz und als Aphrodisiakum.

Wermut räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Wermut als Räucherwerk

  • Räucherduft

  • Beim Verbrennen verbreitet das getrocknete Kraut (Triebspitzen) einen warmen und würzigen Duft.

  • Wirkung

  • Der Rauch von Wermut wirkt sehr anregend, euphorisierend und klärend auf Körper und Geist. Zudem gilt er als bewusstseinserweiternde Räucherpflanze.

  • Räuchermischungen

  • Der Einsatz von Wermut in Räuchermischungen empfiehlt sich zusammen mit anderen Räucherpflanzen wie u. a. Beifuß, Benzoe, Erdrauch, Jasmin, Krauseminze, Lavendel, Lorbeer, Orange, Pfefferminze, Rosmarin, Sage, Safran, Schafgarbe, Sinicuiche, Styrax, Tabak, oder Tausendgüldenkraut zu verräuchern.

  • Traditionelle Verwendung

  • Früher wurde Wermut häufig als Mittel gegen schlechte Energie und böse Geister geräuchert. So verwendeten ihn die Bauern in den Rauhnächten als Räuchermittel, um ihre Ställe auszuräuchern und damit ihr Vieh vor Verhexung sowie Zauberei zu schützen. Außerdem legte man das Kraut kleinen Kindern für einen besseren Schlaf und als Schutzmittel vor Kobolden in die Wiege. Der Rauch, so glaubten die Menschen, vertreibe den Teufel und die bösen Geister von den Kindern. Wermut galt deshalb auch als ein wichtiger Bestandteil von Weihkräuterbuschen.

    In Mexiko werden die getrockeneten Wermutblätter von den Einheimischen als Ersatz für Marihuana geraucht.

Anwendung als Heilmittel

Wermut – Räucherpflanze

Seit der Antike wird Wermut als Heilpflanze genutzt. So kannte bereits Plinius das Kraut und empfahl es in seinen Schriften zur Anwendung bei der Seekrankheit. Im Mittelalter beschrieb dann die heilige Hildegard von Bingen ausführlich die Verwendung und Wirkung von Wermut als Heilpflanze.

In der Volksmedizin wird Wermut besonders bei Magen-, Darm- und Gallenbeschwerden (u. a. bei Gastritis, Blähungen und Krämpfen) sowie zur Anregung von Appetit als Tee oder Tinktur verwendet. Außerdem wird er zur Förderung der Menstruation, als Mittel gegen Kopfschmerzen, Gelbsucht, Entzündungen, Erkältungen sowie als immunstärkendes Mittel eingenommen.

Die Homöopathie kennt Wermut als gutes Mittel bei unangenehmen Erregungszuständen und Krämpfen.

Achtung! Bei der Einnahme von Wermut ist Vorsicht geboten, da eine Überdosierung toxisch wirkt (aufgrund des Thujons) und u. a. Benommenheit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Nierenschäden hervorrufen und bei Schwangeren zu Fehlgeburten führen kann. Früher wurde Wermut deshalb auch als Abtreibungsmittel genutzt.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten

  • Wermut wird auch als Gewürz genutzt, um fette Speisen verträglicher zu machen (fördert Verdauung).
  • Früher wurde Wermut zur Abwehr von Mäusefraß an Büchern der Schreibtinte beigegeben.
  • Ebenfalls wurde Wermut als Mittel gegen Motten in Kleiderschränken aufgehängt.
  • Aus Wermut wird seit dem 19. Jahrhundert das Kultgetränk „Absinth“ (die grüne Fee) hergestellt, das als Rauschdroge eine weite Verbreitung (besonders in Künstlerkreisen) fand. Im Jahr 1923 wurde das Destillieren von Absinth in Deutschland verboten. Mittlerweile ist Absinth wieder im Handel erhältlich, allerdings mit einem geringeren Thujonanteil als früher.

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Übersicht von Kräutern zum Räuchern

 
Quellen:

  • Alberts, Andreas / Mullen, Peter: Psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere; Stuttgart 1999, S. 42f.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 163.
  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen. Räucherduft und Ritual im Jahreslauf; Oberstdorf ²2012, S. 172f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 167.
  • Wollner, Fred: Duftender Rauch für die Seele. Vom praktischen Umgang mit Räucherwerk; München 1998, S. 177.
  • Zohary, Michael: Pflanzen der Bibel; Stuttgart 1983, S. 184.