Thymian / Quendel (thymus vulgaris)

Was ist Thymian (Quendel)?

Thymian – Räucherpflanze

Beim Thymian (thymus vulgaris, thymus serpyllum, thymus pulegioides), auch Gartenthymian, Immenkraut, Feldkümmel, Feldquendel, Qendel (wilde Form des Thymians), Chölm oder Zimis genannt, handelt es sich um einen kleinen Strauch, der im Mittelmeerraum beheimatet ist. Er kann eine Höhe zwischen 10 bis 40 cm erreichen und ist eine beliebte Gewürz, Heil-, und Räucherpflanze. Schon in der Antike kam dem Thymian eine große Bedeutung zu. So galt er in den griechischen Tempeln als Opfergabe an die Liebesgöttin Aphrodite. Ebenso war Quendel auch bei den alten Germanen der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Freya geweiht. Nach der Christianisierung wurde aus dieser Liebespflanze ein Marienkraut, was in den Klöstergärten ab etwa dem 15. Jahrhundert als Heilpflanze kultiviert wurde.

Werbung

Etymologische Bedeutung

Der Name „Thymian“ hat seinen Ursprung im altgriechischen Wort „thyo“, das sich mit „den Göttern ein Opfer bringen“ übersetzen lässt. Der neugriechische Begriff „thymos“ bezeichnet hingegen die „in Rede stehende Pflanze“, was umgangssprachlich auch „thymari“ heißt. Daraus werden die Worte „thymiazein“ (räuchern), „thymiama“ (Räucherung, Räucherwerk) sowie „thymiaterion“ (Räucherfass) abgeleitet. Somit weist Thymian etymologisch eine enge Verbindung zum Räuchern auf.

Thymian räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Thymian (Quendel) als Räucherwerk

  • Räucherduft

  • Als Räuchermittel kommen die Blätter oder das ganze Kraut des Thymian zur Anwendung. Beim Verbrennen verbreitet diese einen aromatischen, warmen, würzigen, krautigen und kräftigen Duft.

  • Wirkung

  • Der Rauch von Thymian hat eine belebende, Angst vertreibende Wirkung und schafft neues Selbsvertrauen. Zudem vertreibt er negative Energien und wird gerne zum Schutz verräuchert. Außerdem wird ihm eine aphrodisische Wirkung nachgesagt.

  • Räuchermischungen

  • Thymian eignet sich hervorragend als Beigabe zu Räuchermischungen. Dazu werden in der Blütezeit die Triebspitzen abgeschnitten, gebündelt und anschließend zum Trocknen aufgehangen, wobei der Johannistag als bester Zeitpunkt für die Ernte gilt.

  • Traditionelle Verwendung

  • Bereits in der minoischen Hochkultur (Kreta) und später im antiken Griechenland wurde Thymian als Zutat in Räuchermischungen für die Anregung von Geist und Gemüt eingesetzt. Dabei glaubten die Griechen und die Römer, dass im Thymian die Seelen Verstorbener wohnen. Ebenfalls wurde Thymian auch zum Vertreiben von Skorpionen, Insekten (Mücken, Läuse etc.) verräuchert. Aus der germanischen Tradition hat sich bis in unsere Tage das Brauchtum erhalten mit Thymian und anderen Kräutern in Form von Kräuterbuschen die Wohnräume und Ställe zur Abwehr bösen Geistern und Katastrophen (z. B. Blitzeinschlag, Sturm) auszuräuchern, was in den Tagen der Rauhnächte geschieht.

Anwendung von Quendel als Heilmittel

Seit alter Zeit wird Thymian als Heilpflanze verwendet (u. a. in Ägypten) wie bereits Plinius und Dioskurides berichten. Später im Mittelalter wiederum wurde er bei Asthma, Atemnot, Husten oder Erkältungen sowie bei vielen anderen gesundheitlichen Beschwerden eingesetzt (Hildegard von Bingen beschrieb seine Verwendung). Thymian wirkt zudem desinfizierend und krampflösend. Er wird außerdem bei Blähungen, Blasen- und Nierenentzündungen, Durchfall, Magenbeschwerden sowie Sodbrennen eingesetzt. Hierbei wird er oft in Form von Tee eingenommen.

Weitere Verwendung

Thymian ist in vielen Haushalten in getrockneter oder frischer Form ein beliebtes Küchengewürz. Dazu wird er gerne auch als Topfpflanze in Gärten, auf Balkonen oder Terassen kultiviert.

Werbung

Übersicht der Räucherkräuter
 

Quellen:

  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen. Räucherduft und Ritual im Jahreslauf; Oberstdorf ²2012, S. 148f.
  • Krumm-Heller, Arnold: Osmologische Heilkunde. Die Magie der Duftstoffe; Berlin 1955, S. 27f.