Bilsenkraut (hyoscyamus niger, hyoscyamus albus)

Bilsenkraut - Räucherwerk

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Was ist Bilsenkraut?

Gelbes Bilsenkraut - Räucherpflanze

Gelbes Bilsenkraut – Räucherpflanze

Beim Bilsenkraut (hyoscyamus niger, hyoscyamus albus) handelt es sich um eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Besonders bekannt sind die beiden Arten Gelbes und Schwarzes Bilsenkraut. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Begriff „Bilisa“ ab und sie gedeiht vornehmlich in Mitteleuropa (besonders im Balkanraum), Indien, Nordafrika, Nordamerika sowie in Russland. Im Volksmund existieren viele Synonyme für das Bilsenkraut: So wird es Apollonienkraut, Becherkraut, Billerkraut, Binselkraut, Dollkraut, Dulldill, Kesselkraut, Rasenwurzel, Rindswurz, Roßzähne, Saubohne, Saukraut, Schlafkraut, Schüsserlkraut, Teufelsauge, Tollkraut, Verrenkkraut oder auch als Zigeunerkraut bezeichnet. Die Pflanze ist sehr fruchtbar und entwickelt in ca. 50 Früchten bis zu 10.000 Samen, die ihre Keimfähigkeit in der Erde über mehrere hundert Jahre bewahren können.

Kulturelle Bedeutung

Das Bilsenkraut, das auch als „Götterpflanze“ bezeichnet, erfreut sich seit alters her einer großen Verehrung. Bereits den Kelten war die Pflanze heilig und schrieben das Kraut ihrem Gott Belenos zu. Eine ebensolche Bedeutung hatte Bilsenkraut bei den Germanenstämmen, wo sie als Bierkraut des Donnergottes Thor galt. Ebenfalls war das Kraut den Ägyptern, Römern sowie Griechen bekannt und findet zudem in der Bibel Erwähnung (vgl. Jos 15,11). Vermutlich diente es der Phytia, dem berühmten Orakel von Delphi, als Hilfsmittel für ihre Weissagungen. Im Mittelalter kam dem Bilsenkraut im Zusammenhang mit dem Hexenkult eine große Bedeutung als Mittel zur Beschwörung von Geistern sowie als Bestandteil der berüchtigten Flugsalbe.

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Bilsenkraut räuchern – Bedeutung als Räucherwerk

Bilsenkraut als Räucherwerk

Bilsenkraut als Räucherwerk

  • Räucherduft

  • Beim Räuchern verbreitet das getrocknete und zerkleinerte Kraut einen strengen Geruch, der an verbranntes Laub erinnert.

  • Wirkung

  • Bilsenkraut hat eine beruhigende sowie krampflösende Wirkung und verfügt zudem über sekretionshemmende sowie schmerzstillende Eigenschaften. Ebenfalls wird ihm nachgesagt, dass es physischen Schmerz heile und seelisches Leid vergessen mache. Die ganze Pflanze hat außerdem eine narkotische und bewusstseinserweiternde Wirkung.

  • Räuchermischungen

  • In Räuchermischungen wurde das Bilsenkraut zusammen mit Räucherstoffen wie u.a. Angelika, Beifuß, Dammar, Fichte, Mariengras, Wacholder oder Weihrauch kombiniert.

  • Traditionelle Verwendung

  • Bereits die keltischen Druiden inhalierten den Rauch der Samen, um Trancezustände hervorzurufen. Zudem wurde Bilsenkraut früher bei asthmatischen Beschwerden geräuchert. Der Rauch kann einen berauschenden Zustand hervorrufen und zu Vergiftungserscheinungen führen.

TotenkopfVorsicht! Bilsenkraut gilt als hochgiftig und darf nicht verzehrt werden. Der Tod tritt schnell durch Atemlähmung ein. Das Verräuchern von Bilsenkraut geschieht auf eigene Gefahr. Der Rauch hat bewusstseinserweiternde sowie narkotische Eigenschaften und kann unberechenbare Wirkungen hervorrufen. Missbrauch oder Überdosierung können zum Tod führen.
Die Giftigkeit der Pflanzen bleibt selbst nach deren Trocknung bestehen. Weitere Wirkungen bei Einnahme von purem Bilsenkraut bzw. dessen Samen: Atemlähmung, Benommenheit, Bewusstlosigkeit, betäubender Dämmerschlaf, Durst, Erbrechen und Übelkeit, Erinnerungsstörungen, Erregung von Heiterkeit bis Tobsucht, Erweiterung der Pupillen, Halluzinationen, Hautrötungen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Krämpfe, Schock, Schluck- und Sprechstörung, Sinnestäuschungen, Störungen des Sprechvermögens. Solche Vergiftungserscheinungen können mehrere Tage lang anhalten.

Anwendung als Heilmittel

Bereits die alten Römer nutzten Bilsenkraut als Heilmittel: So finden sich bei Plinius Hinweise auf Anwendung des Krautes bei Zahnschmerzen (hierzu wurde es inhaliert) sowie als Schlaf- und Schmerzmittel. Im Mittelalter erlangte das Bilsenkraut Beliebtheit als Narkosemittel.

In der gegenwärtigen Medizin wird das Bilsenkrautöl für schmerzstillende Einreibungen sowie die Blätter von Bilsenkraut als Bestandteil von Medikamenten bei folgenden Erkrankungen eingesetzt:

  • als Antispasmodikum, Beruhigungsmittel, Narkotikum sowie Mydriatikum
  • bei Affektionen der Luftwege
  • bei Tuberkulose
  • bei Neuralgien
  • zur Behandlung von Gelenk- und Knochenbeschwerden
  • bei Problemen der Urogenitialorgane
  • bei Magenkrämpfen und Koliken
  • bei Angina
  • bei psychischen Erkranken wie Hysterie oder Epilepsie
  • äußerliche Anwendung bei Krebs und Knoten

In der Homöopathie wird Bilsenkraut u.a. bei folgenden Beschwerden verabreicht: Augenleiden, Blasenerkrankungen, Delirien, Durchfall, Erregung mit Halluzinationen, Gehirnentzündung, Gelenkerkrankungen, Hysterie, Krämpfe, Lähmung der Schließmuskel (Darm und Blase), Manie, Menstruationsprobleme, Reizhusten, schizophrene Zustände, Schlaflosigkeit oder Zahnschmerzen.

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Übersicht von Kräutern zum Räuchern
 
Quellen:

  • Alberts, Andreas / Mullen, Peter: Psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere; Stuttgart 1999, S. 108f.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Das Buch vom Räuchern; Aarau (Schweiz) 2009, S. 104.
  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen. Räucherduft und Ritual im Jahreslauf; Oberstdorf ²2012, S. 80f.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 54ff.
  • Zohary, Michael: Pflanzen der Bibel; Stuttgart 1983, S. 187.