Die Weihrauchstraße

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Die Weihrauchstraße gilt als älteste und bedeutendste Handelsroute der Antike, auf der kostbare Harze und Gewürze transportiert wurden.

Antike Handelszentren

Im Altertum und in der Antike galten Räucherpflanzen als äußerst begehrte Handelsgüter, für deren Transport ganze Schiffsflotten eingesetzt wurden. Dabei gab es zwei Handelszentren, in denen viele Routen zusammenliefen und von wo aus die damals bekannte Welt (Arabien, Ägypten, China, Griechenland, Indien, Rom, Karthago etc.) mit Handelsgütern wie u. a. Gold, Brokat, Gewürze, Öle, Seide, Salz oder Duftststoffe beliefert wurde:

  1. Mespotamien: Als einer der Hauptumschlagplätze kann das zentral gelegene Mesopotamien mit Babylon als Zentrum angesehen werden, wo viele Handelswege wie die Seidenstraße zusammenliefen, auf denen die verschiedensten Güter gehandelt wurden.
  2. Ägypten: Ein weiteres Handelszentrum war Ägypten, das durch seine gute Lage am Mittelmeer hervorragende Handelsmöglichkeiten nach Griechenland, Kreta oder Rom auf dem Seeweg eröffnete.

Von Südarabien zum Mittelmeer …

Stadt Petra – Knotenpunkt der Weihrauchstraße

Das Weihrauch-Harz hatte in vielen Kulturen, Kulten und Religionen der damaligen Zeit eine große Bedeutung in ihren unterschiedlichen Riten: Neben seiner Bedeutung als desinfizierendes und entzündungshemmendes Heilmittel in der Medizin, diente Weihrauch in den Kulthandlungen der katholischen und orthodoxen Kirchen als wichtiges Accessoire für die Verrichtung des Gottesdienstes. Ebenso galt das Räucherharz in den Tempeln fast aller Religionen der antiken Welt als wertvolle Opfergabe. Die Herkunft des Weihrauchs war einer strengen Geheimhaltung unterlegen und die Handelswege wurden entsprechend überwacht. Lange Zeit war es ein Rätsel, von wo genau das Weihrauchharz eigentlich stammte. Laut einem Bericht von Herodot (5. Jhrdt. v. Chr.) wurden die sagenumwobenen Boswellia-Bäume von geflügelten Schlangen bewacht. Hauptanbaugebiet in der Antike war wohl vor allem die omanische Region Dhofar (Grenzregion zum heutigen Jemen). Hier hatte auch die legendäre Weihrauchstraße ihren Ausgangspunkt. Laut dem römischen Historiker Plinius war es in den Anbaugebieten Südarabiens nur 3.000 Familien gestattet Weihrauchbäume anzupflanzen und anschließend das Harz zu ernten. Der Weihrauchtransport geschah unter strengen Auflagen: Es war verboten während des Transports, der mit Hilfe von Kamelen vonstatten ging, von der Route abzuweichen. Außerdem musste in der Stadt Sabota ein Zehntel Tribut an die dortigen Priester gezahlt werden und im Land der Gebaniter galt es dem König und seinen Bediensteten eine Abgabe zu entrichten. Der Weihrauchhandel war somit auch eine recht kostspielige Angelegenheit.

Wie verlief die Weihrauchstraße?

So galt der Weihrauch in früheren Zeiten als eine sehr teure und begehrte Handelsware, die auf der gleichnamigen Weihrauchstraße, deren Ausgangspunkt in Saba, der damaligen Hauptstadt der Region Hadramaut (heutiges Jemen) war, und auch darüber hinaus bis in die entlegendsten Winkeln der alten Welt gehandelt wurde. Dieser bedeutendste Handelsweg im Nahen Osten mit einer Länge von 3.500 km verband die Küsten des Mittelmeeres mit jenen des indischen Ozeans (von Gaza bis Dhofar). Man geht davon aus, dass etwa spätestens ab dem 1000 v. Chr. Karawanen auf dieser Route unterwegs gewesen sind. Wahrscheinlich transportierte Belakis (Königin von Saba) als erste Waren auf dieser Straße, die über Shabwah (hier trafen sich viele Teilstrecken der Weihrauchstraße) und Tarim (heutiges Südjemen) weiter nach Marib (gilt als Heimat von Belakis) und Sana bis nach Aden (Süden) verlief. Eine Reise auf der Weihrauchstraße dauerte etwa zwischen 70 und 90 Tagen. Ihre Blütezeit hatte diese Transportroute in der Zeit vom 5. Jhrdt. v. Chr. bis etwa zum 1. Jhrdt. n. Chr., danach erlitt sie allmählich den Niedergang, da ein schnellerer Seeweg durch das Rote Meer gefunden wurde. Als Hauptumschlagplatz galt aufgrund ihrer günstigen Lage die Wüstenstadt Petra (liegt im heutigen Jordanien), die ein Knotenpunkt von sechs Karawanenstraßen darstellte. Von hier aus wurde das Weihrauchharz nach Israel, Syrien, Ägypten und Rom gehandelt. Während ihrer Blütezeit (ca. 300 v. Chr.) exportierte die Stadt Petra jährlich um die 3.000 Tonnen Weihrauch. Aus diesem Grund bezeichneten die Römer das Herkunftsgebiet von Weihrauch auch als „arabia felix“ (glückliches Arabien). In späteren Zeiten (um 100 n. Chr.) verlagerte sich die Belieferung der Mittelmeer-Region auf Gaza.

Film-Dokumentation zur antiken Route

Dieser Film dokumentiert die historische Bedeutung und Geschichte der Weihrauchstraße:

 

Mehr Informationen zum Weihrauch-Harz

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 64f.
  • Hinrichsen, Torkild: Die Weihrauchstraße, In: Erzgebirge: Der Duft des Himmels; Altonaer Museum in Hamburg 1994, S. 16f.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 35ff.
  • Pfeifer, Michael: Der Weihrauch. Geschichte – Bedeutung – Verwendung; Regensburg 1997, S. 14ff.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 12.
  • Rätsch, Christian: Weihrauch und Copal. Räucherharze und -hölzer. Ethnobotanik, Rituale und Rezepturen; Baden und München 2004, S. 50ff.
  • satureja.de: Biblische Düfte – Wohlgerüche aus dem ältesten Buch der Menschheit, abgerufen am 4. März 2016.