Weihrauch – Herkunft & Anbau

Weihrauch - Anbau & Ernte

Die traditionellen Anbaugebiete für Weihrauch sind die kalksteinhaltigen und extrem kargen Gebiete im Süden der arabischen Halbinsel (Oman, Jemen), in Ostafrika (Horn von Afrika → Äthiopien, Somalia, Eritrea) und in Indien. Dort wachsen die Bäume weit auseinander stehend in den öden, felsigen Wüsten- und Trockengebieten (mit Temperaturen von über 50°C) vornehmlich an Steilhängen im verkarsteten Kalkgestein, in Klüften, auf Geröllhalden sowie an den Rändern bzw. Hängen der Wadis. Die Weihrauchbäume gedeihen nur in bestimmten Höhenlagen mit einem ganzjährig trockenen Klima, wobei die Luft feucht-warm sein muss. Für die höchste Harz-Qualität sorgen jene Bäume, die an den Hängen der canyonartigen Wadis (ausgetrocknete Flussläufe in Gebirgstälern, die in Regenzeiten durch Wasser geflutet werden) gedeihen.
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Arabische Halbinsel

Ausgetrockneter Wadi

Ausgetrockneter Wadi

Als wichtigstes Anbaugebiet für den echten Weihrauch gilt gemeinhin Südarabien. Früher kamen etwa 1/3 der Handelsware Weihrauch aus dem Süden Arabiens, wohingegen die anderen 2/3 vorwiegend aus afrikanischen Regionen (u.a. Äthiopien, Somalia, Eritrea oder Sudan) und Indien stammen. Diese Aufteilung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg aufgrund von Bürgerkrieg, Einfuhrzöllen und sinkender Nachfrage nach hochwertigen Weihrauch-Qualitäten verschoben. So stammt heutzutage nur noch ein kleiner Teil der Weihrauchproduktion aus dem Oman und der Großteil aus Afrika (auch wenn auf der Etikettierung häufig noch fälschlicherweise der Oman als Ursprungsland angegeben wird).

Oman

Weihrauchbaum / Weihrauchstrauch im Oman

Weihrauchbaum im Oman

Das Hauptherkunftsgebiet für den Weihrauch in Südarabien ist der Oman mit dem Gebiet Dhofar (Gebirgsregion). An dessen Nordosthängen (Nejd) zum Landesinneren hin gedeihen die Weihrauchbäume in einer schmalen Zone (etwa 15 km breit) zwischen Meer und unwirtlicher Öde auf ca. 450 km Länge parallel zur Küste (auch als „Weihrauchgürtel“ bezeichnet) in Höhenlagen von ca. 300 bis 800 Meter. Aufgrund der einzigartigen klimatischen Bedingungen (monsunale Strömungen im Juli und August) mit einer feucht-warmen Luft und der speziellen Beschaffenheit des Bodens (einzigartige Mineralienzusammensetzung) wächst hier der Weihrauch am Besten und bringt auch die höchsten Qualitäten hervor. Dabei ist es die Sorte „boswellia sacra“ (weltweit gibt es 25 verschiedene Weihrauch-Arten), die in dieser Region hauptsächlich gedeiht. Traditionell gelten die Weihrauchbäume im Oman als vererbbares Eigentum von Stämmen (Beduinen) und Familien. Sie können nur an Männer weitervererbt werden. Besonders Volksstämme wie die Jebali (Bergvolk aus dem Dhofar-Gebirge) hüten das Wissen um die Kultivierung der Weihrauchbäume. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges war der Oman Hauptexporteur für Weihrauch. In den darauffolgenden Jahren kam es zu einem Zusammenbruch der omanischen Weihrauchwirtschaft, weil Indien als Hauptabnehmer wegfiel (durch die Unabhängigkeit Indiens änderten sich die Zollbedingungen), das generelle Interesse an Weihrauch sank, das ökologische Gleichgewicht durch den Ausbau der Infrastruktur geschädigt wurde (Rückgang des Baumbestands) und der Ausbruch eines Bürgerkriegs im Dhofar die angestammten Strukturen der Weihrauchwirtschaft stark beschädigte. Zwar bemühte sich die omanische Regierung nach Beendigung des Bürgerkriegs mit einem staatlichen Aufforstprogramm zur Wiederbelebung der Weihrauchhandels (Errichtung großer Plantagen → „The Frankincense Trail“), schaffte es aber nur bedingt dieses Ziel zu erreichen. Aufgrund verschiedener Entwicklungen (Ausbeutung der Bäume, Klimawandel, Überweidung) wird der Baumbestand immer geringer und die Preise für den Weihrauch immer teurer. Der Hauptumschlagplatz für Weihrauch im Oman ist die Stadt Salalah (Hauptstadt der Region Dhofar) und dort der Souq al Hafah (→ Souqs sind Märkte). Aktuell produziert die Region Dhofar etwa 7.000 Tonnen Weihrauch pro Jahr. Der Großteil der besten Weihrauch-Qualitäten (Al Hojari) wird vom Sultan selbst und von Saudi-Arabien aufgekauft.

Wusstest Du schon? Um die Herkunft des kostbaren Weihrauchharzes zu verschleiern wurde den Reisenden in früheren Zeiten erzählt, dass der Nebel an den Bergen von Dhofar giftig ist oder die Weihrauchbäume von feuerspuckenden fliegenden Schlangen bewacht würden.

Jemen

Trocken- & Wüstengebiete in Südarabien

Trocken- & Wüstengebiete in Südarabien

Der jemenitische Weihrauch gedeiht vor allem in der unwegsamen Region um Hadramaut und wird dort seit alters her von Nomaden gesammelt. Ebenfalls wachsen Weihrauchbäume im Grenzgebiet zum Oman (Ausläufer des Dhofar-Gebirges) und auf der zum Jemen gehörenden Insel Sokotra. In früheren Zeiten bildete die Region des heutigen Jemen den Dreh- und Angelpunkt des Weihrauchhandels in Südarabien. Hier begann auch die berühmte Weihrauchstraße, die mit einer Länge von 3.500 km den gesamten Nahen Osten miteinander verband (von Oman und Jemen über Hedschas nach Gaza und Damaskus). Es gab mehrere Königreiche in Südarabien, die im Verlauf der Jahrhunderte um die Vorherrschaft in der Region kämpften. Besonders die berühmten Königreiche Hadramaut und Saba sind hier zu nennen, die auf dem Gebiet des heutigen Jemen lagen und für das Gedeihen einer Vielzahl von Hafen- und Handelsstädten sorgten. Vor allem die Städte Shabwah (Hauptstadt von Hadramaut) und Ma’rib (Hauptstadt von Saba) waren große Handelsmetropolen und bildeten zudem den Ausgangspunkt für die Weihrauchstraße. Die Bibel berichtet, dass einst eine Königin von Saba dem berühmten König Salomon als Geschenk Weihrauch und Myrrhe mitbrachte (etwa 1.000 v. Chr).
Der Jemen gehört zwar zu den tradtionellen Weihrauchländern, produziert aber aktuell nicht mehr sehr viel des kostbaren Harzes. Das liegt nicht zuletzt auch an den schwierigen politischen Verhältnissen, die im Jemen schon seit Jahrzehnten herrschen. Seit 2013 befindet sich das Land im Bürgerkrieg zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und der Armee der Zentralregierung, die von südjemenitischen Rebellen, Saudi-Arabien sowie weiterer Golf-Staaten unterstützt wird. Als Hauptumschlagplatz für den jemenitischen Weihrauchhandel gilt seit alter Zeit die Hafenstadt Aden, von wo aus das Harz in alle Welt exportiert wird.

Ostafrika

Ebenfalls zu den traditionellen Anbauregionen von Weihrauch gehören die Trocken-Gebiete am Horn von Afrika (Äthiopien, Eritrea, Somalia). Ähnlich wie in Südarabien kennzeichnet auch hier ein Weihrauchgürtel das Hauptanbaugebiet, der sich über 500 km lang im nordsomalischen Küstengebirge erstreckt. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat die Bedeutung der ostafrikanischen Länder als Weihrauch-Lieferanten massiv zugenommen.

Somalia

Trockengebiet in Somalia

Trockengebiet in Somalia

Zu den heute wichtigsten Lieferanten für Weihrauch zählt zweifelsohne Somalia. Bereits seit dem Altertum wird der Weihrauch in diesem Land kultiviert. Es gibt Forscher, die auf dem Gebiet des heutigen Somalien (vermutlich das Hinterland an der Grenze zu Äthiopien) das mythische Land Punt vermuten, das in früheren Zeiten den Pharaonen als Weihrauchquelle gedient hat. Um 1500 v. Chr. startete die Pharaonin Hatschepsut eine Expedition in dieses sagenhafte „Weihrauchland“, mit dem Ziel einige Setzlinge der begehrten Weihrauchbäume zu bekommen.
Ebenfalls wie in Südarabien unterliegt die Weihrauchsammelwirtschaft in Somalia klaren besitzrechtlichen Regelungen. Die wildwachsenden Bäume sind seit altersher vererbbares Privateigentum von kleinen Untergruppen eines Stammes oder einflussreicher Großfamilien. Dazu gehört vielerorts die Regelung, dass die Bäume nur an männliche Familienmitglieder vererbt werden können, um diese im Familienbesitz zu behalten. In Somalia müssen sich die Eigentümer von Weihrauchbäumen alljährlich eine Besitz-Lizenz ausstellen lassen, weil in den 70iger Jahren das gesamte Landesterritorium in Staatsbesitz überführt wurde, was aber nicht viel an der alten Praxis der Vererbung geändert hat.
Die Verstaatlichung des Weihrauchhandels und die Gründung von Genossenschaften nach 1969 hat allerdings zu einer qualitativen Verbesserung für die Exportmärkte geführt. Im Zuge dieser Umstrukturierung wurden sogar erstmals Plantagen mit Weihrauchbäumen angelegt (mittlerweile gibt es auch im Oman eine erste Weihrauchplantage). Aktuell stellt Somalia eines der Haupterntegebiete für den weltweiten Weihrauchhandel dar.

Äthiopien

Ebenfalls gedeiht die Weihrauchpflanze in den Bergen Äthiopiens, weshalb das Land zu den alten Weihrauch-Lieferanten gehört. Einige Archäologen vertreten sogar die These, dass sich hier das auch sagenumwobene Weihrauchland Punt befunden haben könnte. Auch gibt es Forscher, die das in der Bibel erwähnte Königreich Saba nach Äthiopien und nicht nach Jemen verorten.
Die besten Weihrauch-Qualitäten sind in Äthiopien für die Gottesdienste der äthiopisch-orthodoxen Kirche vorbehalten, wohingegen es die schlechteren Qualitäten auch auf den Märkten zu kaufen gibt, die von den Einheimischen in der Regel zum Wohlgeruch daheim verräuchert werden. Darüberhinaus wird der äthiopische Weihrauch natürlich auch in alle Welt gehandelt.

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Eritrea

Zu den Weihrauchländern gehört ebenso Eritrea und ist bis heute ein Hauptumschlagplatz für das wertvolle Harz. Bereits im Altertum und in der Antike wurde hier Weihrauch kultiviert und gehandelt, wie viele archäologische Funde belegen. Zudem spricht einiges dafür, dass sich auf dem Gebiet des heutigen Eritrea das mythische Weihrauchland Punt befunden haben könnte, weil es von den afrikanischen Ländern am ehesten über die landschaftlichen, botanischen und kulturellen Voraussetzungen (Flora, Fauna, Rohstoffe etc.) verfügt, die in den alten ägyptischen Inschriften beschrieben wurden.
Wie viele der traditionellen Weihrauchländer, wurde auch Eritrea im 20. Jhrdt. durch kriegerische Auseinandersetzungen (hier mit Äthiopien) heimgesucht, was auch die Weihrauchproduktion und den Weihrauchhandel entsprechend beeinträchtigt hat.

Sudan

Schließlich gehört in Afrika noch der Sudan zu den Ländern, in denen Weihrauch gedeiht. Hier sind es die Trockengebiete wie u.a. die Sahelzone, in denen die Weihrauchbäume wachsen.

► Einen Überblick zu den verschiedenen Sorten und Qualitäten von Weihrauch finden sich hier: Weihrauch-Qualitäten und Weihrauch-Sorten.

Mehr Infos zum Weihrauch

Zur Thematik „Weihrauch“ lassen sich noch viele weitere Infos in den Medien, in Büchern und auch bei uns finden.

Weiterführende Beiträge

Die folgenden Artikel gehen auf einzelne Bereiche des Weihrauchs näher ein:

Literatur zum Weihrauch

In den hier vorgestellten Büchern nehmen sich die Autoren dem Thema Weihrauch in besonders ausführlicher Weise an:

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Mehr Informationen zum Weihrauch

 

Quellen: