Die Weihrauch-Ernte

Weihrauch-Ernte

Die Weihrauchernte läuft in den traditionellen Anbaugebieten Südarabiens (Oman, Jemen) und Ostafrika (Somalia, Äthiopien, Eritrea) sehr ähnlich ab und wird deshalb hier zusammenfassend betrachtet.
Reiner Weihrauch aus Äthiopien – 1. Qualität*
Boswellia Papyrifera – 50 Gramm, direkter Import...

Wann ist Erntezeitpunkt für Weihrauch?

Alljährlich findet die Ernte in den Monaten zwischen April und Oktober statt, weil das Harz in der heißen Sommerzeit über eine höhere Fließqualität verfügt und sowohl hinsichtlich Menge als auch Qualität eine bessere Ausbeute liefert.

Wie wird Weihrauch geerntet?

Austretendes Weihrauch-Harz

Austretendes Weihrauch-Harz (Bild: Mauro Raffaelli, Incenso-1, CC BY-SA 3.0)

Dazu werden 10-30 Schnitte (ca. 5 cm lange und wenige Millimeter tiefe Schnitte) mit Hilfe von speziellen Schabemessern, die Mangaf, Manqaf, Mengaf bzw. Mengaff heißen, in die Rinde von dicken Ästen der Boswellia-Bäume gemacht, was große Geschicklichkeit erfordert. Auf diese Weise wird die Harzproduktion angeregt und aus den Kerben quillt innerhalb der nächsten Tage ein Milchsaft (Wundsaft der Bäume) heraus, der sich einige Zeit später zu milchigem Baumharz verwandelt und in Form von Tränen sowie Perlen an der Rinde hängen bleibt. Nach etwa 2 bis 3 Wochen kann das Harz mit einem spatelähnlichen Schaber abgekratzt werden, wenn der Saft durch die Sonnenstrahlung zu rot-weiß-gelblichen Körnern erhärtet und getrocknet ist. Das Harz aus der ersten Ernte wird in der Regel nicht genutzt, weil es zu minderwertig ist. Im Anschluss an den ersten Erntevorgang werden dieselben Stellen zur Harzgewinnung erneut angeritzt und nach 2 bis 3 weiteren Wochen wieder abgeschabt. Auch bei diesem Vorgang wird noch kein hochwertiger Weihrauch gewonnen. Erst ab dem dritten Ernte-Prozess ist das Harz von guter Qualität. Es wird jetzt in einem Zeitraum von 10 bis 14 Tagen regelmäßig geerntet.

Ausbeutung der Weihrauchbäume: Leider ist in den letzten Jahren das Bewusstsein für einen schonenden Umgang mit diesen wertvollen Pflanzen aufgrund von Bürgerkriegen, dem Wegbrechen alter Traditionen und Profitgier zurückgegangen. Stattdessen werden Bäume vielerorts ausgebeutet. So werden die Weihrauchbäume aktuell 6 bis 9 Mal pro Saison beerntet, es werden ihnen mehr künstliche Verletzungen zugefügt und teilweise werden sie sogar im Winter angezapft. Das alles führt zu einer Schädigung der Bäume und zu einer Minderung der Harzqualität. Hinzu kommen immer mehr streunende Kamele, für die Weihrauchblätter eine Delikatesse sind. Ebenfalls geht der zunehmende Klimawandel nicht spurlos an den Bäumen vorüber. Die Folge ist ein starker Rückgang des Baumbestands in den letzten Jahren.

Dazu werden die Wunden des Baumes immer neu aufgerissen. Zum Aufsammeln des Weihrauchharzes werden traditionell Körbe aus Palmenblättern (Zambeel) verwendet. Anschließend wird das Harz in dunklen Räumen getrocknet (früher dienten dazu häufig Höhlen). Die Ernte-Technik wird seit über 3000 Jahren auf dieselbe Art und Weise praktiziert. Mit jedem Vorgang wird das gewonnene Harz reiner. Je heller das Harz, desto höher und reiner ist die Qualität. Ein Baum liefert jährlich zwischen 3 bis 20 kg Harz, wobei der Durchschnitt pro Baum bei etwa 3 bis 7 Kilogramm Ertrag liegt und nur wenige Spitzenexemplare zwischen 10 bis 20 Kilo Weihrauch abwerfen. Die höchsten Harzqualitäten, die an der grün-weißen Farbe zu erkennen sind, liefern die Bäume dann gegen Ende der Saison (nach 3-4 Monate Erntezeit). Auf dem Markt wird das Harz aus den ersten beiden Ernten als mindere Qualität verkauft. Erst das Harz ab der dritten Ernte-Phase gilt als hochwertig.

► Einen Überblick zu den verschiedenen Sorten und Qualitäten von Weihrauch finden sich hier: Weihrauch-Qualitäten und Weihrauch-Sorten.

Wann werden Erntepausen eingelegt?

Die Beerntung von Weihrauchbäumen beginnt frühestens ab dem 4. Lebensjahr, manche Bäume sogar erst ab dem 10. Lebensjahr, was von der individuellen Entwicklung des Baumes abhängig ist. Den Zeitpunkt legen die erfahrenen Harzsammler fest.
In den Monaten zwischen Oktober und März ist keine Erntezeit und die Bäume haben eine Ruhepause. Außerdem wird den Bäumen aller 3 bis 7 Jahre eine mehrjährige Pause zur Regenerierung gegönnt, damit sie weitere Jahrzehnte beerntet werden können. Bei einer schonenden Behandlung der Bäume, können diese theoretisch jahrhundertelang Weihrauchharz produzieren und entsprechend beerntet werden.

Übrigens: Im Oman sind bestimmte Traditionen mit der Weihrauchernte verbunden. Die Menschen glauben, dass unter jedem Baum ein Dämon wohnt und dieser zuerst gnädig gestimmt werden muss. Deshalb kommen die Männer vor der Ernte in Gruppen zusammen, trommeln und singen Lieder, in denen sie den Dämon um Erlaubnis fragen, ernten zu dürfen. Außerdem stellen sie ein Schälchen Halwa (spezielle Süßigkeit) neben dem Baum ab. Mit Hilfe solcher Legenden wurden Diebe jahrhundertelang abgehalten das Harz zu stehlen.

Organisation der Ernte, Ernterecht und Erntehelfer

In früheren Zeiten war das Ernten des Weihrauchs allein sexuell enthaltsam lebenden Männern vorbehalten. Häufig sind die Weihrauchbäume seit vielen Generationen im Besitz einzelner Stämme bzw. Großfamilien und werden in der Regel nur an männliche Angehörige weitervererbt. Ebenfalls ist das Ernten von Weihrauch nur den Männern gestattet, die dafür das Privileg erhalten haben. Selten wird das Harz von den Besitzern der Bäume selbst geerntet, die manchmal auch zugleich Weihrauchhändler sind. Häufig wird das Land mit den Weihrauchbäumen verpachtet und der Pächter organisiert dann die Ernte (engagiert Vorarbeiter, Harzsammler und eine Wachmannschaft zur Bewachung der Sammellager) und den anschließenden Verkauf des Harzes. Das Harzsammeln wird entweder von anderen Stammesangehörigen oder von fremden Saisonarbeitern (im Oman z.B. durch Somalis) durchgeführt.

Weitere Infos zum Weihrauch

Zur Thematik „Weihrauch“ lassen sich viele weiterführende Informationen in den Medien, in Büchern und auch bei uns finden.

Weiterführende Beiträge

Die folgenden Artikel gehen auf einzelne Bereiche des Weihrauchs näher ein:

Bücher zum Weihrauch

In der hier vorgestellten Literatur nehmen sich die Autoren dem Thema Weihrauch in sehr ausführlicher Weise an:

Reiner Weihrauch aus Äthiopien – 1. Qualität*
Boswellia Papyrifera – 50 Gramm, direkter Import...

Mehr Informationen zum Weihrauch

 

Quellen: