Myrrhe (commiphora myrrha)

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Was ist Myrrhe?

Bei Myrrhe (botanisch: commiphora myrrha), auch Balsamier, Bisabol-Myrrhe, Herabolmyrrhe, Echte Myrrhe, Rote Myrrhe oder Stakte genannt, handelt es sich um einen dornigen, baumähnlichen Strauch aus der Familie der Balsambaumgewächse (burseraceae), der eine Wuchshöhe von bis zu drei Metern erreichen kann. Der Myrrhestrauch ist in Äthiopien, Somalia und Südarabien beheimatet, also in Gegenden mit trockenem und wüstenartigen Klima. In der Botanik werden bis zu 200 verschiedene Myrrhe-Arten unterschieden. Bekannt ist Myrrhe aufgrund seines aromatischen Harzes, das bereits seit Jahrtausenden kulturell als Räucherwerk, als Mittel zur Einbalsamierung oder für gesundheitliche Zwecke (u.a. als Tinktur) genutzt wird. Dabei werden als Lieferanten von Myrrheharz auch andere Arten der Gattung Commiphora genutzt (u.a. commiphora simplicifolia, commiphora foliacea Sprague, commiphora habessinica oder commiphora hildebrandtii). Für die Harzgewinnung kommen seit der Antike hauptsächlich die in Ostafrika (Somalia) und Arabien wachsenden Myrrhe-Arten in Betracht. Das Myrrhenharz wird durch Einschnitte in den Stamm eines strauchartigen Baumes gewonnen. Die Ernte erfolgt zwischen Juni bis August nach der Regenzeit. Dabei erntet man von einem Baum etwa 3 – 4 kg Harz pro Jahr. Der Name „Myrre“ leitet sich vom arabischen Wort „murr“ bzw. vom aramäischen Begriff „mriro“ ab, was sich mit „bitter“ übersetzen lässt und auf den bitteren Geschmack des Harzes zurückgeht.

In der griechischen Mythologie gilt ein Mädchen namens Myrrha, die Mutter des Adonis, als Namensgeberin: Diese verführte ihren Vater und wurde daraufhin von den Götterin in einen Myrrhebaum verwandelt, wobei die austretenden Harzperlen als Tränen des Mädchens gedeutet wurden.

Kulturelle Bedeutung

Myrrhe – Räucherpflanze

Das Myrrhenharz gehört zu den ältesten Duft- und Heilmitteln der Menschheit. Im alten Ägypten wurde dem Sonnengott Ra dreimal täglich (früh, mittags, abends) ein Rauchopfer dargebracht, wobei zum höchsten Sonnenstand am Mittag das Myrrhenharz verbrannt wurde.

In der Bibel wird das Harz neunmal im Alten- und dreimal im Neuen Testament erwähnt (siehe Räuchermittel der Bibel). Der Duft der Myrrhe war im damaligen Israel berühmt, weshalb er in den Schriften des Alten Testaments gepriesen wird (vgl. Ps 45,9). Die Myrrhe war bei den Hebräern Bestandteil des mosaischen Tempelweihrauchs und des heiligen Salböls (Ex 30,22-38). In Ägypten diente die Myrrhe außerdem zur Einbalsamierung der Toten. Diese Art der Konservierung wurde offensichtlich von den Juden übernommen, denn in Johannes 19,38-40 wurde berichtet, dass der Leichnam Jesu mit 32 kg einer Mischung von Aloe und Myrrhe einbalsamiert wurde. Vor der Kreuzigung wurde Jesus Myrrhewein gereicht (Mk 15, 23), ein gebräuchliches Betäubungsmittel der Antike. Die drei Weisen aus dem Morgenland ehrten das Jesuskind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe (Mt 2,11), woraus hervorgeht, welch große Wertschätzung dem Weihrauch- und Myrrheharz entgegengebracht wurde. Ebenso schätzt man im Islam die Myrrhe, wobei die Moslems glauben, dass sie ihre Herkunft in Mekka hat.

Eine ebenso lange Tradition hat das Myrrhenharz als Heilmittel. Dabei wurde es meistens pulverisiert, in Öl oder Wein gelöst und so den unterschiedlichsten Präparaten beigegeben. Im Papyrus Ebers (etwa 1500 v.Chr.) ist Myrrhenharz als Bestandteil eines Heilbalsams bei Verbrennungen, sowie in einer Einreibung für schmerzende Fußknöchel und im Räucherwerk „Kyphi“ aufgeführt.


Sowohl Plinius in seinem Werk „Naturkunde“, als auch Dioskurides unterscheiden Myrrheharz und Stakte: „Stakte heißt das Fett der frischen Myrrhe, wenn sie mit wenig Wasser angerieben und in der Presse ausgepresst wird. Sie ist sehr wohlriechend und kostbar und wird an und für sich ein Salböl genannt. Am besten ist sie, wenn sie nicht mit Öl gemischt ist und in der geringsten Menge die größte Kraft besitzt, wenn sie erwärmt und der Myrrhe und den erwärmenden Salben entsprechend wirkt.“ (Dioskurides I,73)

Myrrhe räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Myrrhe (commiphora myrrha) – Räucherharz

  • Räucherduft

  • Je nach Sorte besitzt das Myrrhenharz, das durch Anschneiden der Zweige gewonnen wird, eine gelbliche, aber meist dunkelbraune Farbe und ist nicht transparent. Beim Verbrennen verbreitet Myrrhe einen bitter-scharfen und zugleich würzigen Duft, der eine herbe erdige Note hat. Recht ähnlich zur Myrrhe ist das Harz Opoponax (opoponax chironium, commiphora erythrae) und wird deshalb auch als „Süße Myrrhe“ bezeichnet.

  • Wirkung

  • Der Myrrhenduft wirkt erdend, beruhigend, verlangsamend, zusammenziehend und verdichtend. Eine Myrrhenräucherung eignet sich hervorragend, um uns Erdenfestigkeit zu verleihen und zur Beruhigung des Geistes. Allerdings sollte Myrrhe nicht bei Depressionen angewendet werden, da sie hier die traurigen Gedanken verstärken kann.

  • Räuchermischungen

  • In Räuchermischungen lässt sich das Harz hervorragend mit einer Vielzahl von Räucherstoffen wie u. a. Aloe, Benzoe, Cassia, Kiefer, Labdanum, Lavendel, Lorbeer, Mohn, Nelke, Opoponax, Patchouli, Pfefferminze, Piment, Sandelholz, Sassafras, Styrax, Thymian, Wacholder, Weihrauch und Zimt verräuchern.

  • Traditionelle Verwendung

  • So richtig zur Geltung kommt die Myrrhe beim Räuchern erst als Gegenpol in Mischungen mit dem Weihrauchharz. In den berühmtesten Räuchermischungen, wie dem altägyptischen „Kyphi“ und dem biblischen Tempelweihrauch, kommt dieses Räucherpaar vor. Die Myrrhe wirkt hier harmonisierend und integrierend auf die übrigen Duftstoffe. Entsprechend der guten Aufzeichnungen antiker Schriftsteller, wie Plinius secundus, schätzte man im ersten Jahrhundert n. Chr. den Verbrauch von Myrrhenharz auf 500 bis 600 und den von Weihrauchharz auf 2.500 bis 3.000 Tonnen.

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Exkurs: Stakte

Im Altertum und in der Antike wurde Myrrhe in einem speziellen Verfahren bearbeitet, um so einen feineren Geruch zu erzeugen: Dazu wurde frisch geerntetes Myrrhenharz mit Wasser gemischt und anschließend ausgepresst. Auf diese Weise entstand eine zähflüssige Masse, die beim Verbrennen einen wesentlich feineren Duft verströmt. Dieses veredelte Myrrhenharz, das man dann als Stakte bezeichnete, wurde sehr geschätzt und viel teurer gehandelt als das unbearbeitete Harz.

Medizinische Verwendung

Myrrhe ist als Heilpflanze schon seit sehr langer Zeit bekannt und wir als solche bis in unsere Zeit hinein verwendet.

Myrrhe in der traditionellen Volksheilkunde

Myrrhe als Heilpflanze (Myrrenstrauch)

Die desinfizierende Kraft des Myrrhenharzes war bereits den alten Ägyptern bekannt und spielte dort eine wichtige Rolle als Einbalsamierungsmittel ihrer Toten. Auch den anderen antiken Völkern waren die medizinischen Eigenschaften der Myrrhe bekannt, wie wir aus der Bibel erfahren. Im Buch Ester 2,12 wurde auf die kosmetische Anwendung von Myrrhenöl als Schönheitsmittel im Perser-Reich hingewiesen. Interessant sind auch die folgenden Stellen im Alten Testament: Exodus 30,30; Levitikus 10,6-7 und 16,1-4. Hier wurde auf die Eigenschaften des heiligen Salböls als Schutzmittel eingegangen. Der priesterliche Dienst im Heiligtum war mit dem gefährlichen Dienst an der Bundeslade verbunden. So durfte dieser Dienst nur unter Verwendung des heiligen Salböls durchgeführt werden. Da die Beschaffung der Ingredienzien des Salböls sehr schwierig und sie deshalb sehr teuer waren, war es unter Todesstrafe untersagt, dieses wertvolle Schutzöl für profane Zwecke zu verwenden.
In der Antike galt Myrrhe zudem als „Mittel für die Krieger“, da es zur Wundpflege eingesetzt wurde. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot beschreibt die Myrrhe aufgrund ihrer desinfizierenden Wirkung als Medizin für die Wunden der Soldaten im persischen Krieg. Außerdem galt sie mit Wein gemischt als Betäubungsmittel.
Im Mittelalter war die Myrrhe auch in Europa bekannt. So wurde das Myrrhenharz zu Pestpillen verarbeitet. Die heilige Hildegard von Bingen beschreibt die Myrrhe als eine fiebersenkende Medizin.

  • Pilzerkrankungen

Erst in den letzten Jahren ist die Myrrhe als sehr wirksames Mittel zur Behandlung von Pilzerkrankungen, besonders von Hefepilzen (Candida) im Verdauungstrakt und in der Mundhöhle, erkannt worden. Eine Kur mit Myrrhe kann die Pilze abtöten, ohne die natürlichen Darmbakterien zu zerstören. Myrrhe ist auch ein wichtiger Bestandteil der bekannten Schwedenkräuter-Mischung.

  • Erkältungskrankheiten

Bereits der griechische Arzt Dioskurides kannte Myrrhe als Mittel gegen chronischen Husten, Katarrh und Heiserkeit. Bis heute wird sie häufig bei Kindern mit Husten eingesetzt. Auch heute wird Myrrhe bei Husten und Erkältungen eingesetzt, da sie bei Atmung und Abhusten helfen soll.

  • Schleimhäute

Schon die Sumerer nutzten Myrrhe aufgrund ihrer desinfizierenden Wirkung zur Behandlung infizierter Zähne. Auch heute wird sie gerne in Form von Mundwasser (bei Zahnfleischerkrankungen) oder zur Spülung bei Mandel-, Mund- oder Rachenentzündungen eingesetzt.

  • Hilfe bei Darmkrankheiten

Myrrhe gilt traditionell auch als Mittel zur Stärkung der Verdauung und wird seit langer Zeit bei Darmerkrankungen eingesetzt (wirkt entzündungshemmend). Bereits im Mittelalter wurde sie bei einer Vielzahl an Darmbeschwerden sowie bei Cholera verabreicht. In unseren Tagen ist Myrrhe als Mittel gegen Reisedurchfall beliebt.

  • Wirksames Mittel gegen Parasiten

Myrrhe wird auch als Mittel gegen Parasiten wie u.a. Fadenwürmer, Saugwürmer (Leberegel, Pärchenegel, Darmegel) und Protozoen (Trichomona, Cryptosporidium, Giardia) eingesetzt.

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Anwendung in der Aromatherapie

In der Aromatherapie verwendet man das ätherische Öl, das man durch Wasserdampfdestillation des Harzes gewinnt. Aus 12 bis 15 kg Harz erhält man 1 Liter ätherisches Myrrhenöl. In die Duftlampe gibt man ca. 3-4 Tropfen Myrrhenöl. Es ist stark raumluftreinigend! Der milde weiche Duft lädt zur Meditation und innerer Einkehr ein.

Nutzung als Hausmittel

Als Hausmittel hat sich die Myrrhe seit mehreren Jahrtausenden bewährt. Hier möchten wir Ihnen einige Anwendungsmöglichkeiten zum allgemeinen Hausgebrauch kurz vorstellen:

  • Gurgel-Mittel

Myrrhe ist ein hervorragendes Mittel bei Heiserkeit und Stimmverlust zum Gurgeln: Dazu gibt man 2 bis 3 Tropfen Myrrhenöl auf einen Löffel zusammen mit Akazienhonig, mischt beides und löst den Honig dann zum Gurgeln in einem Glas warmen Wasser auf.

  • Zahnfleisch-Einreibung

Bei Zahnfleischentzündungen und Aphthen kann man die Schleimhaut auch mit Myrrhe-Tinktur einreiben. Das ist eine sehr wirksame und erprobte Methode.

  • Hautöl

30 Tropfen ätherisches Myrrhenöl werden in 50 ml Calendula-Basisöl verschüttelt. Diese Hautöl hat sich bei Schwangerschaftsstreifen und schlecht heilenden Wunden, Hautrötungen und -entzündungen bewährt.

  • Massageöl

4 bis 5 Eßlöffel eines fetten Basisöls, wie Jojoba-, Macadamiaöl usw. mit etwa 3 Tropfen ätherischen Myrrhenöl mischen. Eine Einreibung bzw. Massage mit diesem Hautöl ist bei Hautunreinheiten, bei Muskelverspannungen und Hämmorrhoidalbeschwerden ist zu empfehlen.

  • Gesichtskompressen

Zur Straffung der Gesichtshaut mischt man 6 Tropfen ätherisches Myrrhenöl in einem Teelöffel Akazienhonig und löst die Mischung in einem halben Liter lauwarmen Wasser auf. Ein mittelgroßes Leinentuch wird damit getränkt und aufgelegt. Diese Kompresse hat eine hautstraffende Wirkung und macht die Haut geschmeidig.

  • Vollbad

2 bis 3 Esslöffel Honig mit ca. 6 Tropfen ätherischem Myrrhenöl mischen und in das eingelassene Badewasser einrühren. Diese entzündungshemmende und beruhigende Bad wird erfolgreich bei Hautleiden, Narben, rheumatischen Beschwerden, Hämorrhoiden, ferner bei Erkältungen, bei nervlicher Überforderung und Erschöpfung eingesetzt. Es wirkt ausgleichend auf Körper und Geist, verleiht Entspannung und Harmonie.

Weitere Verwendungszwecke

  • Außerdem wurde Myrrhe auch als Schmuck genutzt. Diesen trug man am Körper, um damit schlechte Gerüche zu überdecken.
  • In der arabischen Welt wird das Harz als Gewürz  für Limonaden und Süßigkeiten verwendet.
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Übersicht der Räucherharze

 

Quellen:

  • Alberts, Andreas / Mullen, Peter: Psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere; Stuttgart 1999, S. 70f.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 159f.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 149.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 259f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 132.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 111-116.
  • Rätsch, Christian: Weihrauch und Copal. Räucherharze und -hölzer. Ethnobotanik, Rituale und Rezepturen; Baden und München 2004, S. 48ff.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 66.
  • Zohary, Michael: Pflanzen der Bibel; Stuttgart 1983, S. 200.