Galbanum (ferula galbaniflua)

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Was ist Galbanum?

Galbanum – Räucherpflanze

Galbanum (ferula galbaniflua), auch Gummi galbanum, Galbanharz (ferula gummosa) bzw. Mutterharz genannt, ist eine dem Fenchel verwandte Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (apiaceae). Dieses Gewächs gedeiht wild in Höhen von 1.000 bis 2.500 m, vor allem in der Türkei, Syrien, Irak, Iran, Afghanistan.
Das ölige Harz wird durch Eintrocknen des Milchsaftes aus den Stengeln der etwa 1,5 m hohen Pflanze gewonnen. Aus dem getrockneten Harz wird durch Extraktion ein Resinoid und daraus durch Wasserdampfdestillation auch das ätherische Öl hergestellt. Das reine ursprüngliche Harz kann man so beschreiben: Es sind weihrauchähnliche Harz-Tränen von rötlich-gelber Farbe, etwas fettig und holzfrei, aber mit Stecklingen und Samen vermischt und einen scharfen Geruch besitzen.

Verschiedene Arten

Es gibt zwei Arten von Harzen:

  • levantinisches Galbanum: kommt aus Afghanistan, hat weiche Konsistenz, dezenter Duft → gut zum Räuchern geeignet
  • persisches Galbanum: von härterer Konsistenz, kommt aus dem Iran, kräftiger und teilweise beißender Geruch → nicht so gut zum Räuchern geeignet

Heute wird das Galbanum-Harz ausschließlich im Iran gewonnen, etwa 80 Tonnen im Jahr. Im Handel ist das Extraktharz (Resinoid) und das ätherische Öl erhältlich. Beide werden heute oft in der Parfümerie eingesetzt, um der jeweiligen Duftkomposition eine frische Grünnote zu verleihen. Außerdem wird das ätherische Öl in der Aromatherapie eingesetzt.

Kulturelle Bedeutung

Im Alten Testament wurde Galbanum als Bestandteil des mosaischen Tempelweihrauchs erwähnt (Ex 30,34). Eine zweite Bibelstelle (Sir 24,15) nennt Galbanum in einer Aufzählung von Duft- und Räucherstoffen (siehe Biblische Räucherstoffe). Ebenfalls berichtet Theophrast von Eresos (372-287 v. Chr.) von Galbanum als einem Harz aus Syrien.

Die Assyrer verwendeten es als Heilmittel, oft mit Opium vermischt oder mit Bier getrunken. In Persien wurde es hauptsächlich innerlich als Magenstärkungsmittel eingenommen. Das Harz war in der antiken Welt gut bekannt und wurde sowohl als Räucherstoff, als auch als Heilmittel vielseitig verwendet. Das ätherische Öl zählt heute in Europa zu den Meditationsölen.

Galbanum räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Galbanum-Harz aus Persien zum Räuchern

  • Räucherduft

  • Zum Räuchern mit dem Resinoid Galbanum, einer zähen, klebrigen Masse, formt man kleine Kügelchen (so groß wie Stecknadeln), die man auf die Räucherkohle legt. Beim Verbrennen entwickelt das Harz einen schweren, süß-balsamischer Duft mit einer waldigen Note.

  • Wirkung

  • Der Rauch von Galbanum hat eine Angst lösende, beruhigende und stark krampflösende Wirkung auf Körper und Geist.

  • Räuchermischungen

  • In Räuchermischungen muß das Harz sehr vorsichtig dosiert werden, damit die Mischung nicht unangenehm duftet. Es verlängert durch seine fixierende Wirkung die Brenndauer einer Räuchermischung. Galbanum-Harz lässt sich in Räuchermischungen hervorragend mit anderen Räucherstoffen wie u. a. Angelika, Copal, Elemi, Myrrhe oder Opoponax verräuchern.

  • Traditionelle Verwendung

  • In der Räucherheilkunde verwendete man Galbanum schon seit antiker Zeit und nutzte die stark krampflösende Wirkung dieser Pflanze, um die Muskulatur zu lösen, so z.B. beim Geburtsvorgang, bei Koliken oder zur Lockerung der Atemmuskulatur. Ferner wurden auch verschiedene Frauenkrankheiten damit behandelt, so daß Galbanum den Namen Mutterharz erhielt (gilt als menstruationsfördernd). Im psychischen Bereich wirkt Galbanum sehr krampflösend bei Angstzuständen und innerer Unruhe.

Medizinische Anwendung

Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) beschreibt den medizinischen Gebrauch wie folgt: „Im Zäpfchen und in der Räucherung angewandt befördert es die Menstruation und treibt den Fötus aus. Mit Essig und Natron aufgestrichen vertreibt es Leberflecken. Getrunken wirkt es aber gegen alten Husten, Atemnot, Asthma und Krämpfe. Mit Wein und Myrrhe ist es ein Gegenmittel gegen Gift. Ferner wird es bei Seitenschmerzen und Furunkeln aufgelegt. Epileptische, von Mutterkrämpfen und Schwindel Befallene, regt es als Riechmittel an.“ Auch der römische Schriftsteller Plinius beschreibt solche Wirkungen des Galbanums.

Anwendung in der Aromatherapie

Der Geruch von Galbanumöl ist gewöhnungsbedürftig, aber wo die Akzeptanz gegeben ist, kann es seine Heilwirkung gut entfalten. Der Duft wirkt beruhigend und erdend. Deshalb hat es bei nervösen Zuständen, bei Streß, sowie bei Reizhusten eine gute Wirkung. Hierzu kann es durch Verdunsten oder durch Verteilen von 2 bis 3 Tropfen Galbanumöl in heißem Wasser inhaliert werden.

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Verwendung als Hausmittel

Als Massageöl (1% ätherisches Öl in Mandelöl) oder im Sitzbad wirkt es positiv auf die weiblichen Unterleibsorgane und regt sanft die Menstruation an.

  • Kompressen

Galbanum hat sich bei hartnäckigen rheumatischen Beschwerden als Zusatz zu heißen Kompressen bewährt.

  • Hautöl

Als Hautöl (3%ig in Mandelöl) kann Galbanum gegen Abszesse und Furunkel helfen und auch bei schwer heilenden Entzündungen eingesetzt werden. Bei Mangel an Selbstvertrauen und Antriebslosigkeit kann ein 1%iges Massageöl angewendet werden, welches man im Uhrzeigersinn am Solarplexus verreibt. Es wirkt auch krampflösend.

 

Übersicht der Räucherharze

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 101, 186.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 136f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 98.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 242f.
  • Martinetz Dieter / Lohs, Karlheinz / Janzen, Jörg: Weihrauch und Myrrhe. Kostbarkeiten der Vergangenheit im Licht der Gegenwart; Berlin 1989, S. 33.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 77f.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 60f.
  • Zohary, Michael: Pflanzen der Bibel; Stuttgart 1983, S. 201.