Drachenblut (Harz)

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Was ist Drachenblut?

Drachenblut – Räucherpflanze

Drachenblut (daemenorops draco, sanguis draconis), das auch als Rotangharz, Palmdrachenblut oder indisches Zinnober bezeichnet wird, ist ein Harz verschiedener Pflanzen. Das Naturharz verfügt über eine dunkelrote bis rotbraune Farbe und stammt aus unterschiedlichen von Schuppen umgebenen Früchten diverser Palmenarten, die in Afrika, Asien, Mittelamerika und Australien wachsen. Seinen Namen verdankt Drachenblut den Harzen der Palme Daemonorops draco in Südostasien sowie einem Harz von der Insel Sokotra im Golf von Aden. Die Harzstücke werden, nachdem sie gesammelt wurden, zuerst gereinigt und anschließend miteinander verschmolzen.

Historische Bedeutung

In der Antike und im Mittelalter galt Drachenblut als sehr bedeutendes Handelsgut und wurde bereits in den Schriften von Pedanios Dioskurides sowie Gaius Plinius Secundus unter dem Namen „Drachenblut“ erwähnt. Die Menschen glaubten, dass es sich bei diesem Harz um echtes Blut von sterbenden Drachen handle. Im Altertum verwendete man das Harz der „Dracaena cinnabari“, einer Art aus der Gattung der Drachenbäume (dracaena), die auch im sagenumwobenen Lande Punt beheimatet gewesen sein soll. Als Ursprung dieser Art wird die Insel Socotra (heute zum Jemen gehörig) angenommen. In Südamerika gibt es Croton-Arten (Wolfsmilchgewächse), die ebenfalls einen solch roten Saft (wird von dem Hochmayavolk der Quiché „chuh cakché“ – „schäumender Feuerbaum“ genannt) hervorbringen und der auch als Drachenblut bezeichnet wird.

Drachenblut räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Drachenblut als Räucherwerk

  • Räucherduft

  • Drachenblut findet als Räucherwerk schon seit vielen Jahrhunderten Anwendung. Beim Räuchern wird ein sehr starker und dunkler Rauch freigesetzt, wobei das Harz einen würzig-herben und intensiven Duft verströmt.

  • Wirkung

  • Der Rauch, der beim beim Verbrennen des Harzes entsteht, hat eine insgesamt stärkende und die Willenskraft bzw. die Persönlichkeit fördernde Wirkung auf den menschlichen Geist.

  • Räuchermischungen

  • Drachenblut wird sowohl einzeln, aber aufgrund der starken Rauchentwicklung zumeist auch als Beigabe von kleineren Mengen in Räuchermischungen zusammen mit Stoffen wie u. a. Nelke, Patchouli, Rhododendron, Sandelholz, Weihrauch oder Zeder verwendet.

  • Traditionelle Verwendung

  • Traditionell wurde das Harz im Rahmen von Ritualen, Zauberformeln und Beschwörungen verräuchert. Früher galt das Verräuchern dieses Harzes besonders als Schutz- und Reinigungsmittel gegen negative Energien, böse Geister, Mißgunst etc. So wurde es häufig in exorzistischen Ritualen eingesetzt.

    Bei dem Stamm der Quiché (Guatemala) wird der eingedickte, blutrote Latex als Räucherwerk für Opferzeremonien verwendet, um auf diese Weise ihre Götter gändig zu stimmen, die sich lieber am Blut von geopferten Menschen berauschen würden.

Medizinische Anwendung von Drachenblut

Früher wurde Drachenblut oft als pflanzliches Heilmittel benutzt und ist bereits bei Dioskorides (1. Jhrdt. n. Chr.) als solches erwähnt. So wurde es bei verschiedenen Erkrankungen verwendet:

  • bei Durchfall,
  • bei Skorbut,
  • bei Atemwegserkrankungen,
  • als Beigabe bei Mundschleimhautentzündungen,
  • als Antiseptikum in der Wundbehandlung

Heutzutage findet das Harz (außer in der chinesischen Medizin) in der Medizin allerdings keine Anwendung mehr.

Weitere Verwendungszwecke

Neben seiner Bedeutung als Räucherstoff wird Drachenblut als Beschichtungswerkstoff und Farbstoff benutzt. So wird auf das Harz als Färbemittel besonders im Geigenbau, in Tischlereien, aber auch bei Restaurationen zurückgegriffen. Hier sind es Lacke, getönte Firnisse und Farbmischungen, in denen das Harz als färbende Beigabe dient. Ebenfalls findet das Drachenblut auch als Färbstoff von Zahnpulvern Anwendung.

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Übersicht der Räucherharze

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 228-229.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 135.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 237f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 90.
  • Martinetz Dieter / Lohs, Karlheinz / Janzen, Jörg: Weihrauch und Myrrhe. Kostbarkeiten der Vergangenheit im Licht der Gegenwart; Berlin 1989, S. 35f.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 69-70.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 59.