Benzoe-Harz (styracaceae)

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Was ist Benzoe?

Unter Benzoe wird ein Harz unterschiedlicher Benzoebäume bezeichnet. Dabei sind besonders zwei Arten zu unterscheiden:

  • „Siam-Benzoe“ (styrax tonkinensis craib.) → gelblich-weiß bis gelbbraune Farbe, gilt als die edlere und süßere Art
  • „Sumatra-Benzoe“ (styrax benzoin dryand) → rötlich- bis dunkelbraune Farbe, hat einen herberen und schärfern Duft

Benzoe-Harz (grob) – Räucherpflanze

Beide Arten gehören zu den Storaxbaumgewächsen (styracaceae) und gedeihen vor allem in den Ländern Asiens: So wächst Benzoe Siam in Indien und Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam (Tonkin), Benzoe Sumatra dahingegen in Java und Sumatra. Beiden Arten beinhalten den Duftstoff Vanillin. Das Benzoeharz darf nicht mit dem Styraxharz der verwandten Storaxbäume verwechselt werden. Benzoe hat eine leicht rötliche bis dunkelbraune Farbe. Das Harz wird mittels Einschnitte in die Rinde des Baumes gewonnen. Dazu lässt man das flüssige Balsam an der Luft trocken und erntet es anchließend ab. In Südostasien zählt das Harz zu den wichtigsten Räucherstoffen.
Seinen Ursprung hat der Name „Benzoe“ im arabischen Wort für Benzoeharz „luban dschawi“ (übersetzbar mit „Weihrauch aus Java“), das durch den Handel mit Katalonien seinen Weg nach Europa fand: Hier fiel nun die ersten Silbe „lu“ weg und aus dem ersten Vokal a wurde ein e, woraus im Italienischen „benjuì“ und im Mittellateinischen der heutige Name „benzoë“ entstand.

Historische Bedeutung

Bereits in der Antike wurde das Harz entlang der Weihrauchstraße von indischen Kaufleuten nach Ägypten gehandelt. In Europa wurde es ab etwa dem 15. Jahrhundert als Handelsgut eingeführt. Die erste botanische Beschreibung von Benzoe geht auf den arabischen Reisenden Ibn Batuta (1304-1378) zurück, der das Harz nach Arabien gebracht haben soll.

Benzoe räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Benzoe-Harz (fein) als Räucherwerk

  • Räucherduft

  • Beim Verbrennen von Benzoe verströmt das Harz einen warmen, intensiv balsamischen und leicht schokoladigen Duft, wobei sich beide Harze im Rauch unterscheiden. Das Harz verbrennt sehr schnell und entwickelt einen sehr intensiven Rauch. Der Geruch des Benzoe Sumatra ist meist etwas weicher und das Benzoe Siam etwas harziger. Letzteres gilt als die bessere Qualität und ist in der Regel auch teurer.

  • Wirkung

  • Die Räucherung der verschiedenen Benzoe-Arten hat eine entspannende und beruhigende Wirkung auf die Nerven. Der Rauch wirkt dabei harmonisierend auf Körper, Geist und Seele. Zudem verleiht der Duft des Benzoeharzes Stärke sowie Mut und fördert die Wachheit und Klarheit des Geistes. Ebenfalls soll Benzoe eine positive Wirkung bei Depression, Melancholie und Ängsten besitzen.

  • Räuchermischungen

  • Häufig wird das Harz zusammen mit anderen Pflanzen (u. a. Adlerholz, Ambra, Damiana, Eisenkraut, Kaneel, Lavendel, Moschus, Muskat, Nelke, Patchouli, Rose, Stechapfel, Sternanis, Tonkabohnen, Ylang Ylang, Zedernholz oder Zimtrinde) verräuchert, da es sich in puren Räucherungen nicht sonderlich gut eignet.

  • Traditionelle Verwendung

  • Traditionell wird das Benzoeharz in Reinigungs,- Schutz,- und Segenungszeremonien verräuchert. Besonders in Indien findet Benzoe als wichtiger Bestandteil der Tempel-Weihrauch-Mischungen Verwendung, die vor den Statuen und Bildern der Götter wie Brahma, Shiva oder Vishnu verbrannt werden. Aber auch die russisch-orthodoxe Kirche hat das Harz für die Mischung ihres Kirchenweihrauchs entdeckt. Zudem ist es Bestandteil des Balsamöls, das im Sakrament der Krankensalbung („Letzte Ölung“) in der katholischen Kirche zum Einsatz kommt.

    Das Verräuchern von Benzoeharz diente seit alten Zeiten auch zur Abwehr böser Geister.

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Medizinische Anwendung von Benzoeharz

Aufgrund seiner antiseptischen Wirkung wurde Benzoeharz in Europa bereits früh als medizinisches Räuchermittel bei Bronchitis und Erkältungskrankheiten verwendet. Ebenfalls bedient sich die indische Ayurveda-Medizin des Harzes als Heilmittel für Atemwegs- und Hauterkrankungen.

Das ätherische Öl von Benzoe wird zudem in der indischen Medizin meistens zur Konservierung von selbstgemachten Salben und Cremes verwendet und eignet sich darüberhinaus auch hervorragend für die Hautpflege. Eine Benzoetinktur wird mitunter noch als schleimlösendes Mittel und als Zusatz für Mundwässer verwendet.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten

  • Das Benzoeharz findet im Musikinstrumentenbau (bspw. im Geigenbau) als Zutat des Geigenlackes Anwendung.
  • Die Benzoesäure ist einer Hauptbestandteile des Harzes und wird in der Lebensmittelindustrie extrahiert, wo er als Konservierungsstoff verwendet wird. So dient Benzoe bspw. bei der Herstellung des italienischen Orzata-Sirups. Außerdem wird Benzoe als Aromastoff in Lebensmitteln (u. a. Limonaden) eingesetzt.
  • In der Parfümherstellung wird das Harz ebenfalls benutzt. Hierbei eignet es sich hervorragend als Zutat in warmen und orientalischen Düften.

Exkurs: Loban

Als Loban (auch Lobhan oder Luban genannt) wird der umgangssprachliche Name für den Kalkutta-Block-Benzoe bezeichnet, der aus Indien stammt. Loban ist ein allgemeiner hinduistischer Name für Weihrauch-Harze. Dabei handelt es sich um eine zu Blöcken gepresste Mischung von verschiedenen Harzen, wobei ein Hauptteil dieser Mischung das Sumatra Benzoe bildet. Abgesehen davon variieren die Rezepturen. Es existieren  in Indonesien und Malaysia unzählige Rezepte solcher Mischungen, die häufig geheim gehalten werden. Die Blöcken weisen Bruchstellen auf, was ihnen ein granitähnliches Aussehen verleiht. Als Loban wird im Handel aber auch manchmal Guggul (commiphora mukul) oder Indischer Weihrauch (boswellia serrata) bezeichnet. Beim Verbrennen verströmt diese Räuchermischung einen würzig, leicht beißenden Duft, der eine gewisse Ähnlichkeit zu Styrax aufweist. Die Mischung kann sowohl einzeln als auch in Verbindung mit weiteren Räucherstoffen (z. B. Copaibalsam, Jasmin, Koriander, Mönchspfeffer, Myrrhe, Rose, Tolubalsam, Wacholderholz oder Weihrauch) verbrannt werden. Loban hat eine entspannende und friedvolle Wirkung auf den menschlichen Geist. Verwendung findet er hauptsächlich in Reinigungsritualen, Heilungs- und Weihezeremonien sowie als Mittel gegen Ungeziefer.

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Übersicht der Räucherharze

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 97-98.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 130.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 231f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 81f
  • Martinetz Dieter / Lohs, Karlheinz / Janzen, Jörg: Weihrauch und Myrrhe. Kostbarkeiten der Vergangenheit im Licht der Gegenwart; Berlin 1989, S. 35.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 50-51.
  • Rätsch, Christian: Weihrauch und Copal. Räucherharze und -hölzer. Ethnobotanik, Rituale und Rezepturen; Baden und München 2004, S. 21f.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 57-58.