Sandelholz (lignum santalinum)

Was ist Sandelholz?

Sandelholz (lat. lignum santalinum) ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Hölzer aus der Gattung der „santalum“-Bäume, die ihrerseits zur Pflanzenfamilie der Santalaceae gezählt werden. In der Santalum-Gattung gibt es 16 Arten, die aufgrund ihres Wohlgeruchs traditonell zur Beduftung Verwendung finden.

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Alle Arten, die zur Familie der Sandelhölzer gehören, sind Schmarotzerpflanzen und leben auf einer Wirtspflanze. Der Sandelduft Indiens stammt vom bis zu 10 m hoch wachsenden ostindischen Sandelholzbaum (chandan).

Zwei Arten von Sandelholz

Das Sandelholz lässt sich in zwei Arten, dem Roten und dem Weißen Sandelholz unterteilen:

Weißes Sandelholz

  • Weißes Sandelholz (santalum album): Das qualitativ hochwertigste weiße Sandelholz kommt aus der Region Mysore und ist zugleich dessen eigentliche Heimat. Er wird in Indien als heilig verehrt und ist dem Gott Shiva geweiht. Das duftende Weiße Sandelholz besitzt eine große Bedeutung im Tantra-Kult und Yoga. Der Sandelholzduft wirkt auf das Basis-Chakra und aktiviert dort die Kundalini-Energie, die das Erwachen der Intelligenz fördern und zur Erleuchtung führen soll. Schon in früher Zeit wurde das ostindische Sandelholz aus Indien nach Ägypten gebracht. Es wurde dort in Mumienbinden gefunden und war auch Bestandteil des berühmten altägyptischen RäucherwerksKyphi“. Beim Verbrennen verströmt diese Art einen samtig-warmen Duft mit einer leicht süßlichen Note.
  • Rotes Sandelholz (santalum rubrum): Diese Art ist ebenfalls in Indien (Malakka) sowie in Burma beheimatet. Zudem wird es schon es sich in der Bibel (1 Könige 10,11-12) erwähnt (siehe Duftstoffe der Bibel). Dabei diente das Holz nicht nur als Duftstoff, sondern auch zum Bau des Tempels sowie zur Herstellung von Harfen und Lyren. Das Rote Sandelholz stammt vom Almug-Baum, ist nahezu geruchlos und gehört einer anderen Pflanzenfamilie, den Schmetterlingsblütlern (fabaceae), an. Aufgrund des enthaltenen roten Farbstoffs Santalin, dient es häufig zum Färben von Lacken, Textilien und Räucherkerzen. Der Duft von verräuchertem roten Sandelholz ist etwas holziger und herber als der seines weißen Pendants.
Hinweis! Inzwischen sind durch Raubbau die Sandelholzreserven erschöpft und die indische Regierung hat einen Ausfuhrstopp für diesen Rohstoff erlassen müssen. Durch diese Verknappung liegt der Preis vom Sandelholzöl bereits über dem vom Rosenöl, es sei denn, man erhält zufällig noch etwas von den älteren billigeren Beständen. Es dauert etwa 25 bis 30 Jahre bis die nächste Generation erntereifer Sandelholzbäume nachgewachsen ist!

Sandelholz räuchern – Bedeutung als Räuchermittel

Rotes Sandelholz

  • Räucherduft

  • Weißes Sandelholz: Beim Räuchern verströmt Sandelholz einen zarten, balsamischen Duft.
    Rotes Sandelholz: Das rote Sandelholz verbreitet beim Verräuchern im Vergleich zu seinem weißen Pendant einen etwas holzigeren und herberen Duft.

  • Wirkung

  • Der Duft von Sandelholz eignet sich besonders gut für Menschen unserer Zeit, die unter Streß und Hektik leiden. Er beruhigt ohne schläfrig zu machen und dringt tief in unser Gefühlsleben ein. Dabei glättet und besänftigt er, wirkt spannungslösend und hilft so, tief in unserem Innern neu Kraft zu schöpfen. Eine Sandelholz-Räucherung lädt unsere Gedanken zu wunderbar erholsamen Duftreisen ein.

  • Räuchermischungen

  • In Räuchermischungen lässt sich das Holz hervorragend mit anderen Räucherstoffen wie u. a. Gewürznelke, Koriander, Muskatnuss, Rose, Salbei, Thuja, Ysop oder Zimt verräuchern.

  • Traditionelle Verwendung

  • Besonders in den östlichen Kulturen wird Sandelholz als heiliger Duft vereehrt und hat hier eine sehr lange Tradition. Sandelholz ist eines der beliebtesten Räucherstoffe und eng mit den altindischen Traditionen des Buddhismus, Hinduismus, sowie des Tantra-und Yoga-Kultes (wird als Aphrodisiakum eingesetzt) verbunden; aber auch die alten Ägypter verwendeten es bereits in ihren „Kyphi“-Räuchermischungen. Sandelholzräucherungen werden auch in der tibetischen Heilkunde benutzt, um vor allem bei seelischer Auszehrung durch zuviel Kopf-und Gedankenarbeit. In der indischen Ayurveda-Medizin wird es zur Kühlung des Nervensystems und zu Reinigung der Atmosphäre eingesetzt. Sandelholzduft schafft eine Atmosphäre des Friedens und unterstützt auf den Weg zur inneren Ruhe und Einkehr. Als Einzelstoff räuchert man das Holz des Sandelbaums, auch königlicher Baum genannt, in Form von Holzchips, Spänen oder Pulver. Für Mischungen eignet sich am besten das Pulver.

Anwendung als Heilmittel

Das zähflüssige, blassgelbe ätherische Öl mit seiner typischen warmen balsamisch-süssen Holz-Note verdankt seine Wirkung im Wesentlichen den beiden Hauptbestandteilen, dem alpha-und beta-Santalol, die bei guten Öl-Qualitäten über 90% der Bestandteile des Öls ausmachen. Diese Santalole zeigen entsprechend japanischer Studien, sowohl eine hormonähnliche,als auch eine psychosomatische Wirkung, vergleichbar dem Neuroleptikum Chlorpromazin. Diese Ergebnisse rechtfertigen den Einsatz des Sandelholzöles bei milden Formen der Depression, bei Schlaflosigkeit und zur Bekämpfung von Ängsten. In der traditionellen indischen Medizin wird das Sandelöl innerlich bei Darmentzündungen mit heftigen Durchfällen wie bei der Ruhr gegeben, aber auch als Antiasthmatikum in Form von Asthmazigaretten. Das Öl löst seelische Verkrampfungen, wirkt euphorisierend und ausgleichend auf die Gemütsverfassung, verleiht Frohsinn und Harmonie. Es ist eines der besten Meditationsöle, kann aber aus Umweltgründen und Verknappung hier durch Weihrauchöl ersetzt werden.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten

Sandelholzöl findet Verwendung in kosmetischen Präparaten für trockene und unreine Haut bzw. in Heilmitteln für Akne und Ekzeme. Desweiteren wirkt es schleimlösend und entzündungshemmend. Deshalb wird es eingesetzt bei Infekten der oberen Luftwege wie Hals- und Rachenbeschwerden. Außerdem wird es angewendet bei Magen- und Darmstörungen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, sowie bei Nieren- und Blasenbeschwerden.

  • Raumluft

In die Duftlampe gibt man ca. 3-4 Tropfen Sandelholzöl. Dieser warme, sinnliche Duft wirkt harmonisierend, löst Verkrampfungen und regt die schöpferischen Fähigkeiten an.

  • Massage

1 bis 3 Tropfen Sandelholzöl vermischt man mit 50 ml (etwa 5 Esslöffel) pflanzlichem Basisöl (z.B. Jojobaöl, Mandelöl, Macadamianussöl usw.) Dieses Massageöl ist zu empfehlen bei Hautproblemen wie bereits unter Anwendung erwähnt, sowie bei Infekten der oberen Luftwege, ferner zur Kräftigung des Allgemeinzustandes durch Einreibung der Solarplexus-Region im Uhrzeigersinn. Bei der Fußreflexzonen-Massage übt es einen positiven Einfluss auf Schwächezustände aus und erhöht die Kraftreserven.

  • Kompressen

1 Esslöffel Honig mit ca. 1-2 Tropfen Sandelholzöl vermischen und in ca. 1/4 Liter Wasser einrühren. Diese Anwendung hat sich bei Akne, unreiner Haut, Ekzemen, Abszessen und Hautschäden bewährt.

  • Vollbäder

2-3 Esslöffel Honig mit ca. 3-6 Tropfen Sandelöl mischen und in das eingelassene Badewasser einrühren. Bei Hautleiden und Harnwegsinfekten (auch als Sitzbad) unterstützt es den Genesungsprozess, da wirkt es kräftigend und stabilisiert das Allgemeinbefinden. Bei Fieber nicht baden!

Während der Schwangerschaft sollte Sandelholzöl generell nur in der Duftlampe und bei Nierenentzündung gar nicht angewendet werden!

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Übersicht der Räucherhölzer

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 221ff., 262.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Himmlische Düfte. Aromatherapie. Anwendung wohlriechender Pflanzenessenzen und ihre Wirkung auf Körper und Seele; München ⁴1990, S. 154ff.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 156f.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 268f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 149f.
  • Morris Edwin T.: Aus der faszinierenden Naturgeschichte des Sandelholzes, In: Dragoco Report 2/1983, S. 40-47.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 145ff.
  • Rätsch, Christian: Weihrauch und Copal. Räucherharze und -hölzer. Ethnobotanik, Rituale und Rezepturen; Baden und München 2004, S. 65f.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 75.
  • Zohary, Michael: Pflanzen der Bibel; Stuttgart 1983, S. 125.