Kalmus-Wurzel (acorus calamus)

Werbung

Was ist Kalmus?

Kalmus – Räucherpflanze

Der Kalmus (acorus calamus), auch Süßrohr genannt, ist eine schilfähnliche, an Sümpfen sowie an Ufern von Flüssen und Gewässern wildwachsende Graspflanze aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae), die eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter erreichen kann. Sie ist ursprünglich in Nordamerika und Ostasien heimisch, heute aber über die ganze Welt verbreitet. Im 16. Jahrhundert wurde die Kalmuspflanze nach Mitteleuropa eingeführt. Das ätherische Öl befindet sich in den Wurzeln (Rhizom). Man geht von den getrockneten, rötlich-weißen, porösweichen Rhizomstücken aus, die von Blattresten und kleinen Wurzelteilen befreit, einer Wasserdampfdestillation unterworfen werden. Aus 50 kg Wurzeln erhält man etwa 1 kg ätherisches Öl. Die Vermehrung der Kalmuspflanze erfolgt vegetativ.

Kulturelle Bedeutung

Kalmus gehört zu den ältesten Heilpflanzen überhaupt. Bereits 3.700 v. Chr. wurde Kalmus in einem chinesischen Kräuterbuch als lebensverlängerndes und bestes Magenmittel gepriesen. Der ägyptische Papyrus Ebers (etwa 1.500 v. Chr.) erwähnt Kalmus als Bestandteil eines Mittels gegen Magenverstimmung und des berühmten Räucherwerks „Kyphi“. Im Gilgamesch-Epos wird er als gottgefällige Mischung zusammen mit Myrrhe und Zedern verbrannt. In der Bibel wird Kalmus unter dem Begriff Gewürzrohr als Duftstoff sechsmal genannt, in Exodus 30, 22 – 23 als wichtiger Bestandteil des heiligen Salböls (siehe Räucherpflanzen in der Bibel). In Indien und Ostasien hat Kalmus eine lange Tradition als Gewürz. Hier wird vor allem die gepulverte Droge selbst, meist in Mischung mit Vanille, Zimt und/oder Muskatnuss verwendet. Kalmus ist auch Bestandteil der Curry-Mischung. Im Himalaja gilt Kalmus als Nerventonikum und wird vielen Räuchermischungen beigefügt. Die nordamerikanischen Prärie-Indianer verwendeten Kalmuswurzel als Allheilmittel und Tonikum. Zusammen mit Zimt war Kalmus Hauptbestandteil der altägyptischen Metopium-Salbe, dem Ägyptium, das in die gesamte antike Welt exportiert wurde. Es war eine Edelsalbe, die wir heute als „Highlife-Creme“ bezeichnen würden.

Kalmus räuchern – Nutzung als Räucherwerk

    Kalmus-Wurzel zum Räuchern

  • Räucherduft

  • Beim Verräuchern verbreitet Kalmus einen herben, aromatischen, scharf-zimtähnlichen Duft, der mit einer orientalischen Note versehen ist. Kalmus galt in der Antike als Symbol für männliche Vitalität und für weltlichen Erfolg. Kalmus kann am besten als Pulver auf Räucherkohle , direkt auf dem Räucherstövchen (auf dem Metallgitter) oder auf einem japanischen Mikablättchen geräuchert werden.

  • Wirkung

  • Kalmus-Räucherungen haben eine beruhigende, geistig aufhellende und stärkende Wirkung. Die Wirkstoffe des Kalmus kräftigen das Nervensystem.

  • Räuchermischungen

  • Da Kalmus allein recht streng riecht, ist es empfehlenswert ihn mit Styrax und Mastix zu räuchern, die ihn mild machen.

  • Traditionelle Verwendung

  • Im Himalaja gilt Kalmuswurzel als Nerventonikum und wird vielen Räuchermischungen beigegeben. In der indischen Ayurveda-Medizin werden Räucherstäbchen aus Kalmus und Benzoe verwendet. Kalmus findet sich auch oft in tibetischen Räuchermischungen, die als Nervenstärkungsmittel und zur Steigerung der meditativen Konzentration verbrannt werden. Außerdem werden hier den medizinischen Räuchermitteln Kalmus zugesetzt, um Nebenwirkungen von stark wirksamen Heilräucherungen zu vermeiden. Die Cheyenne-Indianer benutzen Kalmuswurzel als Räuchermittel bei ihrer Schwitzhüttenzeremonie. Dazu werden Wurzelstücke einfach auf die glühenden Steine in der Schwitzhütte gestreut. Der Rauch soll reinigend und gesundheitsfördernd sein. Medizinisch wird Kalmus bei Kopfschmerzen, Husten und Erkältungen geraucht oder geräuchert.

Medizinische Anwendung von Kalmuswurzel

Die indische Ayurveda-Medizin verwendet das Kalmuswurzelpulver schon seit Jahrhunderten als Schnupfpulver zur Wiederbelebung bei Schock und Koma. Außerdem wird das geröstete Wurzelpulver bei Koliken zusammen mit Öl als Heilmittel äußerlich auf den Bauch aufgetragen. Ebenfalls kennt die ayurvedische Heilkunde Kalmus als verjüngendes und aphrodisisches Mittel.

Werbung

Äußerlich angewandt wirken Präparate aus Kalmuswurzel als milde Hautreizmittel. Tee aus Kalmusrhizom wird aufgrund der entblähenden Wirkung und seinem Bitter- bzw. Gerbstoffgehalt bei nervösen Magenbeschwerden, Blähungen und Appetitmangel empfohlen. Hier ist wegen des möglichen Isoasarongehaltes auf deutsche oder amerikanische Ware, das sind asaronarme Rassen, Wert zu legen. Das sogenannte Beta-Asaron gilt als stark giftige und krebsauslösende Substanz und ist im indischen Kalmusöl bis zu 96 % und im russischen bis zu 70 % enthalten. Deshalb dürfen für Heilzwecke nur asaronarme oder freie Sorten aus diploiden Pflanzen verwendet werden. Für Speisezwecke erlaubt die deutsche Aromenverordnung vom 22.12.1981 eine Konzentration von 1 ml Kalmusöl auf 100 ml Speiseöl. Kalmus wirkt entspannend und kreislaufstärkend.

  • Bäder

Bewährt hat sich die Anwendung von Kalmusbäder bei Erschöpfungszuständen, häufigen Frieren, Blutarmut und Erkältungen. Hierzu löst man 10 bis 15 Tropfen Kalmusöl in etwas Bienenhonig auf ein Wannenbad.

  • Massagen

Die gleiche Wirkung wie ein Kalmusbad hat eine Ganzkörpermassage mit einem Massageöl, welches man durch Mischen von ca. 7 Tropfen Kalmusöl in 50 ml Mandelöl herstellt.

  • Tinktur & Mundwasser

Kalmus-Tinktur oder Mundwässer mit Kalmusöl haben sich zur Heilung von Zahnfleischentzündungen (Einreiben des Zahnfleisches) und Gurgeln bei Rachenentzündungen bewährt.

Werbung

Übersicht der Räucherhölzer & Wurzeln

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 78.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 140f.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 249f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 113.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 91-92.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 72.