Adlerholz / Aloeholz (aquillaria agallocha)

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Was ist Adlerholz?

Beim Adlerholz (aquillaria agallocha), auch Agallocheholz, Agarholz, Agarwood, Aloeholz, Calambac, Jinko, Paradiesholz, Ud, Oud oder Oudh bezeichnet, handelt es sich um das sehr seltene und wertvolle Holz vom Adlerholzbaum bzw. Gharubaum. Dieser gedeiht hauptsächlich in den entlegenen Regenwäldern von Assam, Bhutan, Kambodscha, Indonesien, Laos und seltener in Thailand und Vietnam. Der Baum gehört zu den Seidelbastgewächsen (thymeleaceae). Er war in Indien schon früh bekannt und heißt auf Sanskrit „agar“ und in der Tamilsprache „aghil“. Da seine Äste vom Baum abstanden wie Palmwedel oder Adlerflügel, machten die Portugiesen daraus „aguila“= Adler und nannten ihn Adlerbaum. Zum Räuchern wird das Adlerholz nur dann verwendet, wenn es von Pilzen infiziert wurde. Der Pilzbefall regt die Harzproduktion des Baumes an. Dieses Harz läßt das Holz dann duften. Je harzreicher das Holz ist, um so aromatischer ist der Rauch und um so schwerer wird es. Ein gutes Adlerholz sinkt im Wasser und die Japaner nennen es deshalb sinkendes Holz „Jinkoh“.

Adlerholz gilt als der kostbarste und teuerste Räucherstoff überhaupt! Es gibt verschiedene Qualitäten, alle in gehobenen Preisklassen, mit Preisen bis zu 50.000,- Euro für das Kilogramm bei gut fermentierten Stücken. Die besten Qualitäten haben im Erdreich gelagert und das Aroma hat sich unter Druck über Jahrhunderte oder Jahrtausende entwickeln können.
Ähnlich wie mit dem reinen Holz, verhält es sich auch mit dem aus duftenden Adlerholz destillierten Öl (Ud): Dieses ist wahrscheinlich das wertvollste ätherische Öl der Welt mit einem derzeitigen Marktpreis von 250.000,- Euro pro Kilogramm. Aloeholz heißt auf Hindi „agar“. Von diesem Namen leitet sich das noch heute in Indien gebräuchliche Wort „agarbati“, wörtlich „entzündetes Aloeholz“, ab, das inzwischen zu einem allgemeinen Ausdruck für Räucherstäbchen geworden ist.

Kulturelle Bedeutung

Adlerholz – Aloeholz

Aloeholz wurde schon im Altertum in Indien, Ägypten, Israel und Arabien hochgeschätzt. Es war und ist auch heute noch eines der kostbarsten Räucherstoffe (arabisch „ud“). Meist ist der Duft nur bei sehr alten Bäumen anzutreffen, wo das Holz durch verschiedene Pilze befallen wurde. Der griechische Arzt Dioskurides (1. Jh. n. Chr .) beschreibt es bereits so: „Das Agallochon ist ein aus Indien oder Arabien hergebrachtes Holz, ähnlich dem Thujaholz, gesprenkelt, wohlriechend, beim Kosten etwas zusammenziehend zugleich mit einer gewissen Bitterkeit, mit lederartiger und gefleckter Rinde. Es dient zerkaut und in der Abkochung als Spülwasser zum Wohlgeruch des Mundes, auch ist es ein Parfüm (Streupulver) für den ganzen Körper. Es wird statt des Weihrauch zum Räuchern benutzt.“ (Dioskurides I, 21)

Die größte Bedeutung hat das Adlerholz seit jeher in Japan, wo es als der wichtigste Räucherstoff in Gebrauch ist und sich nicht nur als reines Holz, sondern auch in Form von Räucherstäbchen, Räucherkugeln, Räucherkegeln finden lässt. Nach einer alten Legende wurde ein großes Stück des Holzes im 7. Jahrhundert an die Küste der Insel Awaij (Japan) gespült. Beim Verbrennen verströmte dieses Holzstück einen solch lieblichen Duft, dass Prinz Shōtoku (574 – 622) dem damaligen japanischen Kaiser das Holz vorführte. Jener begeisterte sich dermaßen für den Geruch, dass er seither Adlerholz aus China bzw. Korea importieren ließ.

Das berühmteste Stück Adlerholz heißt „Ranjatai“ und stammt aus Japan. Es wurde von Kaiser Komyo im Jahr 756 n. Chr. dem Tōdai-ji-Tempel in Nara geschenkt, wo es seither im Lagerhaus des Tempels aufbewahrt wird. Dieses Holzstück ist aber mittlerweile Eigentum der königlichen Familie von Japan. An diesem Stück Aloeholz lässt sich zeigen, wie sich der Duft des Holzes im Verlauf der Zeit immer weiter verfeinert.

Die Forscher streiten sich zudem darüber, ob Adlerholz auch in der Bibel Erwähnung fand: Aloeholz ist mit dem „ahloth“ der Hebräer, das im Hohelied 4,14 und im Psalm 44,9 genannt wird, identisch. Bei der biblischen „Aloe“ handelt es sich nicht um die Echte Aloe (Aloe Vera oder Aloe ferox), sondern um das wertvolle Adlerholz. Aber auch in den anderen Kulturen zählt dieses Holz zu den ganz besonderen Kostbarkeiten. So schwärmt in Persien u. a. der berühmte Dichter Sadi für den besonderen Zauber des Duftes. Im Orient gilt Adlerholz bzw. „Ud“ als ein Mysterium, dass die Seele auf ihre höheren Entwicklungsstufen unterstützt und wird an besonderen Feiertagen (z. B. Geburtsfest von Mohammed, Abschluß des Fastenmonats Ramadan) geräuchert.

Adlerholz räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Adlerholz (aquillaria agallocha) als Räucherpflanze

  • Räucherduft

  • Das kostbare Räucherholz wird im Handel meist in ca. drei cm langen Stücken angeboten und in kleinen Splittern verräuchert. Die besseren Qualitäten des Holzes kommen in fast schwarzer Farbe, in Weiß oder Rötlich auf den Markt und stellen unter den Räucherstoffen die größte Seltenheit dar. Das rohe Aloeholz hat nur einen subtilen Wohlgeruch. Wird es verbrannt, entfaltet sich rasch ein köstlicher Duft, der stark an nepalesische Tempel erinnert. Er ist durch eine zarte Feinheit, etwas holzige Frische und leicht süße Fülle charakterisiert. Es ist erstaunlich, dass das nur schwach duftende Holz beim Entzünden eine derart intensive atmosphärische Veränderung und Fülle entfaltet.

  • Wirkung

  • Der Rauch von Adlerholz hat eine die Wahrnehmung schärfende Wirkung. Zudem fördert er Gebet und Meditation.

  • Räuchermischungen

  • Das Holz wird hauptsächlich pur verräuchert. Soll es dennoch Räuchermischungen beigegeben werden, so lässt es sich hervorragend mit Räucherpflanzen wie u. a. Hanf, Klatschmohn, Rhododendron, Sandelholz oder Weihrauch mischen.

  • Traditionelle Verwendung

  • In Arabien wird das kostbare Räucherholz („Oud“ oder „Ud“) auf Märkten angeboten und in kleinen Splittern verräuchert. Die arabischen Frauen stellen sich über das Räuchergefäß und parfümieren mit dem einzigartigen Duft Kleidung und Körper. Man sagt, Sandelholz sei der Duft für Anfänger, Adlerholz der Duft für Kenner.

    Eine große Bedeutung kommt dem Adlerholz in der japanischen Kunst des Koh-Dō („Weg des Räucherns“), wo es fast ausschließlich in der berühmten Räucherzeremonie in unterschiedlichen Qualitäten Verwendung findet. Dabei wird das Holz in Form von kleinen Splittern auf dem Micaplättchen verräuchert. Darüber hinaus ist es in Japan häufig auch Bestandteil in Räucherkugeln und Räucherstäbchen.

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Klassische Duft-Qualitäten von Adlerholz

In Japan unterteilt man das Adlerholz entsprechend seines Ursprunges klassisch in sechs unterschiedliche Qualitätsstufen. Dabei wird es häufig mit den verschiedenen Stufen der alten japanischen Gesellschaft in Zusammenhang gebracht:

Jinkoh (Adlerholz) – Räucherpflanze

  1. Sasora: Diese Sorte stammt ursprünglich aus Assam (Nordindien) und verbreitet einen feinen kühl-saueren Duft. Es soll an den Duft eines Mönches erinnern.
  2. Sumotara: Das Adlerholz dieser Sorte hat seine Herkunft in Sumatra (Indonesien). Beim Verräuchern verströmt sie zu Beginn und am Ende ein saures Aroma, wobei es einen Diener in den Gewändern eines Edelmannes symbolisieren soll.
  3. Manaban: Vermutlich kommt diese Art aus Malabar (Südinden) und verfügt über einen süßlichen Geruch. Mit dieser Sorte wird ein grober Bauer assoziiert. Im Handel ist diese Sorte auch unter dem Namen „Take“ zu bekommen.
  4. Manaka: Diese Sorte hat ihren Ursprung in Malacca (Indonsien/ Malaysia) und verbreitet einen hellen und verführerischen Duft, wobei  sich hier keine der fünf klassischen Eigenschaften (bitter, heiß, salzig, sauer und süß) herausriechen lassen. Das Aroma dieser Art soll symbolisch eine wankelmütige Hofdame abbilden. Im Handel wird diese Holz-Sorte auch unter dem Namen „Matsu“ vertrieben.
  5. Rakoku: Diese Duftqualität stammt aus Thailand bzw. Laos und besitzt ein bitteres und scharf-stechendes Aroma, welches an einen Krieger (Samurai) erinnert. Im Handel ist diese Holz-Sorte auch unter dem Namen „Goku-Hin“ erhältlich.
  6. Kyara: Als bekannteste und edelste Qualität gilt diese Adlerholz-Sorte, die als sanft und würdevoll mit einem Hauch von Bitterkeit beschrieben wird und ihre Herkunft in Vietnam hat. Aufgrund des anmutigen und eleganten Aromas wird mit ihr die Aristokratie assoziiert. Kyara selbst wird noch einmal in die Qualitätsstufen „Gelb“, „Schwarz“, „Grün“ und „Eisen“ unterteilt.

Medizinische Nutzung

  • Das Aloeholz wird in der tibetischen und ayurvedischen Medizin vielseitig verwendet. In Tibet benutzt man es vor allem bei der Behandlung von Geisteskrankheiten und psychischen Störungen (Depressionen). Mit dem Rauch des Holzes werden Krankheitsgeister vertrieben, vor allem um die Traurigkeit des Herzens zu beseitigen. Auf Grundlage von Aloeholz, werden Räucherpulver auf glühende Holzkohlen gestreut und eingeatmet. Dazu gibt es auch spezielle Rezepturen in Form holzloser Räucherstäbchen.
  • In der traditionellen chinesischen Medizin wird pulverisiertes Aloeholz bei Magenschmerzen, Völlegefühl, Brechreiz, Husten, Bronchialasthma, Juckreiz, Gelenkschmerzen und Rheuma eingenommen. Es heißt, Aloeholz würde die Lebenskraft stärken und schmerzlindernd wirken, sowie Kälte vertreiben und das Körperinnere erwärmen.
  • Allgemein besitzt der Rauch des Holzes eine stark beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung. Die Inder benutzen es, um sich in Trance und Versenkung zu versetzen. Es erleichtert den Zugang zu hohen Stufen der Meditation.
  • Diese Ansicht vertreten auch arabische Mystiker, die Sufis. Sie nutzen ebenfalls das Aloeholz und das daraus destillierte ätherische Öl in fortgeschrittenen Stadien spiritueller Entwicklung, um zur liebenden Einheit mit Gott zu gelangen.
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Übersicht der Räucherhölzer

 

Quellen:

  • Duftkunst in Japan, Japan Forum Vol. 143, Februar 2007, abgerufen am 1. Januar 2016.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, S. 167f., 260f.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 126.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 226f.
  • Kinkele, Thomas: Räucherstoffe und Räucherrituale. Kraftvolle Rituale mit duftenden Pflanzenbotschaften. Das Handbuch für die Räucherpraxis; Aitrang ²2003, S. 74f.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 33f.
  • Rätsch, Christian: Weihrauch und Copal. Räucherharze und -hölzer. Ethnobotanik, Rituale und Rezepturen; Baden und München 2004, S. 17f.