Linde (tilia cordata, tilia platyphyllos)

Was ist eine Linde?

Bei Linden (tilia) handelt es sich um eine Gattung von Laubbäumen, die zur Familie der Lindengewächse (tilioideae) innheralb der Malvengewächse (malvaceae) gehören und eine Wuchshöhe von bis zu 30m erreichen können. Die botanische Bezeichung „tilia“ leitet sich ethymologisch vom griechischen Wort „ptilon“ ab, was übersetzt „Flügel“ heißt. Diesen Namen verdanken die Bäume der Form ihrer Blätter. Die deutsche Bezeichnung bezieht sich vermutlich auf „lind“ bzw. „weich“ aufgrund ihres weichen Holzes.

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Zu den am meisten verbreiteten Lindenarten gehören u.a.:

  • Amerikanische Linde (tilia americana)
  • Holländische Linde (tilia × europaea)
  • Silber-Linde (tilia tomentosa)
  • Sommer-Linde (tilia platyphyllos)
  • West-Linde (tilia occidentalis)
  • Winter-Linde / Steinlinde (tilia cordata, tilia parvifolia, tilia ulmifolia)

Linde – Räucherpflanze

In unseren Breitengraden sind besonders die Sommer- und Winterlinde verbreitet. Der Lindenblütenduft zählt zu den schönsten Düften, den die Natur hervorbringt. In den Blüten entfalten die Pflanzen ihre höchste Lebensenergie, um in der Bildung von Frucht und Samen die Erhaltung und Verbreitung der Art zu gewährleisten. Dabei offenbart die Pflanze eine unerschöpfliche Erfindungskraft und Phantasie in der Ausbildung ihrer Blüten in Form, Farbe und Duft, um Insekten zu ihrer Bestäubung anzulocken.

Mit der Blütezeit der Lindenbäume ist der Höhepunkt des Sommers erreicht und die Singvögel stellen ihr „Tageskonzert ein“. Nur von den Amseln hört man am Morgen und Abend noch gelegentlich ein Musizieren. Die Entfaltung in der Natur hat nun ihren Zenit überschritten und nach einer gewissen Zeit der Stagnation im Hochsommer, setzt dann der Herbst mit dem Abbau der Pflanzenkräfte ein. Der Wohlgeruch der Blüten und Blumen verebbt allmählich und es riecht jetzt nach Herbst, nach reifen Obst und welkenden Laub.

Historische Bedeutung

Mythologisch hatte die Linde eine große Bedeutung bei vielen Völkern, angefangen bei den Griechen bis hin nach Skandinavien, wo die Linde als Wohnort von Elfen und Feen galt. Seit alter Zeit gilt der Lindenbaum zudem als Symbol für Fruchtbarkeit und Liebe, was sich auch in etlichen deutschen Volksliedern (z.B. „Am Brunnen vor dem Tore“) niedergeschlagen hat. In vielen Dörfern bildete eine Linde früher den Dorfmittelpunkt, da sie als Schutzbaum vor Dämonen und Unwetter verrehrt wurde.

Linde räuchern – Nutzung als Räucherwerk

Lindenblüten als Räucherwerk

  • Räucherduft

  • Beim Räuchern verbreiten die getrockneten Blüten einen aromatisch-weichen und warmen Duft. Ebenfalls lassen sich das gestrocknete Holz sowie das Laub (Blätter) als Räuchermittel verwenden.

  • Wirkung

  • Der Rauch der Blüten hat eine beruhigende, entspannende und erkältungshemmende Wirkung auf den Menschen.

  • Räuchermischung

  • Linde lässt sich hervorragend zusammen mit anderen Räucherstoffen wie u.a. Bärentraube, Brombeere (Laub), Damiana, Guggul, Labdanum, Linaloe, Styrax, Tonkabohnen oder Ysop räuchern.

  • Traditionelle Verwendung

  • Bereits bei den Germanen und Slawen wurden die Blätter der Linde als Schutzmittel gegen bösen Geistern verräuchert.

Lindenblüten-Duftöl

Neben der Verwendung von Pflanzenteilen der Linden als Räucherwerk wird auch das aus den Lindenblüten extrahierte ätherische Öl vielseitig eingesetzt.

Gewinnung des Lindenblütenduftes

Im vorigen Jahrhundert wurde in Frankreich mittels Butangas ein Lindenblütenöl aus Lindenblüten extrahiert. Die Ausbeute war sehr gering und es konnte nur ein Teilaspekt des Lindenduftes damit wiedergegeben werden. Bessere Ergebnisse erhält man inzwischen durch Kohlendioxid-Extrakte. Diese duften schon sehr naturgetreu, sind aber auch sehr teuer. Um einen natürlichen Lindenduft zu erhalten, hat der Parfümeur die schwierige Aufgabe, falls er auf synthetische Duftstoffe verzichten soll, diesen aus anderen Blumendüften zu reproduzieren. Wie in der Malerei, kann man aus den sogenannten Primärfarben, alle anderen Farben herstellen.

Der Lindenblütenduft ist ein sehr komplexer Duft und kann aus folgenden Naturdüften zusammengemischt werden: Rose, Jasmin, Orangenblüte, Mimose, Ginster, Honig, Ylang Ylang, Heliotrop, Tonka, Kamille, Rosenholz. Hierbei stehen dem Parfümeur Extraktöle (Concretes, Absolues) und ätherische Öle zu Verfügung. Auf diesem Wege erhält man ein natürliches Duftöl. Dieses wird in ein pflanzliches Duftöl eingearbeitet, welches zuvor mit frisch getrockneten Lindenblüten in einem Mazerationsprozess behandelt wurde. Dadurch wird erreicht, dass im Lindenblüten–Duftöl auch die anderen Wirkstoffe der Lindenblüte wie Schleimstoff, Gerbstoff und Farbstoffe (Flavonoide) mit enthalten sind.

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Anwendung des Lindenblüten-Duftöls

Lindenblüten-Duftöl ist ein vorzügliches Hautpflegemittel für die alternde Gesichtshaut, aber ebenso wertvoll für die Ganzkörperpflege als Körperpflegeöl und sollte auf die noch feuchte Haut nach dem Waschen oder Duschen aufgetragen werden. Dadurch erreicht man eine längere Feuchthaltewirkung auf der Haut und somit einen Wellness-Effekt ähnlich von wirkungsvollen kosmetischen Emulsionen. Hautöle erlangen auf dem Kosmetiksektor immer mehr an Bedeutung und waren bereits bei den antiken Völkern als Balsamöle sehr beliebt, wie bei den alten Ägyptern, Babyloniern, Persern und Juden.

Anwendung als Heilmittel

Linde als Heilpflanze

Die gesundheitsfördernde Wirkung des Lindenduftes war bereits in der antiken Welt bekannt. So berichtete der Anthroposoph Rudolf Steiner in einem Vortrag in Dornach über die Lebensanschauungen der Inder, Ägypter, Babylonier und Juden. Diese antiken Völker pflanzten an ihren Begräbnisstätten Linden und Walnuss-bäume, um die schädliche Wirkung dieser Orte auf Luft und Wasser zu beseitigen. Lindenblüten wurden als Heilmittel in der Antike nicht verwendet und auch von den großen Botanikern des Mittelalters nicht erwähnt. Frisch getrocknete Lindenblüten ergeben einen sehr aromatisch schmeckenden Tee, der sich auf Grund seines angenehmen Geschmacks und Duftes zu einer großen Wasseraufnahme und somit zu Schwitzkuren eignet, die sich bei Erkältungskrankheiten, die meist mit Fieber verbunden sind, gut bewährt haben. Ganz offensichtlich stärkt hier der Lindenblütentee die Abwehrkräfte des Körpers und wirkt in besonderem Maße auch schon bei Kindern. So stellten in einer Kinderklinik in Chicago die Ärzte Traismann und Hardy bei einer Studie fest, dass bei Verabreichung von Aspirin mit Lindenblütentee, sowohl Sulfonamide, als auch Penicillin überflüssig machen.

Die Blüten der Sommerlinde sowie die der Winterlinde enthalten Schleim, Gerbstoff, Flavonoide und etwa 0,04% ätherisches Öl, vor allem Farnesol, Geraniol, Eugenol u. a., die den Geruch und Geschmack bedingen.

Die Lindenholzkohle, Carbo medicinalis, war schon vor der Einführung der Tierkohle im 15. Jahrhundert als aufsaugendes Mittel bei Durchfällen, Vergiftungen und bei Fäulnis-erscheinungen im Darm bekannt. Eine entkrampfende Wirkung von pulverisierter Lindenholzkohle im Bereich des Dickdarms ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen.

Aufgrund des Schleimstoffgehaltes und des Duftes von Lindenblüten werden Aufgüsse, Tinkturen und auch Extrakte gern in kosmetischen Präparaten verwendet. Allerdings ist der Duft zu schwach, um den gewünschten Geruch frisch blühender Linden zu erzeugen und es bedarf der Kunst eines Parfümeurs, um dies zu erreichen.

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Übersicht räucherbarer Blüten

 

Quellen:

  • Kinkele, Thomas: Heimische Räucherpflanzen : Räucherduft und Ritual im Jahreslauf / Thomas Kinkele ; Aitrang ³2016, S. 134.