Räuchern mit Paracelsus

Ein herausragender Gelehrter der Renaissance war Paracelsus, der Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker und Philosoph zugleich war. Für ihn diente das Räuchern vorallem als Abwehrmaßnahme von Krankheiten, die er als eine Art den Menschen befallende Dämonen ansah. Aus diesem Grund eigneten sich seiner Meinung nach auch Pflanzen heilendes, vertreibendes Mittel, weil sie ebenfalls lebendig sind, denn in „jeder Pflanze und in jedem Stock wohnt ein Geist inne, der eine große Kraft verbirgt, die von der Materie nur festgehalten werde“.

Durch das Verdampfen beim Räuchern vermitteln Pflanzen den reinigenden Impuls auf der psychischen und seelischen Ebene. Paracelsus bevorzugte dazu in der Regel heimische Pflanzen und prägte den bekannten Spruch: „Einem jeglichen Land wächst seine Krankheit, seine Arznei und sein Arzt selbst“.

Portrait: Paracelsus

Wer war Paracelsus?

Theophrast Bombast von Hohenheim, auch Paracelsus genannt, wurde vermutlich um 1493 oder 1494 in Egg bei Einsiedeln (Kanton Schwyz) geboren. Ab 1509 studierte Paracelsus Medizin und Philosophie an verschiedenen deutschen Universitäten. Anschließend promovierte sich in den Jahren 1513-16 zum Doktor der Medizin und Chirugie an der italienischen Universität Ferrara. Im Jahr 1524 eröffnete er in Salzburg eine ärztliche Praxis und muss 1525 wegen Verwicklungen in den Baueraufstand fliehen. 1526 erwirbt Paracelsus in Straßburg das Bürgerrecht und wird 1527/28 wird Stadtarzt von Basel, wo er auch an der medizinischen Fakultät lehrt. Aufgrund seiner Kritik an Ärzten und Apothekern bekommt er Probleme und muss 1528 ins Elsass flüchten. 1529 siedelt er nach Nürnberg über und veröffentlicht seine Schrift über die Syphilis unter seinem Pseudonym Paracelsus.
In Beratzhausen bei Regensburg vollendet Paracelsus im Jahr 1530 sein „Opus Paragranum“, in dem die vier Säulen der Heilkunst beschrieben werden und die Grundlagen seiner medizinischen und philosophischen Weltanschauung dargelegt werden. Im Jahr 1536 entsteht das Werk „Große Wundartzney“, welches in Augsburg verlegt wird. Ein Jahr später schließt Paracelsus die „Astronomia Magna“ ab, wo er sich von den Dogmen der Konfessionen lossagt. In den Jahren 1538-40 reist umher und verfasst die Schriften „Defensiones“ (Verteidigungen) und „Labyrinthus medicorum errantium“ (Irrwege der Ärzte). Seine letzten theologischen und ethischen Schriften verfasst er 1541 in Salzburg und stirbt um selben Jahr am 24. September.

Räucherwerk nach Paracelsus

In seinen Schriften erwähnt Paracelsus eine ganze Reihe an verschiedenen Räucherstoffen und gibt auch passende Rezepte dazu an. Wir stellen hier die für ihn wichtigsten kurz vor:

Asant / Stinkasant als Räucherwerk

  • Eberwurz (Silberdistel, Kraftwurz): Nach Paracelsus wirkt diese Pflanze stärkend und die Traurigkeit vertreibend. Außerdem soll die Wurzel beim Verräuchern eine aktivierende, energiespendende und potenzsteigernde Wirkung entfalten.
  • Meisterwurz: Als eine der Lieblingspflanzen des Paracelsus gilt die Meisterwurz, die nicht nur Krankheiten vertreiben, sondern auch bei Erschöpfung helfen soll.
  • Melisse / Zitronenmelisse: Paracelsus nannte sie „Lebenselixier“, da sie aktivierend auf Körper und Geist wirkt.
  • Stinkasant (Asa foe-tida, Teufelsdreck): Das wirksamste Abwehrmittel überhaupt ist für ihn Stinkasant, den er in Räucherungen zur Austreibung der Pest, zur Epilepsiediagnostik und zum Vertreiben böser Geister empfahl.
  • Quendel / Thymian:Laut Paracelsus gehört der Quendel zu den Kräutern, die Dämonen und schlechte Einflüsse fernhalten sollen. Außerdem wird der Pflanze eine positive Wirkung auf die Lunge nachgesagt.
  • Weihrauch: Wie viele andere Heilkundige schätzt auch Paracelsus den Weihrauch als Räuchermittel und empfiehlt in zusammen mit anderen Räucherstoffen für Reinigungen, so u.a. in folgendem Rezept: Myrrhe, Opoponax, Schwefel, Stinkasant und Weihrauch zu Pulver verarbeiten und dieses mit Lorbeerblättern sowie zerstoßenem Bernstein mischen. Von dieser Räuchermischung soll stündlich eine haselnussgroße Menge in allen Zimmern verräuchert werden, um schlechte Energien und Geistwesen zu vertreiben.

Neben diesen Räuchermitteln erwähnt Paracelsus in seinen Schriften eine Vielzahl weiterer Räucherstoffe für unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten:

Weitere Räucherstoffe, die er in seinen Schriften genannt hat, sind u.a. Balsame, Bernstein oder Terpentin.

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Quellen:

  • Benzenhöfer, Udo: Studien zum Frühwerk des Paracelsus im Bereich Medizin und Naturkunde; Ulm 2005, S. 113.
  • kinkele-sh.de: Paracelsus-Räucherung, abgerufen am 07. August 2018.
  • Kräutermann, Valentinus: Der Thüringische Theophrastus Paracelsus, Wunder- und Kräuterdoktor, oder der curieuse und vernünftige Zauber-Arzt…; Arnstadt und Leipzig 1730, S. 287.
  • Krüger, Arne: Olibanum, Weihrauch – die göttliche Droge. Ein neues und altes Heilmittel, In: „Der Heilpraktiker & Volksheilkunde“ Nr. 5-7 / 2004.
  • Paracelsus / Leupoldt, ‎Johann Michael / Preu, H. A.: Das System der Medicin des Theophrastus Paracelsus. Aus dessen Schriften ausgezogen und dargestellt; Berlin 1838, S. 243.
  • Rippe, Olaf: Paracelsusmedizin: Altes Wissen in der Heilkunde von heute; Baden und München 2001, S. 44f.
  • Rippe, Olaf: Die 5 Entien des Paracelsus. Über die Ursachen der Krankheiten und die Wege zur Heilung; In: Paracelsus-Magazin, URL: https://www.paracelsus-magazin.ch/paracelsusmedizin/die-5-entien-des-paracelsus-i/ (abgerufen am 07. August 2018).
  • Rippe, Olaf /, Margret: Die Kräuterkunde des Paracelsus: Therapie mit Heilpflanzen nach abendländischer Tradition; Baden und München 2006, S. 195, 396.
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