Räuchern mit Hildegard von Bingen

Hl. Hildegard von Bingen - RäucherwerkDie große Universalgelehrte und Heilkundige Hildegard von Bingen berichtet uns in ihren Schriften von der Anwendung und Wirkung bestimmter Pflanzen und Stoffe als Räuchermittel zum Zweck der Reinigung und Heilung. Dabei steht im Mittelpunkt ihrer Heilkunde immer die Verbindung von Irdischem und Göttlichem sowie das Zusammenwirken von Harmonie, Heilung und Reinigung, was sich auch in der Praxis des Räucherns widerspiegelt. Für Hildegard hat das Räuchern eine wichtige Bedeutung, weil mit bestimmten Pflanzen eine klärende und reinigende (desinfizierende) Wirkung erzielt sowie „böses Gewürm“ und „Geister“ vertrieben werden können. Auch wusste sie von den positiven Effekten beim Verbrennen ausgesuchter Pflanzen bei den unterschiedlichen Krankheitsbildern, die sie in ihren Werken schriftlich festhielt.

Portrait: Heilige Hildegard von Bingen

Wer war Hildegard von Bingen?

Hildegard von Bingen wird im Jahr 1098 als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild in Bermersheim bei Alzey geboren. Die Eltern übergeben das Kind bereits im Alter von acht Jahren der Klausnerin Jutta von Sponheim zur geistlichen Erziehung auf dem Disibodenberg, wo es u.a. in Gesang, Liturgie sowie den „Artes Liberales“ (Arithmetik, Astronomie, Dialektik, Geometrie, Grammatik, Musik und Rhetorik) unterrichtet wird. Im Alter von 15 Jahren legt Hildegard die Ordensgelübde ab und wird Benediktinerin. Nach dem Tod der Jutta von Sponheim wird Hildegard im Alter von 38 Jahren zur geistlichen Mutter ihres Klosters gewählt und etwa vier Jahre später beginnen ihre Visionen. Dabei wird ihre Sehergabe im Vorfeld der päpstlichen Synode von Trier in den Jahren 1147/1148 offiziell durch eine vom Papst eingesetzte Kommission geprüft und bestätigt.
Um 1150 entsteht ihr erstes Werk „Scivias“ („Wisse die Wege“). Außerdem gründet sie im selben Jahr das Kloster Rupertsberg bei Bingen, dessen Kommunität kontinuierlich wächst. Ab diesem Zeitpunkt beginnt auch ihr umfangreicher Briefwechsel mit bedeutenden Persönlichkeiten aus Politik und Kirche wie u.a. mit den Päpsten Eugen III., Anastasius IV., Hadrian IV., und Alexander III., den Erzbischöfen von Köln, Salzburg, Trier und Mainz, sowie Kaiser Barbarossa, König Heinrich II. von England, König Konrad III. oder mit der Kaiserin von Byzanz.
Ihre Werke „Physica“ („Heilkraft der Natur“) und „Causae et curae“ („Ursachen und Behandlungen der Krankheiten“) entstehen in den Jahren 1151-1158 und im Anschluß von 1158-1163 das Buch „Liber vitae meritorum“ („Buch der Lebensverdienste“). Um das Jahr 1165 übernimmt Hildegard das Kloster Eibingen bei Rüdesheim. Ab dem Jahr 1163 beginnt Hildegard dann mit der Arbeit an ihrem letzten Werk „Liber divinorum operum“ („Das Buch der göttlichen Werke“). Hildegard stirbt am 17. September 1179 im Alter von 81 Jahren auf dem Rupertsberg bei Bingen. Sie war Ärztin, Dichterin, Komponistin, Mystikerin und Politikerin gleichermaßen. Am 7. Oktober 2012 wurde sie von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben und offiziell in das Verzeichnis der Heiligen (Heiligenkalender) aufgenommen. Die Reliquien befinden sich in der Pfarrkirche von Eibingen.
Ausführliche Informationen zum Leben und Wirken der hl. Hildegard können hier nachgelesen werden: Hildegard von Bingen – In Gottes Licht.

Räucherwerk nach Hildegard

Die wichtigsten Räucherpflanzen der hl. Hildegard und ihre Anwendungsmöglichkeiten:

Hl. Hildegard von Bingen - Räucherkräuter / Räucherpflanzen

Räucherkräuter / Räucherpflanzen

  • Aloe / Myrrhe: Diese beiden Räucherstoffe empfiehlt Hildegard als Mittel gegen Karies (im Mittelalter als „Zahnwurm“ bezeichnet): Dazu soll Aloe und Myrrhenharz in gleichen Teilen in ein Gefäß aus Ton gegeben werden, das ähnlich wie eine Flasche mit einem engen Hals geformt ist. Anschließend gilt es das Gefäß über glühende Kohlen aus Buchholz zu halten und den aufsteigenden Rauch mittels eines Rohrhalms (mittealterlicher Strohhalm) bei geöffneten Lippen zu dem schmerzenden Zahn hinzuziehen. Dabei sollen die Zähne zusammengebissen werden, damit der Rauch nicht eingeatmet wird. Dieser Vorgang soll mehrmals wiederholt werden.
  • Bertram: Zu den bekanntesten Pflanzen der Hildegard-Medizin zählt sicherlich Bertram, die besonders in ihrer Ernährungslehre als Gewürz zum Einsatz kommt und u.a. bei Angstzuständen, Entzündungen, Kopfschmerzen oder Verdauungsbeschwerden helfen soll. Die pulversierte Bertramwurzel soll beim Verräuchern aber auch eine reinigende und aphrodisierende Wirkung haben.
  • Betonienkraut: Für Abendräucherungen eignet sich nach Hildegard von Bingen hervorragend die Betonie, weil sie schlechte Träume fernhalten soll.
  • Dill / Fenchel: Bei Schnupfen empfiehlt Hildegard eine Kombination aus Dill und Fenchel:
    Dazu wird Fenchel und viermal so viel Dill auf einen Dachziegel oder erwärmten Backstein gelegt und die Kräuter dabei unter Hin und Her drehen zum Verdampfen gebracht. Dabei soll der Dampf durch Nase und Mund eingeatmet und die auf dem Stein erwärmten Kräuter mit Brot gegessen werden. Dieser Vorgang soll an vier bis fünf Tagen wiederholt werden.
  • Farn: Die Heilige erwähnt in ihren Schriften die reinigende Wirkung von Farnen. Mit dem Verräuchern von Farnen könne sogar der Teufel vertrieben werden.
  • Galgant: Eine weitere sehr wichtige Heilpflanze für Hildegard ist Galgant, den sie z.B. bei Bähungen, Durchfall, Gastritis, Magen- und Verdauungsbeschwerden oder Kopf- und Rückenschmerzen empfiehlt. Als Räucherkraut kommt die Galgantwurzel traditionell in Liebesräuchermischungen oder in Schutzräucherungen zum Einsatz.
  • Heilige Hildegard: Liber Divinorum Operum

    Heilige Hildegard: Liber Divinorum Operum

  • Hirschhorn (gerieben): Dieser Substanz kommt laut Hildegard eine klärende und reinigende Wirkung der Atmosphäre zu.
  • Nelken: Das Räuchern von Nelken wirkt nach Hildegard gut gegen Kopfschmerzen.
  • Schwefel: Das Räuchern von Schwefel soll ein gutes Mittel gegen Zauberei sein.
  • Tanne: Eine besondere Bedeutung kommt auch der Tanne zu, denn Geister meiden laut Hildegard Orte, an denen Tannenbäume wachsen. Der Tannenduft hat demnach eine reinigende und stärkende Wirkung.
  • Thymian & Quendel: Eine weitere heilkräftige Räucherpflanze in der Hildegard-Medizin ist der Thymian, den die Heilige als Mittel bei Atemnot, Asthma und Keuchhusten empfohlen wird.
  • Weihrauch: An Weihrauch schätzte Hildegard von Bingen besonders seine „heilende Wärme“ und die positive Wirkung bei überanstrengten Augen und Kopfschmerzen. Dazu empfahl sie das Harz mit Mehl zu mischen und daraus kleine Duftplätzchen zu formen, die im Anschluss an der Sonne getrocknet werden müssen. Dann müsse an den Plätzchen gerochen werden, wobei der Duft heilend auf Augen und Kopf wirken soll.
  • Wermut: Ein weiteres Räuchermittel, welches den Teufel und böse Geister vertreiben soll, ist der Wermut.

Neben den oben erwähnten Räucherpflanzen gibt es eine Vielzahl weiterer Räucherkräuter aus der Klostermedizin der hl. Hildegard wie u.a. Angelikawurzel, Beifuß, Eisenkraut, Lavendel, Rosmarin, Salbei oder Wacholder.

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Quellen:

  • Fischer, Hermann: Münchner Beiträge zur Geschichte und Literatur der Naturwissenschaften und Medizin, Heft 7/8; München 1927.
  • forum-naturheilkunde.de: Räuchern… …die Düfte der Götter, abgerufen am 06. August 2018.
  • Grabner, E.: Der ›Wurm‹ als Krankheitsvorstellung. Süddeutsche und südosteuropäische Beiträge zur allgemeinen Volksmedizin. In: Zeitschrift für deutsche Philologie, Band 81; Berlin 1962, S. 229f.
  • Kleiß, Hannelore: Räuchern zu heiligen Zeiten; Linz 2015.
  • Thoms, Hilde: Der Klostergarten Michaelstein, Michaelstein 1996, S, 85.
Räuchern mit Hildegard von Bingen
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