Kirchenweihrauch / Liturgischer Weihrauch

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Die traditionelle Verwendung des Weihrauchs im Gottesdienst wird von den großen Kirchen wie der römisch-katholischen, den orthodoxen Ostkirche aber auch teilweise in den evangelischen bzw. der anglikanischen Kirche bis in die Gegenwart praktiziert.

Die gottesdienstliche Räucherung ist ein menschliches Symbol des Gebetes: Das rechte Gebet erscheint vor Gott als süßester Duft der Seele, welcher aus dem liebeglühenden Herzen in gerader Richtung und ungehemmt emporsteigt zum Throne der göttlichen Majestät.

Bedeutung des Kirchenweihrauchs

Weihrauch ist ein fester Bestandteil in den kirchlichen Riten und seine Verwendung gehört in jeden feierlichen Gottesdienst, sei es das Hochamt in der katholischen Kirche oder die göttliche Liturgie der Ostkirche.

  • Symbolik von Weihrauch

Kreuz & Rosenkranz

Weihrauch soll dabei besonders die Gegenwart Gottes und dessen Verehrung im liturgischen Geschehen symbolisieren, aber auch ein Zeichen für Reinigung (beim Inzensieren – Beweihräuchern des Priesters, der Gemeinde und ritueller Gegenstände) und Gebet sein.
Der aufsteigende Rauch des verbrennenden Weihrauchs wird traditionell als Ausdruck der Ehrung und Anbetung verstanden. Der eigentliche Akt besteht dabei in der Gebetsstimmung der Seele, die den Akt des Räucherns begleitet und ihm auf diese Weise die Beziehung auf Gott verleiht. So steht Weihrauch in der christlichen Symbolik auch für die vier Formen des Gebets: Bitte, Dank, Fürbitte und Lobpreis. Ebenso erhöht er die Feierlichkeit der gottesdienstlichen Handlungen:

Wie Blumenschmuck und Lichterglanz, wie der Prunk der Paramente und das Rauschen der vollen Orgel sollen auch die Weihrauchwolken, die wallend emporsteigen und den Raum der Kirche mit würzigem Duft erfüllen, die Größe des Festes auch für die Sinne faßbar machen.“ (Jungmann I 410)

Die liturgische Verwendung von Weihrauch unterstreicht zudem die Einheit des Menschen im Hinblick auf Geist, Leib und Seele. Denn im Gottesdienst soll der Mensch als Ganzes mit allen Sinnen (Sehen, Hören und Riechen) angesprochen und aus seiner alltäglichen Welt entrückt werden. Der Weihrauchduft mag aber auch Gedanken zu reinigen und diese zum Gebet verdichten, das zu Gott aufsteigt. Tertullian (150 – 230 n. Chr.) deutet das Aufsteigen von verbrennendem Weihrauch zudem als „geistigen Opferduft“.

  • Wirkung als Sakramentale

In der katholischen Kirche besitzt der Weihrauch den Status einer Sakramentale, also einem Ding oder einer Handlung, die eine geistliche Wirkung bezeichnet. Als solche wird dem Weihrauch eine reinigende Bedeutung zugesprochen. So schreibt Papst Innozenz III hierzu: „Außer den mystischen Gründen wird der Altar auch deswegen beräuchert, damit von ihm alle Bosheit des Teufels weggetrieben werde. Denn man glaubt, dass der Rauch des Weihrauchs die Kraft besitze, die Dämonen zu verscheuchen.“ Ebenso sieht es auch Albertus Magnus: „Aber die ganze Wahrheit ist, dass die bösen Geister den Weihrauch fliehen und dass man Gott besonders damit ehrt.
In einem offiziellen Segnungsgebet der katholischen Kirche für Weihrauch, dass vor einer Kreuzweihe gesprochen wird, heißt es wie folgt:

Segne dieses Geschöpf des Weihrauchs, damit alle Krankheiten, alle Schwächen und die Nachstellungen des bösen Feindes, wenn sie den Geruch des Weihrauchs verspüren, entfliehen und sich trennen von deinem Gebilde, das du mit dem kostbaren Blute deines Sohnes erlöst hast, damit es niemals verletzt möge vom Biß der alten Schlange.

Nach katholischer Auffassung kommt über alle, die den Wohlgeruch des Weihrauchs wahrnehmen und sich der Gnaden des Sakramentales teilhaftig machen wollen der Segen Gottes in Form von Abwehr dämonischer Einflüsse oder in der Vemehrung positiver Gnade.

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Warum wird Weihrauch in der Kirche benutzt?

Das Räuchern von Weihrauchharz im Gottesdienst hat eine Vielzahl von Bedeutungen:

  • als Ausdruck menschlichen Gebetes
  • zur Verehrung und Anbetung Gottes
  • als „geistiges“ Opfer an Gott
  • in früheren Zeiten auch gegen schlechte Gerüche
  • zum Vertreiben des Teufels und von Dämonen
  • zur Schaffung einer heiligen Atmosphäre im Kirchenraum
  • Weihrauchduft steht für die Gottesbegegnung (orientalische Vorstellung)

Rezeptur des liturgischen Weihrauchs

In den verschiedenen Kirchen gibt es eine unterschiedliche Tradition hinsichtlich der Rezepturen:

  • Westkirche (römisch-katholische Kirche)

Kirchenweihrauch – Pontifikal-Mischung

Die Qualität einer Weihrauchmischung, die wirklich angenehm duftet und nicht zum Husten reizt wird allein durch Verwendung eines hochwertigen Weihrauchharzes (Olibanum) erzielt, dem dann noch einige Balsamharze, Rinden, Hölzer (u. a. Sandelholz) und verschiedene Blüten hinzugefügt werden. Das reine Harz entfaltet beim Auflegen auf Räucherkohle seinen unverwechselbaren edlen-süßen Duft, der für eine sakrale Atmosphäre sorgt. In „Ritus und Rubriken der Heiligen Messe“ von Wilhelm Lurz finden sich dazu Hinweise, den reinen Weihrauch durch Beimischung anderer Substanzen zu strecken, um auf diese Weise sein Aroma zu mildern. Denn einige Weihrauchsorten (hier wird im Buch als Beispiel der arabische Weihrauch angeführt) können besonders in kleinen Kapellen und Kirchen unangenehm wirken aufgrund der Schärfe ihres Aromas. Durch den „mäßigen Zusatz“ von weiteren Räucherstoffen wie Storax (Styrax), Benzoe-Harz, Lavendelblüten oder zerkleinerten Wacholdernadeln kann diesem Problem Abhilfe verschaffen werden. Laut dem offiziellen nachtridentinischen Caeremoniale Episcoporum gibt es keine genauen Vorschriften hinsichtlich der Qantität und Beschaffenheit von Weihrauchmischungen. Als Kriterium wird hier nur angeführt, dass der Harzgehalt überwiegen muss: „Materies, quae adhibetur, vel solum et purum thus esse debet suavis odoris vel, si aliqua addantur, ut quantitas thuris longe superet“ (Caer. Ep. I. c. 23 n. 3). Davon ausgehend schreibt der Liturgiker Andreas Schmid im „Caeremoniale für Priester, Leviten, Ministranten und Sänger“, dass als Kirchenweihrauch weder Fichten- noch Kiefernharz, sondern nur die reinen Weihrauchsorten der in Afrika und Indien wachsendenen Weihrauchstauden verwendet werden sollen. Als Zusatz für die Verbreitung von Wohlgeruch könne diesen Sorten dann Mastix, Storax oder Benzoe beigefügt werden. Hinsichtlich des richtigen Mischungsverhältnisses schreibt er, dass auf 4 Pfund Weihrauch etwa 1 Pfund Storax oder 1 Pfund Benzoe kommen.

Eine beliebte Kirchenweihrauch-Mischung in der römisch-katholischen Kirche besteht häufig aus folgenden Ingredenzien:

Eine weitere beliebte Mischung in der katholischen Kirche findet sich in „Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis“ und lautet wie folgt:

Die bekanntesten Räuchermischungen, welche in der katholischen Liturgie Anwendung häufig finden sind:

Kirchenweihrauch (Dreikönige)

  • Dreikönig → Diese Weihrauchmischung wird traditionell zum Hochfest „Erscheinung des Herrn“ (Dreikönige) am 6. Januar vebrannt und besteht aus bunt gefärbten Weihrauchsorten (gelb, schwarz, rot, grün, gold), Myrrhe und Lavendel.
  • Gloria → Zu feierlichen Gottesdiensten wird in der Regel diese Weihrauchmischung verbrannt.
  • Pontifikal → Diese Mischung wird zu feierlichen Pontifikalämtern/ -messen, also bei einem Gottesdienst mit dem Bischof verbrannt. Man erkennt diese Räuchermischung an denen mit schwarzer und goldener Farbe überzogegen Weihrauchkörnern.

Weitere Namen für kirchliche Weihrauchmischungen sind u. a. Angelus, Aurum nero, Edelmischung, Lourdes, Palästina-König oder Vatikan.

Übrigens ist nach einem offiziellen Dekret der Ritenkongregation (Decr. auth. SRC. 3363 vom 7. August 1875) die Verwendung von Räucherkerzen in der katholischen Liturgie als Ersatz für Weihrauch untersagt.

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  • orthodoxe Ostkirchen

Byzantinischer (griechischer) Weihrauch vom Berg Athos

In den Kirchen des Ostens wird traditionell ein vorher zu Teig verarbeiteter Weihrauch verwendet. Die Grundlage für diesen Weihrauch ist aber nicht unbedingt ein Olibanumharz aus dem Jemen oder Somalia, sondern oft auch ein einheimisches Koniferenharz aus Griechenland, in dem Duftextrakte oder ätherische Öle (z. B. Asparagus, Gardenia, Hyazinthe, Nelke, Rose, Thymian, Veilchen, Zitrone, Zypresse), insbesondere aus Blüten (daher auch oft die Bezeichnung „Blütenweihrauch“), eingearbeitet werden. Die Verarbeitung erfolgt in der Regel in Klöstern von Mönchen und Einsiedlern unter Gebet wie z. B. jenen vom Heiligen Berg Athos (autonome Mönchsrepublik bei Griechenland).

Wie wird eine orthodoxe Weihrauchmischung hergestellt?

Die Mönchen produzieren den Weihrauch in Handarbeit nach folgender Anleitung:

  1. Dazu werden zuerst Olibanum-Harzstücke zu Mehl zerkleinert.
  2. Anschließend wird das Weihrauchmehl unter Beigabe von verschiedenen Duftstoffen und oft auch mit einem Farbstoff zu einem Teig angereichert und unter ständigen Gebeten geknetet.
  3. Danach wird der Teig platt gewalzt und grob zugeschnitten. Nach einer kurzen Trockenpause wird der noch nicht ganz hart gewordene Teig nun in kleine Stücke geteilt (ca. 0,5 cm groß) und mit Magnesia (Magnesiumoxid) bestreut, womit ein Zusammenkleben der Weihrauchstücke verhindert wird.

Solcher Weihrauch wird in Griechenland nicht nur in den Kirchen verbrannt, sondern auch daheim im Kreis der Familie sowie vor Ikonen.

 

Übersicht der Räuchermischungen

 

Quellen:

  • Berger, Rupert: Pastoraltheologisches Handlexikon; Freiburg im Breisgau 2013.
  • Braun, Joseph: Liturgisches Handlexikon; Regensburg 1924, S. 369.
  • Eisenhofer, Ludwig, Handbuch der katholischen Liturgik (2 Bände); Freiburg im Breisgau ²1941, Band 2, S. 292-302.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Das Buch vom Räuchern; Aarau (Schweiz) 2009, S. 118.
  • Frerichs, G.,  Arends, G. und Zörnig, H. (Hg): Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis; Berlin 1938, Band II, S. 307.
  • Haas, Renate / Christof, Klaus: Weihrauch: Der Duft des Himmels; Dettelbach 2006, S. 205ff.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 60.
  • Pfeifer, Michael: Der Weihrauch. Geschichte – Bedeutung – Verwendung; Regensburg 1997, S. 47.
  • Lurz, Wilhelm: Ritus und Rubriken der Heiligen Messe; Würzburg ²1941, S. 93.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 217.
  • Schmid, Andreas: Caeremoniale für Priester, Leviten, Ministranten und Sänger; Kempten und München ³1906, S. 125f.
  • Wünsche, Peter: Liturgiewissenschaftliche Perspektiven, In: Kügler, Joachim (Hg.): Die Macht der Nase (SBS 187), Stuttgart 2000, S. 173-191.