Das Rauchopfer

Rauchopfer / Räucheropfer - Räucherwerk im Tempel

Zu den ältesten Räucherpraktiken der Menschheit gehört das Darbringen von Rauchopfern, also das langsame Verbrennen wohlriechender Stoffe zu Kultuszwecken bzw. zu Ehren von Gott, Göttern bzw. Gottheiten, sei es um diese gnädig zu stimmen oder von ihnen bestimmte Gaben bzw. Wünsche zu erbitten. Dabei wurde zumeist der aufsteigende Rauch und weniger der Akt des Verbrennens als die eigentliche Opfergabe an Gott bzw. die Götter verstanden. Eine ähnliche Funktion hatte auch das Darbringen von Tier- und anderen Brandopfern. Nicht nur in der Vergangenheit wurden den Göttern Rauchopfer dargebracht, sondern auch heute noch werden sie in den Tempeln verschiedenster Kulturen und Religionen (u.a. im Hinduismus und Buddhismus) vollzogen.

Entwicklung des Rauchopfers

Das Darbringen von Opfern in Form des Verbrennens bestimmter Pflanzen und Stoffe begleitet die Menschen seit der Entdeckung des Feuers. Bereits in den ganz frühen schamanischen Kulturen sind solche Rauchopfer für Geister und Verstorbene belegt. Auf allen Kontinenten haben Rauchopfer seit vielen Jahrtausenden Verbreitung gefunden, wie ein kurzer Überblick zeigt:

Rauchopfer vor Tempel

Räucheropfer vor Tempel-Eingang

  • Mittelmeerraum: Im Altertum und der Antike wurden im gesamten Mittelmeerraum verschiedensten Göttern nicht nur mit Tier-, Menschen- oder Nahrungsmittelopfern, sondern auch mit dem Rauch von Räucherwerk gehuldigt. Während die Ägypter Weihrauch (galt ihnen als „Schweiß der Götter“) oder spezielle Räuchermischungen wie „Kyphi“ zu Ehren des Sonnengottes Amun-Re, Anubis, Isis, Osiris, Apis oder anderen Göttern verbrannten (meistens dreimal täglich), brachten Griechen und Römer große Mengen an Räucherstoffen wie Weihrauch und Myrrhe zu Ehren von Zeus, Aphrodite, Dionysios und etlichen weiteren Gottheiten in ihren Tempeln dar.
    Im Judentum wurden Räucheropfer im Zuge der 40jährigen Wüstenwanderung des Volkes Israel zum festen Bestandteil des jüdischen Kultus, denn Mose wurden in dieser Zeit von Gott genaue Anweisungen zum Bau eines Räucheraltars und zum Darbringen von Rauchopfern übermittelt. Während des späteren Tempelkultes wurde täglich morgens und abends Räucherwerk auf dem Rauchopferaltar (stand rechts vom Tempel-Eingang) Gottes verbrannt.
  • Nordeuropa: Von den Kelten ist überliefert, dass sie nach ihrer Seßhaftwerdung Hausaltäre besaßen, auf denen die Druiden (keltische Priester) u.a. auch Rauchopfer darbrachten. Die Germanen räucherten hingegen, wenn sie Kontakt zu ihren Ahnengeistern herstellen wollten. Mit der Christianisierung Europas wurde Räucherwerk dann ausschließlich in der kirchlichen Liturgie als Ausdruck des Gebets, des Opfers und zur Ehrung Gottes verbrannt.

    Exkurs: Das Rauchopfer im Christentum

    Messopfer im Christentum (katholische Kirche)

    Messopfer im Christentum

    Nach christlicher Auffassung hat Jesus Christus als einziger Hohepriester und Gottes Sohn durch seinen freiwilligen Tod am Kreuz das allumfassende Opfer zur Erlösung der Menschen von ihren Sünden dargebracht. Alle Opfer des Alten Bundes (Bund zwischen Gott und dem Volk Israel) verweisen bereits auf dieses Opfer und finden in ihm ihre Vollendung, einschließlich der bis dahin dargebrachten Rauchopfer im jüdischen Kult. Alle weiteren Opfer werden auf diese Weise überflüssig. Im kirchlichen Gottesdienst (im Teil der Opfermesse bzw. Eucharistiefeier) wird das universale Kreuzesopfer Gottes immer wieder aufs Neue gegenwärtig gesetzt durch die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi. Der Priester vollzieht am Altar nach kirchlichem Verständnis dieses so genannte „Messopfer“ nicht als er selbst, sondern ist in diesem Moment der Hohepriester Jesus Christus (fungiert quasi als Werkzeug Gottes), an dessen Priestertum er aufgrund seiner Priesterweihe – begründet durch die fortlaufende Weitergabe der Weihe von den Aposteln bis heute – Anteil erhalten hat. Das Verbrennen von Weihrauch in der christlichen Liturgie ist somit nicht als wirkliches Opfer zu verstehen, sondern wird nur als ein Verweis auf das einzige Opfer Jesu Christi und zu dessen Ehre verbrannt. Deshalb spricht der Priester auch folgende Segensworte über den Weihrauch: „Ab illo benedicaris in cuius honore cremaberis – Mögest du von dem gesegnet werden, zu dessen Verehrung du verbrannt wirst!

    In den letzten Jahren hat zudem in Nordeuropa eine Rückbesinnung auf alte Traditionen der Kelten, Germanen und Slawen eingesetzt, die sich besonders in der Wiederbelebung heidnischer Feste, Rituale und Brauchtum bemerkbar macht, wie z.B. der Winter- und Sommersonnenwende (Mittwinter bzw. Mittsommer), der Rauhnächte, der Walpurgisnacht, dem Schnitterfest, Samhain (Halloween), des Frühjahrs- und Herbstäquinoktium (Ostara bzw. Erntedankfest) sowie einer Vielzahl weiterer paganer Traditionen. Die alten Völker Nordeuropas feierten aber nicht nur Feste zu wichtigen Ereignissen im Jahreskreis, sondern verehrten auch die Naturkräfte und Gestirne als Gottheiten, denen sie verschiedene Opfer darbrachten. Sie glaubten an eine beseelte Natur bzw. an eine unsichtbare, sie umgebende Geisterwelt, in die auch sie nach ihrem Tod gelangen würden. Diese alten Götter erfahren auch heute wieder eine zunehmenden Verehrung, was sich u.a. im Vollzug des Räucherns als ritueller Opferhandlung zu Ehren von Ostara, Brigid, Wotan, Thor, Freya usw. ausdrückt.

  • Naher Osten: Das Darbringen von Rauchopfern war auch in den alten Hochkulturen der Babylonier, Assyrer, Perser, Meder und Chaldäer weit verbreitet, die damit ihre Götter wie Bel (Baal) gnädig stimmten.
    Ebenso werden bis heute in den Tempeln des persischen Zoroastrismus- bzw. Zarathustrismus-Kultes von den Priestern fünfmal am Tag Räucherstoffe auf den Altären verbrannt.
  • Rauchopfer im Tempel mit Räucherstäbchen

  • Asien: Im Hinduismus Indiens wird schon seit Jahrtausenden unterschiedliches Räucherwerk als Opfer zu Ehren der Götter wie u.a. Brahma, Indra, Vishnu, Krishna oder Shiva verbrannt. Für diese Räucheropfer, die in der Regel mehrmals täglich in den Tempeln vollzogen werden, gibt es in den Veden (heilige Schriften) ausführliche Anweisungen. Ebenfalls sind im indischen Buddhismus Räucherungen als Opfer zu Ehren der buddhistischen Gottheiten verbreitet. Auch der tibetische Lamaismus kennt Rauchopfer für die Halbgötter (so genannte „Disa“), um diese zu ernähren. Im alten China wurde Räucherwerk zu Beschwörungen von Geistern bzw. Göttern in den Tempeln verräuchert. Zudem war es Brauch, dass man Räucherstäbchen in Weihrauchkesseln morgens und abends als Opfer entzündete.
  • Amerika: Während die indigenen Hochkulturen der Mayas, Azteken, Inkas und Mixteken besonders Harze wie Copal zur Verehrung ihrer Götter verbrannten, räucherten die Schamanen der nordamerikanischen Indianderstämme zur Kontaktaufnahme mit der Geisterwelt als Opfer zu Ehren von Manitu (Großen Geist).
  • Afrika: In den verschiedenen Stammeskulturen Afrikas ist das Vollziehen von Rauchopfern für Ahnen und Geister durch die Medizinmänner ebenfalls verbreitet.
  • Australien: Auch die Aborigines im australischen Outback nutzen bestimmte Räucherstoffe (besonders kristallines Eukalyptus-Harz) ebenfalls zur Kontaktaufnahme mit ihren Ahnen und Geistern.
Das Buch vom Räuchern
Berk ST-114 Räucher-Zubehör - Momi - Specksteinschale, 12 cm, schwarz

Beliebte Räucherstoffe fürs Rauchopfer

Hier exemplarisch einige der bekanntesten Räucherstoffe, die traditionell für Rauchopfer verwendet wurden bzw. werden:

 

Jetzt bewerten!
(Gesamt: 1 / Durchschnitt: 5)