Ayurvedisches Räuchern & Räucherwerk

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Als Ayurveda (bzw. Ayurweda) wird eine traditionelle indische Lehre bezeichnet, die bis in unsere Tage in Indien, Nepal und Sri Lanka eine weite Verbreitung hat und ein Teil des alten vedischen Wissens darstellt. Die Veden sind bereits viele Jahrtausende alt und entstanden schon vor der indischen Kultur. Bei Ayurveda handelt es sich konkret um ein medizinisches System, das vermutlich schon 5000 v. Chr. entstanden ist. Dabei gründen die Ayurveda-Therapien zumeist auf komplexen pflanzlichen Verbindungen, Mineralien sowie metallischen Substanzen. Im Zentrum der aryuvedischen Lehre steht die Auffassung, das Leben als eine Einheit von Körper, Sinnen, Verstand und Seele zu betrachten. Als Hauptbestandteile der Ayurveda-Lehre gelten gemeinhin eine Ernährungslehre, Massagen, Pflanzenheilkunde, Reinigungstechniken sowie Yoga. Der Name „Ayurveda“ hat seinen Ursprung im Sanskrit (आयुर्वेद → āyurveda) und bedeutet übersetzt „Wissen vom Leben“.

In der ayurvedischen Lehre bilden Räucherungen einen wichtigen Bestandteil zur Reinigung der Atmosphäre im Leben von menschlichen Gemeinschaften.

Agnihotra – Ayurvedisches Räucherritual

Ghee – Ayurvedisches Räucherwerk

Die ayurvedische Räucherzeremonie ist das Agnihotra und wurde bereits in den Veden beschrieben. Es handelt sich um ein Feuer, das in einer Pyramide aus Kupfer zum Zwecke der Reinigung entfacht wird. In diesem Reinigungsfeuer werden unter Rezitation von Mantras Ghee, Kuhdung und Naturreis verbrannt. Die Kupferpyramide verfügt über spezielle Maße. Das Ritual wird traditionell an Sonnenaufgang und Sonnenuntergang durchgeführt. In früheren Zeiten war es nur den Priestern vorbehalten dieses Ritual auszuführen. Die entstandene Asche wird häufig als Medizin für Mensch, Tier und Pflanze weiterverwendet.

Ayurvedische Räucherstoffe

Welche Substanzen werden traditionell im Ayurveda geräuchert?

Kuhdung – Räuchermittel im Ayurveda

  • Anantamul, Indisches Sarsaparilla, Lemongras (hemidesmus indicus)
  • Benzoe (styracaceae)
  • Bodhi-Holz (ficus religiosa)
  • Drachenblut (daemonorops draco, draconis resina)
  • Ghee (reines Öl der Butter von Kühen)
  • Guggul (commiphora mukul)
  • Ingwer (zingiber officinale)
  • Kampfer (cinnamomum camphora)
  • Koriander (coriandrum sativum)
  • Kuhdung (getrocknet)
  • Muskatnuss (myristica fragrans)
  • Neem (azadirachta indica)
  • Nelke (caryophylli flos)
  • Patchouli (pogostemon cablin)
  • Pfefferkörner (piper nigrum)
  • Pushkara (Kostus)
  • Reis (Naturreis, Vollkornreis)
  • Sandelholz (lignum santalinum)
  • Tulsi, Tulasi (indisches Basilikum)

Im Laufe der Jahrtausende sind zudem eine Vielzahl ayurvedischer Räuchermischungen entstanden.

Ayurvedische Medizin

Nach der ayurvedischen Lehre hängen Gesundheit und Krankheit mit einem ausgeglichenen Gleichgewicht des Ganzen und seiner Bestandteile zusammen, wobei für ein Ungleichgewicht sowohl innere als auch äußere Einflüsse verantwortlich sein können. Zur Vermeidung von Erkrankungen, werden die Auslöser erforscht und mittels Ernährung und einer gesunden Lebensweise versucht diese zu meiden. Daneben gibt es u. a. die hier im Westen bekannten Öl- und Pulvermassagen und das Panchakarma (fünfteiliges Reinigungsprogramm), um Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

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Die aryuvedische Medizin setzt zudem das Räuchern als Behandlungsmethode für Atemwegserkranknungen, gegen Kopfschmerzen oder bei psychischen Leiden ein. In diesem Kontext werden sie auch als Wohlgerüche und Reinigungsmittel für die Luft im Raum des Erkrankten verwendet, weil sie für eine gute Atmosphäre sorgen und desinfizierend wirken.

 

Räucherwerk in Kultur & Religion

 

Quellen:

  • Berk, Susanne: Einfach Räuchern. Anwendung, Wirkung und Rituale; Burgrain 2016, S. 98ff.
  • Berk, Ulrich: Räuchern – Die Karten. Die wichtigsten Räucherstoffe und ihre Anwendung auf einen Blick; Grafing ²2010.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Das Buch vom Räuchern; Aarau (Schweiz) 2009, S. 170ff.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 48f.