Koh-Dō-Zeremonie – Räucherritual

Kirschblüte – Mandelblüte – Japanische Zierkirsche

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Was ist Koh-Dō (Kōdō)?

Bei der Kunst des Koh-Dō bzw. Kōdō (auch „Weg des Räucherns“ genannt) handelt es sich um eine Form des Zen, wo es darum geht, sich anhand des Geruchsinns bewußt und zugleich meditativ in die Gegenwart, das Hier und Jetzt, zu versenken, um die Wachheit des Geistes zu schulen und am Ende die Erfahrung der Erleuchtung machen zu können. Weitere solche Ausfaltungen bzw. Übungen sind das Bogenschießen (Kyū-Dō), die Blumensteck-Kunst (Ikebana bzw. Ka-Dō), die Kalligraphie (Sho-Dō) oder die berühmte Teezeremonie (Cha-Dō bzw. Sa-Dō). Ebenso zählt auch die die Philosophie des Bushi-Dō (Weg des Kriegers) zu diesen Formen. Alle diese Disziplinen sind letztlich Übungen, um sich auf die Gegenwart, den Augenblick zu konzentrieren.

Die zehn Koh-Tugenden

Ein japanischer Zen-Mönch fasste im 16. Jahrhundert die Eigenschaften des Koh (Räucherwerk) in zehn Sätzen wie folgt zusammen:

  1. Räuchermittel helfen bei der Verbindung zum Transzendenten.
  2. Räucherwerk hilft bei der Reinigung von Körper, Geist und Seele.
  3. Räuchermittel haben eine reinigende Wirkung auf die Umgebung.
  4. Räucherwerk fördert die Achtsamkeit der Sinne.
  5. Räuchermittel begleiten in einsamen Zeiten.
  6. Räucherwerk sorgt für Augenblicke des Friedens und der Ruhe in der alltäglichen Hektik.
  7. Man wird sich des Räucherwerks niemals überdrüssig, auch wenn viel verwendet wird.
  8. Bereits geringe Mengen an Räuchermitteln stellen uns zufrieden.
  9. Bei langer Lagerung büßt das Räuchwerk nichts von seinem Duft und seiner Wirkung ein.
  10. Die tägliche Benutzung von Räuchermitteln schadet nicht.

Utensilien zur Koh-Dō-Zeremonie

Für den Ablauf der Zeremonie werden unterschiedliche Ritualgegenstände benötigt.

Koh-Do-Zeremonie – Zubehör

  • Räucherbecher / Räucherschale
  • Mica-Plättchen: Ein solches Plättchen (etwa 2 cm Durchmesser) ist mineralischer Herkunft (Silikatmineral) und hat den Zweck, das Duftholz vor einem zu schnellen Verglühen zu schützen. In vergangener Zeit nutzte man statt der Mica-Plättchen dünne Keramikplättchen oder Plättchen aus Perlmutt und Silber. Micaplättchen werden in Japan bereits seit Jahrhunderten als Schutz verwendet, um den kostbaren Duft der Aromahölzer nicht zu zerstören.
  • japanische Räucherkohle
  • Reisstrohasche
  • Zeremoniebesteck:
    • Asche-Presse: Um die Asche fest zu drücken.
    • Federpinsel: Zur Säuberung des Becherrandes.
    • Holzstäbchen: Zur Bedienung der Räucherstoffe.
    • Kleiner Löffel: Für die Platzierung der Räuchermittel.
    • Metallstäbchen (Spatel): Zur Bedienung der glühenden Räucherkohle.
    • Zange aus Silber: Hiermit wird das Mica-Plättchen waagerecht auf die Asche gelegt.
  • Zum Räucherduft-Spiel gehören zudem noch Spieß, Stern und Klammer.
  • Aromahölzer (Adlerholz (Jinkoh), Sandelholz etc.)

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Arten von japanischem Räucherwerk finden sich zudem in einem gesonderten Beitrag: Räucherwerk aus Japan …

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Vorbereitung

  • Allgemeine Hinweise

Adlerholz (Jinkoh)

Die Vorbereitung des Rituals, insbesondere jener der Räucherschale ist von großer Wichtigkeit für das Gelingen der Zeremonie.

Genau wie in der Zen-Meditation ist es vonnöten jegliche Ablenkung zu vermeiden. Deshalb ist aus dem Raum, in dem die Koh-Dō-Zeremonie abgehalten werden soll, alles zu entfernen, was hierbei zur Ablenkung dienen könnte. Es ist empfehlenswert einen weiß gestrichenen Raum zu wählen, in dem nur wenige Möbelstücke stehen und wenig Schmuck verwendet wurde. Ebenfalls sind alle Teilnehmer angehalten vor der Zeremonie keine stark riechende Nahrung (z. B. Knoblauch, Zwiebeln etc.) einzunehmen. Das gilt natürlich auch für die Verwendung von Kosmetik (Duschgel, Haarspray, Parfüm, Rasierwasser Shampoo etc.), auf die zu diesem Anlass möglichst verzichtet werden sollte.

Zudem gibt es für fortgeschrittene Teilnehmer eine genau vorgeschriebene Atemtechnik (nana soku), die eine Reihenfolge von sieben Zügen umfasst.

  • Räucherbecher vorbereiten

Der Räucherbecher mit dem Räucherwerk wird traditionell vom Zeremonienmeister wie folgt vorbereitet:

  • Schritt 1: Zuerst wird der Räucherbecher (Räucherschale) zu Dreiviertel mit Asche befüllt.
  • Schritt 2: Danach entzündet man ein Stück japanische Räucherkohle (Zeremonialkohle) und lässt diese durchglühen.
  • Schritt 3: Jetzt wird die glühende Kohle in die Mitte der Räucherschale gesetzt (mit Hilfe der Metallstäbchen), wobei die Kohle leicht in die Asche eingedrückt wird.

  • Schritt 4: Anschließend wird die glühende Räucherkohle mit Asche bedeckt. Dazu wird die Asche in Form eines Kegels mit der Asche-Presse rund um die Kohle festgedrückt.
  • Schritt 5: Jetzt gilt es den Rand des Räucherbechers mit Hilfe einer Feder bzw. Federpinsels von der daneben gefallenen Asche zu säubern.
  • Schritt 6: Mit Hilfe des Metallstäbchen wird nun in der Mitte des Kegels ein Luftloch zur Kohle geformt (etwa 1 cm tief).

  • Schritt 7: Danach wird das Micaplättchen mit einer Pinzette bzw. Zange vorsichtig auf die Spitze des Aschekegels gelegt, das die glühende Kohle nicht berühren darf.
  • Schritt 8: Zum Schluß wird ein winziges Stück Aromaholz (Adlerholz (Jinkoh) oder Sandelholz) mit Hilfe von zwei Stäbchen oder einem kleinen Löffelchen auf das Micaplättchen gelegt. Jetzt ist der Räucherbecher für die Koh-Dō-Zeremonie vorbereitet.

Anleitung zum richtigen Präparieren des Räucherbechers für die Koh-Dō-Zeremonie als Video:

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Wie läuft die Koh-Dō-Zeremonie ab?

Die ganze Zeremonie, die in der Regel zwischen acht bis zehn Gäste hat (plus dem Zeremonienmeister, zumeist mit einem Gehilfen), dauert ungefähr die Dauer einer Stunde. Während des gesamten Spielverlaufs wird geschwiegen, weshalb der Meister zu Anfang kurz den Ablauf erläutert. Nach der Einleitung durch den Zeremonienmeister und des Präparierens des Räucherbechers (siehe oben) beginnt das eigentliche Ritual:

Japanische Koh-Dō-Zeremonie

  1. Nachdem das Aromaholz auf das Micaplättchen gelegt wurde, wird die Räucherschale von einem Teilnehmer zum nächsten weitergereicht (im Uhrzeigersinn). Dabei legt man die Schale jeweils vor dem Nachbarn am Boden ab. Das Aufnehmen des Bechers geschieht in folgender Weise: Die Räucherschale wird mit der rechten Hand in Höhe der Brust auf die linke Handinnenfläche gestellt. Die rechte Hand fasst um den Becher, wobei Daumen und Zeigefinger die Becheröffnung umspannen (Becher sollte dabei leicht bedeckt sein).
  2. Jetzt wird die Schale zur Nase geführt und der Duft dabei tief und langsam eingeatmet („Lauschen des Duftes“), wobei hier die oben erwähnte Atemtechnik zum Einsatz kommen kann. Das Ausatmen erfolgt etwas abgewandt von der Räucherschale. Wenn der Teilnehmer 2-3mal eingeatmet hat, reicht er die Schale an seinen Nachbarn weiter.
  3. Sofern Aufzeichnungen zu den einzelnen Düften gemacht werden, können diese jetzt von den Teilnehmern vorgenommen werden. Danach werden die Blätter vom Gehilfen einsammelt.
  4. Sobald eine Runde beendet ist, wechselt der Zeremonienmeister das Aromaholz aus. Dazu hebt er das Micaplättchen samt Aromaholz mit Hilfe der Zange heraus. Anschließend legt der Meister das Micaplättchen wieder mit der Zange auf die Asche und platziert mit Hilfe des Löffels ein neues Stück Aromaholz auf dem Plättchen.
  5. Wenn die Zeremonie beendet ist, wird die Räuchekohle vom Meister mit Hilfe der Metallstäbchen aus der Asche gehoben. Anschließend wird die Schale mit Wasser gelöscht, wobei die Asche wiederverwendet werden kann.

 

Räucherwerk in Kultur & Religion

 

Quellen: