Räucherwerk in Asien (Ferner Osten)


Ein kulturelles Zentrum für Räucherwerk ist Asien bzw. der Ferne Osten. Im Laufe der Jahrtausende haben sich die Menschen hier umfangreiche Kenntnisse im Umgang mit Räucherwerk angeeignet und große Räucherkulturen in Indien, China, Japan sowie den angrenzenden Ländern entwickelt.
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Indien

  • Hinduismus

Räucherwerk im Fernen Osten (Räucherholz)

In den Zeremonien des hinduistischen Indien werden seit Jahrtausenden die unterschiedlichsten Räucherstoffe als Opfer zu Ehren der Götter verbrannt. Nach der Bhagadvagita entspricht der Gott Indra dem „Wohlgeruch der Erde“. Die Räucheropfer, die in den Tempeln von Brahma, Vishnu, Krishna oder Shiva mehrmals täglich dargebracht werden, sind in den Veden (heilige Schriften) mit ausführlichen Anweisungen versehen: Demzufolge mussten die Opfergaben aus duftenden Hölzern bestehen, die in einem Feuer verbrannt wurden, das an allen vier Himmelsrichtungen entzündet wurde. Anschließend wurde den Flammen in Abständen heiliges Öl beigegeben und um das Feuer ein wohlduftendes Kraut namens Kusa gestreut. Darüberhinaus brachten die Hindus solche Rauchopfer nicht nur im Gottesdienst dar, sondern auch um die Götter bei besonderen Anlässen gnädig zu stimmen. Solche Rituale wurden nicht nur in Tempeln, sondern auch in heiligen Hainen abgehalten. Der aufsteigende Rauch des Räucherwerks galt hier gemeinhin als Nahrungsmittel der Götter.

Bei den Hochzeiten der Hindus brennt unter einem Pendal (Baldachin) ein heiliges Feuer (Oman). Dieses wird aufrechterhalten durch Hineinwerfen von erlesenem Räucherwerk wie Sandelholz, Räucherharzen, duftenden Ölen und weiteren aromatisch duftenden Substanzen.

Ebenfalls werden bei hinduistischen Begräbnissen, bei denen die Toten auf Scheiterhäufen verbrannt wurden, dem Feuer wohlriechende Harze und Hölzer beigegeben. Während der vorangehenden Totenzeremonie wird vor die Füße des Toten (sobald ihm die Augen geschlossen wurden) eine Räucherpfanne gestellt, die mit einer Räuchermischung namens Ood (bestehend aus Benzoe, Aloe, Sandelholz, Patchouli und anderen Substanzen) gefüllt ist. Diese Mischung wird auch in allen anderen Zeremonien verbrannt. Allerdings gibt beim Räuchern von den unterschiedlichen Räucherstoffen Unterschiede hinsichtlich der Kaste. So war z. B. Sandelholz nur den Heiligen vorbehalten. Die Verwendung von Räucherwerk bei den Totenzeremonien soll dem Verstorbenen den Weg ins Nirwana zu finden sowie die Wiedergeburt erleichtern. Zudem ist es hilfreich, um den Leichengeruch zu überdecken.

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  • Buddhismus

Statue von Buddha

Im Buddhismus sind Räucherungen als Opfer für die buddhistischen Götter ebenfalls weit verbreitet. Außerdem dient es bei der Rezitation der Sutren, bei den Niederwerfungen sowie in der Versenkung als ein die Andachten und Meditationen vertiefendes Hilfsmittel. Aber auch zum Vertreiben von lästigen Insekten wurden bestimmte Räuchermischungen verwendet (► Räuchern gegen Insekten). Den Mahayana-Sutren zufolge sind die Räucherdüfte ein Symbol für die Worte Buddhas, die durch die Welt schweifen und Menschen von Verwirrung und Leid erlösen.

Besonders in den Zeremonien des Mahayana- und Theravada-Buddhismus hatte Räucherwerk früher eine sehr wichtige Bedeutung. So hießen in Indien die buddhistischen Tempel auch bezeichnenderweise „gandhakuti“, was übersetzt „Haus des Räucherwerks“ heißt. Ein Boddhisattva wurde mit „duftender König“ oder „duftender Elefant“ angesprochen und die Heimat der Glückseligen war „gandhamadana“, also der „Berg des Räucherwerks“.

Als wichtigste Räucherstoff für die Inder ist seit alters her das Sandelholz mit einem feinen Duft, welches sowohl pur als auch in Mischungen verräuchert wurde und wird. Der Baum wird seit etwa 3.000 Jahren als königlicher Baum verrehrt. Besonders im Buddhismus wurde das Holz geschätzt und zu unterschiedlichen Zwecken verräuchert wie u. a. zum Vertreiben schlechter Geister oder zum Abbau des schlechten Karmas.

  • Kamasutra & Aryuveda

Eine besondere Verwendung erfährt das Räucherwerk im Kamasutra, der Liebeskunst Indiens: Neben der Anwendung von Dufstoffen als Mittel zu Einreibungen und Massagen, ist es bei indischen Frauen üblich sich vor dem Akt unter zu Hilfenahme von brennendem Räucherwerk zu parfümieren.

Ebenfalls spielt das Räuchern im Ayurveda eine bedeutende Rolle und wird sowohl für atmosphärische Reinigungen als auch bei Erkrankungen eingesetzt. Mehr Informationen zum Räuchern nach der Ayurveda-Lehre erfahren Sie in unserem Beitrag „Ayurvedisches Räuchern & Räucherwerk“.
Rezepte für ayurvedische Räuchermischungen finden Sie zudem hier.

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  • Indisches Räucherwerk

Über die Jahrtausende hat sich in Indien, auch als „Mutter aller Düfte“ bezeichnet, ein Vielzahl an Räucherwerk und Räucherstoffen herausgebildet:

  1. Räucherstäbchen: Die traditonellen indischen Räucherstäbchen sind mit Duftstoffen wie u. a. Benzoe, Patchouli, Sandelholz oder Vetiver bestehen. Als neutrales Bindemittel dient häufig Gummi Arabicum. In indische Räucherstäbchen werden zudem Brennstoffe (Salpeter, Kohlenstaub) hineingearbeitet, die ein gleichmäßiges Abbrennen gewährleisten.
  2. Räucherkegel: Diese Kegel sind zumeist aus Sandelholz, Weihrauch und anderen Räucherstoffen.
  3. Räucherstoffe: Beliebte Räucherpflanzen sind außerdem Anantmul, Guggul-Harz oder indischer Weihrauch (boswellia serrata, boswellia carterii).

Folgendes Video zeigt das Abbrennen eines indisches Räucherstäbchen auf einem dafür vorgesehenen Stäbchenhalter.

Tibet

Ebenfalls ist das Verbrennen von Räucherwerk in Tibet üblich. Hier räucherte man besonders Wacholder (da die Gummiharze in diesen Regionen nicht so verbreitet waren), entweder in einer dafür vorgesehenen Räucherpfanne oder aber auf einem riesigen Altar, der Song-Boom genannt wurde. An dessen Spitze befand sich eine Öffnung (ähnlich wie bei einem Kalkofen).

  • Bedeutung im Lamaismus und Buddhismus

Räucherstoffe spielen im tibetischen Lamaismus eine sehr wichtige Rolle: So opfert man den Halbgöttern (so genannte „Disa“), um diese zu ernähren. Man glaubt dabei, dass die Gestalt von Insekten annehmen und Blumen sowie weitere Quellen von Düften umfliegen.

Zudem kommt dem Weihrauch in buddhistischen Zeremonien bei der Initiation von neuen Mönchen und dem Vertreiben von Krankheiten und bösen Geistern eine entsprechende Bedeutung zu.

Die Weihrauchgefäße und Räucherstäbchen in buddhistischen Heiligtümern und Tempeln brennen ohne Unterlaß und dürfen niemals erlöschen. Die Asche wird im gesammelt und in medizinischen Präparaten verarbeitet, da man ihr große Heilwirkung zuspricht.

Bereits seit vielen Jahrtausenden wird im Himalayaraum gerräuchert und es hat sich so im Laufe der Zeit eine eigene Räucherkultur mit vielen eigenen Räucherstoffen und Formen von Räucherwerk entwickelt:

  1. Räucherstäbchen: Die traditonellen Räucherstäbchen sind mit Duftstoffen wie u. a. Nagi, Safran, Sandelholz parfümiert. Tibetische Räucherstäbchen werden in der Regel ohne Stützholz hergestellt.
  2. Räucherpulver / Räuchermischungen: Diese werden zumeist für Heilungszeremonien aus heilkräftigen Räucherpflanzen hergestellt.
  3. Räucherstoffe: Beliebte Räucherpflanzen sind zudem Gokul (Himalayazeder), Jatamansi, Maidal Traumnüsse, Nagarmotha-Wurzel (indisches Nussgras), Pushkarmoola, Sal-Harz (auch Tibetischer Weihrauch, Raal Weihrauch), Sugandha Kokila, Tejpatblätter  und Wacholder.

Nepal

Ebenfalls ist das Räuchern auch im benachbarten Nepal weit verbreitet und verfügt über eine sehr lange Tradition.

  • Bedeutung im Schamanismus

Die nepalesischen Schamanen praktizieren das Räuchern in ihren Ritualen u. a. zur Unterstützung ihrer Reisen in die nicht sichtbare Welt oder in Heilungszeremonien. Dazu werden die Räucherpflanzen auch nach ganz bestimmten Regeln gepflückt. Auch verwenden die Nepalesen Räucherstoffe um sich vor Zauberei zu schützen oder um ihren Göttern und Geistern zu opfern.

  • Nepalesisches Räucherwerk

Auch in Nepal gibt es verschiedene Arten von Räucherwerk:

  1. Räucherschnüre: Eine lange Tradition haben in Nepal so genannte Räucherschnüre, die aus Seidelbastpapier von Schamanen und Mönchen hergestellt werden. Diese werden in der Regel mit Räucherstoffen wie u. a. Kampfer und Sandelholz parfümiert. Mehr zu den Räucherschnüren …
  2. Räuchermischungen: Diese Mischungen bestehen aus unterschiedlichen Harzen, Hölzern und Kräutern. Dabei gibt es Räuchermischungen, deren Rezepte seit vielen Generationen von den Schamanen weitergegeben wurden wie z. B. Bokshi Dhoop, Deva Dhoop, Lata Kasturi oder Maha Dhoop.
  3. Räucherstoffe: Beliebte nepalesische Räucherstoffe, die auch häufig in den obigen Mischungen zum Einsatz kommen, sind u. a. Akashbeli, Asafoetida (Teufelsdreck), Gokul (Himalayazeder), Hochgebirgswacholder, Jatamansi, Maidal Traumnüsse, Raute, Rotsandelholz, Schwefel oder Tamala Zimt.

Bhutan

Ein weiteres Land im Himalaya-Gebirge, das seit Jahrtausenden das Räuchern praktiziert, ist das Königreich Buthan. Es ist zwischen Indien und Tibet gelegen und verfügt über eine sehr lange buddhistische Tradition, die im Verlauf der Zeit verschiedenes Räucherwerk hervorgebracht hat. So werden bhutanesische Räuchermittel streng auf der Basis alter Vorschriften (z. B. Konstellation des Mondes und der Sterne) und Rezepturen von den Mönchen in Handarbeit produziert. Hierbei hat sich besonders die Tradition in der Herstellung von Räucherstäbchen etabliert, die dann in den Tempeln zu Gebet und Meditation verräuchert werden.

China

Im alten Chang-an (China) werden Räucherstoffe seit frühester Zeit verwendet. So ist nachgewiesen, dass die Chinesen schon vor rund 3500 v. Chr. Hanf verräuchert haben. Dieser wurde wohl zu magischen und divintaorischen Ritualen gebraucht. In China hat sich die berühmte Redewendung eingebürgert „dem Räucherwerk zu lauschen“ (chines. „wengxiang“). Diese geht vermutlich auf eine alte schamanische Orakeltechnik zurück, bei der aus dem Rauch Vorhersagen getroffen wurden. Räucherstoffe (u. a. Harze, Hölzer, Rinden, Samen oder Früchte) wurden zudem seit frühester Zeit zur Überdeckung des Gestanks auf den Altären bei tierischen und menschlichen Brandopfern sowie als Schutz vor Dämonen in Schreinen verbrannt. Später kam mit der Entwicklung einer höfischen Kultur und dem Ausbau der Handelsrouten wie der Seidenstraße auch viele exotische Räuchermittel (u. a. Sandelholz oder Cassiarinde) ins Land und man begann harmonische Mischungen zu kreieren, die häufig zur Verehrung der Ahnen und Götter verräuchert wurden.

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  • Bedeutung & Wirkung von Räucherwerk

Räucherkessel aus China

In den verschiedenen Religionen und Weltanschauungen der Chinesen, die im Laufe der Zeit abwechselten oder parallel herrschten, war die Verwendung von Räucherwerk mal schwächer und mal stärker ausgeprägt. Die großen Weisen Chinas wussten über die Wirkung von Räucherwerk jedenfalls gut Bescheid, was teilweise aufgrund ihrer Äußerungen schriftlich überliefert wurde.

Taoismus

In den religiösen Zeremonien des Taoismus bzw. Daoismus (begründet durch Laotse) hatte Räucherwerk Hochkoniunktur. Die Chinesen benutzten es sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Rahmen und verbrannten es in Form von Räucherstäbchen (Wan heang) und Flitterpapier (Yuen paou). Zu jeglicher Zeremonie wie der Anrufung von Ahnen, als Schutz zum Fernhalten von bösen Geistern, als Nahrung für Geister und Feen, für Erfolg und Glück, bei Meditationen etc. wurde Räucherwerk verbrannt. Besonders Räuchersubstanzen wie u. a. Basilikum, Cassia, Elemi, Jasmin, Kampfer, Kiefer, Moschus, Wacholder oder Zeder waren sehr beliebt.

Konfuzianismus

Dem großen Konfuzius werden die Worte in den Mund gelegt, dass Räucherwerk schlechte Gerüche parfümiere. Die Chinesen räucherten, um einerseits ihre Götter anzurufen oder diese zu besänftigen. Andererseits um negative Energien zu vertreiben und um eine gute Atmosphäre in ihren Häusern und Tempeln zu schaffen. Aber auch für den nichtrituellen privaten Gebrauch fand Räucherwerk in China unter der Aristokratie breiten Anklang (u. a. zur Beduftung von Kleidern und Wohnräumen). Eine wichtige Bedeutung kam dem Räucherwerk bei magischen Ritualen sowie beim noch heute gebräuchlichen I-Ging-Orakel zu.

Buddhismus

Ab etwa 150 v. Chr. breitete sich auch in China zunehmend der Buddhismus aus. Die Mönche brachten dabei auch eigenes buddhistisches Räucherwerk mit, das sie bei Meditation, Studium der Schriften sowie aufgrund ästhetischer Gesichtspunkte räucherten. Bodhidarma, der Begründer des Zen-Buddhismus soll gesagt haben, dass duftendes Räucherwerk von Verunreinigungen, Unwissenheit und bösen Taten reinige, sofern der Mensch selbst aktiv wird und den geistigen Weg (Dharma) beschreitet.

  • Räucherrituale im alten China

In den chinesischen Tempeln wurden Räuchermittel in der sechsmal täglich stattfindenden Tempelzeremonie mit dem Ziel der spirituellen Reinigung verbrannt, was von eigens für diesen Zweck ausgebildeten Meistern und deren Assistenten durchgeführt wurde. Außerdem wurde zu Beschwörungen von Geistern/Göttern, Exorzismen und magischen Ritualen gerräuchert. Es war auch Brauch, dass man Räucherstäbchen in elegant geformten Weihrauchkesseln morgens und abends als Opfer entzündete. Im öffentlichen Kult war es bspw. in Peking üblich, dass man in der Zeremonienhalle (Ti-vang-mia-o) Räucherstoffe zum Andenken an die verstorbenen Kaiser in zwölf riesigen Urnen verbrannte. Ebenfalls verbrannten die Mandarine Räucherwerk vor dem amtierenden Monarchen, wenn sie zur Audienz geladen wurden. War der Kaiser nicht anwesend, so erwies man dennoch seinem leeren Thron die Reverenz durch ein solches Räucherzeremonie. Zu Gedenken an den großen Konfuzius veranstaltete man ihm zu Ehren einmal im Jahr ein ähnliches Ritual.

In den chinesischen Bestattungsritualen, wird in dem Raum, wo der Verstorbene liegt ein Portrait des Toten über dem dort stehenden Weihrauchkessel aufgehangen.

  • Räucherwerk als Heilmittel

Die Chinesen verwendeten Räucherwerk auch für Heilzwecke: Sowohl in den daoistischen Heilmethoden als auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) galten die unterschiedlichen Räucherstoffe als Heilmittel, die durch ihren Duft eine positive Wirkung auf Körper und Geist hatten. Hierzu waren besonders Pflanzen wie u. a. Basilikum, Beifuss, Elemiharz, Kalmus, Kampfer, Thuja, Wacholder oder Zimt beliebt.

  • Chinesisches Räucherwerk

Über die vielen Jahrtausende hinweg und dem wechselvollen Gang verschiedener philosophischer und religiöser Systeme ist in China eine Räucherkultur entstanden, die unterschiedliche Arten von Räuchermitteln hervorgebracht hat:

  1. Räucherstäbchen: Die Räucherstäbchen haben in China bereits eine lange Vergangenheit und wurden wohl von buddhistischen Mönchen erfunden. Chinesische Räucherstäbchen werden traditionell ohne Stützholz hergestellt. Mehr zu Räucherstäbchen …
  2. Räucherspiralen: Diese Form von Räuchermittel, die ähnlich wie Nudeln im Teigverfahren hergestellt wird, hat im Reich der Mitte ebenfalls eine sehr lange Tradition. Mehr zu Räucherspiralen …
  3. Räucherstoffe: Beliebte Räucherpflanzen, die auch heute vielfach verwendet werden sind zudem u. a. Basilikum, Beifuss, Elemiharz, Jasmin, Kalmus, Kampfer, Thuja, Wacholder oder Zimt beliebt.

Vietnam

Besonders in Südvietnam war es früher Tradition, dass Fischer, die zum Fang hinausfuhren, vorher durch ein Rauchopfer die Götter des Wassers gnädig zu stimmen versuchten, indem sie aromatische und geweihte Hölzer auf ihren Altären verbrannten, die sie aus groben Steinen errichtet hatten.

Japan


Über eine Tradition hinsichtlich des Räucherns verfügt auch Japan. Diese wurde von in erster Linie von den Chinesen übernommen (besonders die Techniken zur Herstellung) und über die Jahrhunderte hinweg immer mehr verfeinert. Allerdings existiert auch eine sehr alte japanische überlieferung, die bereits 10.000 Jahre als sein soll und die sich im Weihrauchfest „Kajeki“ wiederspiegelt. Dort verbrannte man duftenden Hölzer und Harze mit dem Zweck des Weissagens. Das japanische Räucherwerk, das auch als „Koh“ (bzw. Kō) bezeichnet wird, gehört zu dem edelsten weltweit. Auch heute ist das Räuchern in Japan noch weit verbreitet (u. a. Ahnenkult, Opferungen auf Hausaltären, in Tempeln, auf Wallfahrten) in Verbindung mit dem Glauben, dass der Rauch die Götter auf die aufsteigenden Gebete aufmerksam macht und schlechte Geister fernhält.

  • buddhistische Einflüsse

Statue der Vorsehung mit Räucherkessel

Eingeführt wurde die japanische Räucherkultur aber hauptsächlich von buddhistischen Mönchen (vor allem der chinesische Mönch Ganjin soll sich hier verdient gemacht haben) um das 6. Jhrdt. n. Chr., die Räuchermittel als Hilfsmittel zur Vertiefung von Andachten (z. B. beim Rezitieren der Sutren) und Meditationen verbrannten. Ebenfalls gebrauchten sie Räucherwerk zu religiösen Zeremonien wie der Initiation neuer Mönche oder auch bei Begräbnisfeiern. Mit dem Aufstieg des Buddhismus zur bevorzugten Religion des Kaisers verbreitete sich das Räuchern ab dem 8. Jahrhundert auch am Hof und in der japanischen Oberschicht (Adel). Die Entwicklung der Popularität von Räucherwerk beim japanischen Adel kommt besonders in einem Werk aus der Heian-Epoche zum Ausdruck, dass die berühmte Geschichte des Prinzen Genji enthält. Darin finden sich zudem auch Anleitungen zum Gebrauch von Räucherwerk sowie Rezepte zu dessen Herstellung (u. a. für Takimono-Räucherduftkugeln). Vorallem das Mischen von exquisiten Düften kam zu dieser Zeit immer stärker in Mode. Auch heute gehört die Verwendung von einer Vielzahl an Räucherwerk zu den Bestattungszeremonien der Japaner (neben dem Verlesen der Sutren durch buddhistische Mönche). Während der häuslichen Aufbahrung der Toten wird mehrmals täglich am Sarg Räucherwerk als Schutz vor bösen Dämonen verbrannt.

  • Soradaki – Räuchern als Vergnügen

Im Zuge dieser teilweisen Profanisierung des Räucherwerks (als „Soradaki“, „Soradake“ oder „Soradakimono“ bezeichnet → übersetzt: „leeres“ bzw. „nutzloses“ Räuchern) enstanden zur Heian-Zeit in Japan zahlreiche Wettkämpfe, Duft-Spiele und andere Anwendungsmöglichkeiten von Räucherwerk unter den Adligen wie u. a. das Ausräuchern von privaten Räumen für den Besuch von Gästen („Takimono“), das Beduften von Gewändern mit eigenen Räuchermischungen („Utsuriga“) oder Erraten von Personen anhand ihres Duftes („Oikazen“). Beim Takimono handelte es sich um Räucherkugeln (ähnlich wie Nerikoh), die aus puderförmigen Weihrauch und Bindemitteln (Nektar) bestanden. Takimono wurde mit der Zeit in die folgenden sechs Duft-Themen („Mususa no Takimono“ → Takimono-Sechser) eingeteilt: Baika, Jijhu, Kikka, Kurokata, Niyou sowie Ochiba. Hieraus entwickelten sich immer mehr Wettkämpfe mit dem Zweck z. B. einzelne Duftstoffe an ihrem Geruch zu erkennen oder die wohlriechendste Räuchermischung zu kredenzen, für die es dann einen Preis gab. Solche Duft-Wettkämpfe, bei denen Mischungen aus zuvor gesammelten Dufthölzern (kōboku) hergestellt wurden, bezeichnete man als „Takimono-awase“ (übersetzt: „Duft mischend“), wobei neben dem Duft und dem Thema einer Mischung auch der literarische Hintergrund in die Bewertung mit einfloß. Das Verräuchern natürlicher Räucherstoffe entwickelte sich in der darauffolgenden Zeit zum sogenannten „kō-awase“ (Koh-awase → übersetzt: „Räucherwerk-Mischen“), ein Wettkampf zum Erraten und Mischen von Räucherdüften, aus der dann die Koh-Dō-Zeremonie hervorging.
Unter Soradaki wird heute jene Methode des Räucherns bezeichnet, die weniger rituell ausgeprägt ist und wo besonders der Genuß von Düften im Vordergrund steht. Meistens wird sie zum Beduften von kleinen Räumen angewandt.

  • monkō (bzw. Mon-Koh)

Bei Mon-Koh handelt es sich um eine Methode des Räucherns, die während der traditionellen Koh-Dō-Zeremonie zelebriert wird. Diese besondere Art des Räucherns wurde entwickelt, um den Duft von Aromahölzern wie Adler- oder Sandelholz vollends zu genießen.
Der Ausdruck „Duft hören“ (kō o kiku bzw. monkō (japanisch: 聞香)), der zur Heian-Zeit für das Räuchern aufkam, nimmt übrigens Bezug auf die buddistische Sutra-Passage, wo das Wort Buddhas, auf das man hören sollte, mit köstlichem Duft verglichen wird.

  • Sonae-Koh – religiöses Räuchern

Religiöses Räuchern zu Ehren Buddhas bezeichneten die Japaner übrigens als „Sonae-Koh“. Auch noch heutzutage kommt dem Weihrauch und anderem Räucherwerk in buddhistischen Ritualen zur Einweihung von neuen Mönchen und dem Austreiben von Krankheiten und schlechten Geistern eine gewisse Bedeutung zu.

  • Kunst des Koh-Dō (bzw. Kōdō)

Jinkoh (Adlerholz)

Wie in vielen anderen Kulturen haben sich auch in Japan Rituale und Zeremonien rund um das Räuchern gebildet. Ähnlich der weithin bekannten Teezeremonie gibt es auch eine japanische Räucherzeremonie, welche Koh-Dō-Zeremonie heißt (wird auch als „Weg des Räucherns“ bezeichnet) und die im 14. Jhrdt. n. Chr. entstand (Muromachi-Zeit). Die wettkampfartige Zeremonie, die sich in Japan bis heute erhalten hat, wurde zur Kunst erhoben und zumeist von einem Zen-Meister geleitet, wobei sie anfangs nur von hohen adligen Familien veranstaltet wurden. Erst in der in der Edo-Ära (17. Jahrhundert) verbreitete sich die Kunst des Koh-Dō auch beim Volk. Der Zeitpunkt der Übernahme dieser vormals aristokratischen Räucherzeremonien durch das Volk gilt gemeinhin als Höhepunkt der japanischen Räucherkultur.

Zwei große Schulen haben sich im Laufe der Zeit herausgebildet und sich bis heute erhalten haben:

  • Oie-ryu: wurde von Adligen der kaiserlichen Familie gegründet → Koh-Do wird hier traditionell mehr als Gesellschaftspiel verstanden. Gegründet wurde die Schule von Sanetaka Sanjonishi, der auch als Mitbegründer des Koh-Do gilt.
  • Shino-ryu: von dem Samurais begründet → Schwerpunkt liegt traditionell auf Förmlichkeiten und Manieren

Während des Koh-Dō-Rituals „lauschen“ der Räucherwerkmeister und seine Gäste in absoluter Stille gemeinsam dem „Klang des Duftes“. Bei dem Ritual sollen die Teilnehmer zudem erkennen, welche Düfte verbrannt werden (es werden in der Regel zwischen 5 bis 10 verschiedene Räucherwerke herumgerreicht). Die meditative Zeremonie steht in engem Zusammenhang mit dem Zen. Ob z. B. beim Tee, dem Bogenschießen oder aber eben beim Räuchern (Koh-Dō-Zeremonie), alles ist durch die Philosophie und Praxis des Zen inspiriert. Nach dieser Philosophie entspringt der Gebrauch des Räucherwerks dem meditativen Geist und die spirituelle Erfahrung beim Räuchern nannten die Japaner „Yugen“ (beschreibt einen tiefen Zustand des Geistes). Das Ziel derartiger Rituale ist das Leermachen des menschlichen Geistes sowie dessen Vervollkommnung mit Hilfe der Erleuchtung (satori bzw. bodhi).

  • Kumi-kō (bzw. Kumikoh)

Als das Koh-Dō in seiner vollen Blüte stand, entwickelten sich neben den festen Zeremonien auch neue Spiele und Wettbewerbe, bei denen dem Sieger sogar Preisgelder und andere Gewinne winkten. Zudem brachte diese Zeit auch reiches Kunsthandwerk (z. B. Spielbretter und Kästchen aus Elfenbein, Lack oder Silber) hervor. Bei den neu entstandenen Duftspielen war es das Ziel, verschiedenste Qualitäten von Adlerholz anhand ihres Duftes richtig zu erraten. Daraus entwickelte sich ein neuer Stil des Koh-Dō (japanisch: 香道, übersetzt: „Weg des Duftes“), nämlich das Kumi-kō (japanisch: 組香, übersetzt: „Gruppen-Düfte“), ein Oberbegriff für unterschiedliche Duftspiele. Bei dieser Art von Spielen wurde das Erraten von Düften mit Brettspielen (z.B. ein Pferderennen-Brettspiel verbunden mit dem Erkennen von Düften (keiba-kō → „Pferderennen-Duft“)) kombiniert. Häufig wurde zudem mit Hilfe von mehreren Duftaromen ein poetisches oder literarisches Thema erzählt.

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  • Genij-kō

52 Symbole → „genji-mon“ / „genji-koh“

Sehr beliebt war in Japan über lange Zeit hinweg die Genji-ko Zeremonie, die sich an den Vorgaben des Rituals der 54-bändigen epischen Novelle über die Geschichte vom Prinzen Genji (Genji monogatari) ausrichtete, die wohl um das Jahr 1020 n. Chr. von der Hofdame Murasaki Shikibu (958 – 1030 n. Chr.) verfasst wurde. Die Novelle bietet neben dem Bericht über das Leben und die Liebesaffären des Prinzen Genji einen Einblick in die höfische Kultur der Kaiserstadt Kyoto zur Zeit der Heinach-Epoche (ca. 700 – 1150 n. Chr.) und beschreibt besondern die damaligen Gesellschaftsspiele der Adligen, so auch das Räuchern und Räucherwettbewerbe.

Beim Genji-ko bzw. Genji-Mon (japanisch: 源氏香) handelt es sich um eine Variante des Kumi-ko, die sich an der Beschreibung dieses Spiels in der Geschichte des Prinzen Genji orientiert. Hierbei verteilt der Spielleiter 25 verschiedene Düfte in unterschiedlichen Kombinationen auf fünf Gefäße (á fünf Düfte), die dann als Mischung verräuchert werden. Die Spieler müssen nun die identischen Düfte herauszufinden und auf einem Blatt Papier notieren. Das geschieht, indem die einzelnen Duftstoffe jeweils in Form einer senkrechten Linie (zu á fünf Linien für die Gefäße) gezeichnet werden. Sind nun zwei oder mehrere Duftstoffe gleich, so werden diese mit einem waagerechten Strich untereinander verbunden dargestellt. Dadurch entstehen 52 verschiedene Strichmuster-Möglichkeiten, von denen sich jede auf einen Band der Geschichte des Prinzen Genji beziehen lässt (außer Band 1 und 54). Zum jeweiligen Muster wird nun noch der entsprechende Name des Bandes zugeordnet und als Kalligraphie mittels Pinsel und Tusche auf Papier gezeichnet.

  • Verschiedene Formen von japanischem Räucherwerk

Folgende unterschiedliche Arten von Räucherwerk sind in Japan traditionell verbreitet:

  1. jinkō (bzw. Jinkoh): Bei dieser Form handelt sich um das berühmte Adlerholz, einer sehr seltenen Holzart. Mehr zum Adlerholz …
  2. nerikō (bzw. Nerikoh): Darunter werden kleine Duftkugeln verstanden, die in Japan ein beliebtes Räuchermittel sind.
  3. shōkō (bzw. Shokoh): Hierbei handelt es sich um Granulatmischungen. Mehr zur Shokoh-Räuchermischung …
  4. senkō: Japanische Räucherstäbchen ohne Stützholz.
  5. ensuikō: Diese Art bezeichnet in Form gepresste Räucherkerzen bzw. Räucherkegel.
  6. inkō bzw. Inkoh: Gepresstes Räucherwerk (Duftplättchen), zumeist in Form von Räucherblüten. Weitere Infos zum japanischem Räucherwerk finden Sie hier …

 

Räucherwerk in Kultur & Religion

 

Quellen:

  • die-dunkle-dimension.de: Das Räuchern. Räuchern und Magie, abgerufen am 1. Januar 2016.
  • Duftkunst in Japan, Japan Forum Vol. 143, Februar 2007, abgerufen am 1. Januar 2016.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, 217-259.
  • Haas, Renate / Christof, Klaus: Weihrauch: Der Duft des Himmels; Dettelbach 2006, S. 192-202.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 45-49.
  • Krumm-Heller, Arnold: Osmologische Heilkunde. Die Magie der Duftstoffe; Berlin 1955, S. 17.
  • Morris Edwin T.: Patchouli – Faszination eines Duftes, In: Dragoco Report 5/1983, S. 128-133.
  • Nippon Kodo | Die Kultur des Weihrauchs | Die Weihrauch-Zeremonie, abgerufen am 15. Juni 2016.
  • Rimmel Eugene: Magie der Düfte. Die klassische Geschichte des Parfüms; Stuttgart 1993, S. 171-189.
  • Schwarz, Aljoscha A. / Schweppe Ronald P.: Natürlich heilen mit Weihrauch; München 1998, S. 15.
  • teeweg.de: Genji-Mon / Genji-Kô, abgerufen am 1. Januar 2016.
  • Wollner, Fred: Duftender Rauch für die Seele. Vom praktischen Umgang mit Räucherwerk; München 1998, S. 112-123.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 21-32.