Räucherwerk im alten Rom

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Bereits in der vorrömischen Zeit wurde in Italien Räucherwerk verbrannt. So belegen schon archäologische Funde (Räucherwerkständer, Räucherwerk als Grabbeigabe) von den Etruskern die Verwendung von Räuchermitteln. Im alten Rom, das im Jahr 753 v. Chr. gegründet wurde, war die Verwendung von Räucherwerk in großem Stil verbreitet. Es wird davon ausgegangen, dass solches ab dem 3. Jhrdt. v. Chr. verwendet wurde. Anfangs verbrannte man Räucherstoffe wie Lorbeer, Pinie, Rosmarin, Salbei, Thymian, Wacholder oder Zypresse, später kamen mit der kuturellen Weiterentwicklung und den Eroberungen auch Weihrauch, Myrrhe, Labdanum, Storax, Safran, Galbanum, Narde, Kalmus, Kardamom, Zyperngras und eine Reihe weiterer Stoffe hinzu. Viele ihrer Zeremonien und Geräte (z. B. das „acerra“ oder das „turibulum“) adaptierten die Römer von den Griechen, die sie als Vorbilder ansahen.

Bedeutung von Räucherwerk im antiken Rom

Truhe für Räucherwerk (Acerra)

Die Römer glaubten mit dem Verbrennen von Räucherwerk die Götter gnädig zu stimmen und bei ihnen die Erfüllung bestimmter Anliegen zu erwirken. Zudem gingen sie davon aus, dass die Götter den Duftrauch der Opfer als Nahrung bräuchten. Zusammen mit dem Räucherwerk wurde auch Wein als Opfergabe ins Feuer gegossen, was sich im Laufe der Zeit zum so genannten Voropfer entwickelte. Es wurde sowohl auf den Altären für die Hausgötter (Laren und Penaten), als auch bei öffentlichen Gottesdiensten (zu Ehren der Götter und vergöttlichten Personen wie dem Kaiser) und bei festlichen Ereignissen (z. B. Triumphzügen → pompa triumphalis) als Zeichen göttlicher Gegenwart geräuchert. Ähnlich zum Aphrodite-Kult in Griechenland wurde in Rom der Venus (Pendant zur Aphrodite) häufig Weihrauch geopfert, um Zuneignung bei der bzw. bei dem Geliebten zu erlangen. Venus galt zudem auch als eine Göttin der Wohlgerüche. Ebenfalls wurde besonders Weihrauch zur Übertünchung schlechter Gerüche verbrannt wie bei den Spielen im römischen Kolosseum, um den fürchterlichen Gestank der Tierkadaver zu lindern. Ebenfalls war es bei den Römern allgemein üblich Weihrauch bei Leichenbegräbnissen in Unmengen zu verbrennen, was einerseits der Vermeidung des Leichengeruchs und andererseits dem Vertreiben schlechter Geister diente (ein Brauch, den die Römer von den Etruskern übernommen hatten). Um das Jahr 450 v. Chr. wurde das Mitführen von „Acerrae“ (Räucherwerkbehälter) sogar per Gesetz verboten, um auf diese Weise den Verbrauch von Räucherstoffen auf Beerdigungen stark einzuschränken.

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Republikanische Zeit

Räucheraltar im antiken Rom

Als Rom Republik wurde ging man dahin über die alten vorgeschriebenen Opfer durch das Verbrennen von Weihrauch zu ersetzen. Unter der Verrichtung von Bitt- und Dankesgebeten verbrannte man Weihrauchkörner in speziell dafür angefertigten Gefäßen (Truhen), die „acerra“ hießen, im Feuer. Ebenfalls ehrte man besonders verdiente lebende Persönlichkeiten durch Verbrennen von Weihrauch. Während des Konsulates von Lucinius Crassus (ca 105 v. Chr.) musste der persönliche Gebrauch von Duft- und Räuchstoffen per Gesetz stark eingeschränkt werden, da aufgrund eines enormen privaten Verbrauchs der Bedarf für den Tempeldienst teilweise nicht mehr gedeckt werden konnte. Später in der Kaiserzeit wurde dieses Gesetz wieder gelockert. In dem Gesetz wurde zudem festgelegt, dass jeder Gottheit nur bestimmte Duftstoffe geopfert werden durften (siehe unten).

Kaiserzeit

Während anfangs keine lebendene Person mit Weihrauch verehrt wurde, ging man am Ende der Republik dazu über bestimmte Praetoren aufgrund ihrer militärischen Erfolge in Form von Standbildern zu huldigen, vor denen Weihrauch verbrannt wurde. Dieser Brauch mündete im neu errichteten Kaisertum. Es wurde nämlich in der darauffolgenden Kaiserzeit üblich Weihrauchopfer den römischen Kaisern (Imperatoren) darzubringen. So ließen sich viele römische Kaiser als „dominus et deus“ („Herr und Gott“) verehren und erließen Gesetze, die vorschrieben vor ihren Bildnissen (Statuen) regelmäßig ein Rauchopfer zu vollziehen. Ebenfalls war es zum Einzug eines römischen Statthalters oder des Kaisers in Rom oder einer anderen Stadt Brauch Räucherwerk (Weihrauch) zu verbrennen. Dieses wurde dem Troß auf Schalen vorangetragen und galt einerseits als Zeichen der Huldigung und sollte andererseits den Kloakengestank in den Städten verdrängen.

Römischer Altar

Die Römer gingen bis zum Jahr 312 n.Chr. sehr verschwenderich mit Räucherwerk um. So soll Kaiser Nero, der als großer Liebhaber für Düfte bekannt war, beim Begräbnis seiner Frau Poppea Sabina mehr Räucherwerk verbrannt haben, als Arabien in zehn Jahren produzieren konnte, um sich mit der Toten zu versöhnen. Zuvor hatte Nero seine schwangere Frau in einem Wutanfall umgebracht, als er ihr so stark in den Bauch getreten, dass sie daran starb. Im Allgemeinen war es zu größeren Festlichkeiten, insbesondere zu Begräbnissen von Adligen und hochgestellten Personen üblich viel Weihrauch zu verbrennen. Ebenso diente Weihrauch auch als Grabbeigabe. Darüber hinaus parfümierten die reiche Oberschicht der Römer in ihren Villen und Landhäusern auch verschiedenste Einrichtungsgegenstände (u. a. Möbel), Fußboden und Wände ein. Ebenfalls brachten die Römer auch in der Kaiserzeit ihren Hausgöttern Opferräucherungen in Form von Weihrauch, Myrrhe und teuren ätherischen Ölen dar, die sie in kostbaren Gefäßen und goldenen Lampen verbrannten. Um 100 n. Chr. wurden im Jahr durchschnittlich allein 3000 Tonnen Weihrauch und 600 Tonnen Myrrhe verräuchert (die übrigen Räucherstoffe nicht mitgezählt). Dabei wurden allein aus Arabien jährlich zwischen 1400 und 1700 Tonnen Weihrauch importiert.

Räucherwerk für die Götter

In den römischen Tempeln befand sich neben dem Schlachtopferaltar auch ein kleiner Altar, auf dem Räucherwerk verbrannt wurde. Dieser Altar wurde „ara“ bzw. „foculus“ genannt und war in der Nähe des in der Cella stehenden Götterbildes gelegen. Dabei haben die Römer ihren Göttern bestimmte Räucherstoffe zugeordnet und das im Jahr 95 v. Chr. sogar in ein eigenes Gesetz gegossen. Dabei ordnen sie folgenden Göttern entsprechend Harze, Hölzer und Kräuter zu:

Turibulum

Die Römer brachten Weihrauch auch in Verbindung mit den Opfern dar: So wurden dem Schlachtopfer die Stirnhaare als Symbol für die Weihung an die Götter abgeschnitten und zusammen mit Weihrauch in das Feuer geworfen. Dann wurden die Eingeweide des Opfertieres mit Wein besprengt, mit Weihrauch bestreut, auf den Altar un dort verbrannt. Schließlich wurde das gesamte Opfertier mit Weihrauch bestreut und zum Verkauf überwiesen, um anschließend verzehrt zu werden.

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Räucherwerk in Kultur & Religion

 

Quellen:

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  • Eisenhofer, Ludwig, Handbuch der katholischen Liturgik (2 Bände); Freiburg im Breisgau ²1941, Band 2, S. 294.
  • Haas, Renate / Christof, Klaus: Weihrauch: Der Duft des Himmels; Dettelbach 2006, S. 149ff.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 44-45.
  • Kügler, Joachim: Zur religiösen Bedeutung des Dufts im griechisch-römischen Kulturbereich, In: Kügler, Joachim (Hg.): Die Macht der Nase (SBS 187), Stuttgart 2000, S. 99-110.
  • Martinetz Dieter / Lohs, Karlheinz / Janzen, Jörg: Weihrauch und Myrrhe. Kostbarkeiten der Vergangenheit im Licht der Gegenwart; Berlin 1989, S. 111f.
  • Pfeifer, Michael: Der Weihrauch. Geschichte – Bedeutung – Verwendung; Regensburg 1997, S. 32.
  • Rimmel Eugene: Magie der Düfte. Die klassische Geschichte des Parfüms; Stuttgart 1993, S. 125-146.
  • Schwarz, Aljoscha A. / Schweppe Ronald P.: Natürlich heilen mit Weihrauch; München 1998, S. 13.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 37.