Räucherwerk im antiken Griechenland

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Die griechische Kultur begann sich ab ca. 1.000 v. Chr. zu entwickeln. Zu den Zeiten des großen Homers (um 750 v. Chr.) wurde bereits eine Vielzahl an einheimischen Pflanzen wie Lorbeer, Myrte, Wacholder oder Zeder als Räucherwerk verbrannt. Etwas später kam dann auch das Weihrauchharz als Räucherstoff hinzu. Vermutlich gelangte Weihrauch und Myrrhe durch das alte Handelsvolk der Phönizier, die den Weihrauch laut Plinius bereits seit den trojanischen Kriegen für ihre Opferhandlungen nutzten, ab dem 7. Jhrdt. v. Chr. auch nach Griechenland. Aufgrund des großen Wissensdurstes der Griechen, bereisten diese in den darauffolgenden Jahren ausgiebig die benachbarten Länder und Kulturen und kamen auf diese Weise mit einer Vielzahl an exotischen Räuchermitteln in Kontakt, die sie mit in die Heimat brachten. Ebenso verhalfen die Eroberungszüge von Alexander dem Großen der griechischen Räucherkultur zu großer Blüte, da auf diese Weise Räucherwaren aus den entlegendsten Winkeln der Welt (Indien, Arabien, Persien etc.) nach Griechenland gelangten.

Bedeutung von Räucherwerk im alten Griechenland

Griechische Amphore zur Aufbewahrung von Duftstoffen

Die Griechen verfügten über einen großen Kosmos an verschiedensten Göttern, die sie in Verbindung zu den Pflanzen setzten. Sie glaubten, dass edle Düfte auch den unsterblichen Göttern gefielen und diese deshalb beim Verbrennen von wohlriechenden Hölzern, Harzen und Kräutern anwesend seien. Bestimmte Düfte und Pflanzen wurden aufgrund ihrer Eigenschaften bestimmten Göttern zugewiesen, was später auch die Römer übernahmen. Dabei wurden die angenehmen Düfte als Zeichen guter Götter gedeutet, wohingegen schlechte Gerüche den menschenfeindlichen Göttern zugeordnet wurden. Besonders Harze wie Olibanum und Myrrhe galten als die erlesensten Beigaben einer Räuchermischung. Außerdem hat das Mastix-Harz in Griechenland seine Heimat. Weihrauch wurde anfangs vermutlich nur als Rauchopfer für die Göttin Aphrodite dargebracht und erst später breitete sich die Verwendung auch auf weitere Götter und Rituale aus. Als Räuchgefäße hatten die Griechen so genannte „Thymaterien“ (übernahmen sie von den Minoern), auf denen häufig die Göttin Nike abgebildet war. Neben den Opferungen durften Weihrauch und Myrrhe auch bei keinem Gastmahl oder Hochzeitsfeier fehlen. Im antiken Griechenland galt selbst auch das beim Transport von Weihrauch abfallende harzige Pulver (sogenanntes Weihrauchmanna) als heilig und wurde zu Ehren des Gottes Apollon verbrannt.

Die Griechen hatten in ihren Tempeln nahe des in der Cella befindlichen Gottesbildes einen niedrigen Altar (griech. έσχάρα; lat. arula, foculus bzw. craticula), auf dem sie Räucherwerk als Opfer an die Götter verbrannten. Später übernahmen auch die Römer diesen Brauch.
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Verwendung von Räucherstoffen im Hellenismus

Truhe für Räucherwerk (Thyterion)

Bei den Griechen wurde zu sehr vielen Anlässen geräuchert: So unternahm man kein wichtiges Unterfangen ohne vorher ein Opfer den Göttern dargebracht zu haben. Nach Hesiod wurden den unterschiedlichen Göttern verschiedene Tiere geopfert, indem sie auf den Altar gelegt und unter Beigabe von Wein und Olibanum verbrannt wurden. Die Verwendung von Räucherwerk bei solchen Tieropfern hatte vermutlich seinen Grund darin, den Gestank des verbrennenden Eiweißes mit Wohlgerüchen zu überdecken. Dahingegen wurde bei alltäglicheren Opfern nur Räucherwerk auf einem dafür vorgsehenen Räucheraltar verbrannt. Räucheropfer wurden dabei häufig von Flötenspiel begleitet.

Ebenfalls wurden große Mengen an Duft- und Räucherstoffen zu den religiösen Festen dargebracht. Die bekanntesten dieser Feierlichkeiten waren folgende:

  • Panathenaea zur Ehren der Göttin Athene (steht für Weisheit, Kampf und Strategie)
  • Eleutheria zu Ehren von Zeus in Platae
  • Dyonisien zu Ehren des Gottes Dyonisos (Gott des Rausches und Weines)
  • Eleusische Mysterien zur Ehren von Demeter (Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit)
  • Mysterien zu Ehren von Apollon (Gott des Lichts, der Künste und Weissagung)

Besonders im Kontext der Mysterienkulte wie in Eleusis wurde Weihrauch verbrannt, aber auch im Kontext von Wahrsagerei wie z. B. im Heiligtum von Delphi (war dem Gott Apollon geweiht), wo eine Priesterin namens Phytia (auch als „Orakel von Delphi“ bekannt) regelmäßig Weissagungen tätigte. Ebenso kam Räucherwerk auch zu festlichen Anlässen wie Gastmählern (Symposien) oder Hochzeitszeremonien sowie für Reinigungsräucherungen von Räumen zum Einsatz. Zu rein profanen Zwecken wie für das Beduften von Wohnräumen und Kleidung wurde ebenfalls geräuchert.

Antikes Delphi

Das Ritual für das Opfern von Weihrauch-Harz geschah dabei immer, sofern es nicht Bestandteil einer Räuchermischung war, durch Ergreifen der Weihrauchkörner mit dem Daumen-, Zeige- und Mittelfingers und dem anschließenden Werfen ins Feuer (bzw. auf die Kohlen).

Weihrauch löste ab etwa dem 4. Jhrdt. v. Chr. die blutigen Tieropfer als Opfergabe an die Götter ab, wofür sich besonders der Gelehrte Pythagoras stark machte. Auf diese Weise konnten auch die ärmeren Bevölkerungsschichten den Göttern Opfer darbringen. Dabei wurden die Rauchopfer nicht nur in Tempeln dargebracht, sondern auch in der freien Natur, in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten oder zu Hause.

In Korinth verbrannten die Griechen rund um die Altäre der Göttin Aphrodite (Göttin der Schönheit und Liebe) unaufhörlich wohlriechende Räucherstoffe.

Ähnlich wie in Ägypten scheint auch im hellenistischen Herrscherkult das Weihrauchopfer üblich gewesen zu sein, dass zu Ehren des Herrschers als Zeichen der Göttlichkeit dargebracht wurde.

Zudem wurden Duftstoffe in großen Mengen bei hellenistischen Prunkprozessionen verbrannt wie z.B. bei beim Festzug Ptolemaios II., der wohl ca. 275/270 v. Chr. zu Ehren einer gewonnenen Schlacht abgehalten wurde und bei dem der Überlieferung nach u.a. 200 kg Weihrauch, 200 kg Myrrhe und eine Vielzahl weiterer Räucherstoffe verbrannt wurden.

Schließlich diente Weihrauch auch den Tempelprostituierten, die im Dienst der Göttin Aphrodite standen, für ihre Opferungen, die das Ziel hatten ihnen neue Liebhaber zu schenken.

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Räucherwerk in der griechischen Medizin

Räucheraltar in Griechenland

Neben der religiösen Verwendung, kamen Räuchermittel auch in der antiken griechischen Medizin zum Einsatz: Bereits der berühmte Arzt Hippokrates ließ im Jahr 430 v. Chr. zur Vertreibung der Pest, die zu dieser Zeit in Athen wütete, große Haufen von Wacholderholz verbrennen. In den Tempeln des Gottes Äskulap (Asklepios), den die Griechen als Begründer der Heilkunst verehrten, wurden die Kranken behandelt, wobei es drei Stufen gab:

  1. Gymnastik und Spaziergänge
  2. Heilbäder und Massagen
  3. Gebete und Schlaftherapie

Bei der höchsten Stufe, der Heilschlaf-Therapie, verräucherten die Ärzte, welche zugleich Priester waren, auch verschiedenste Hölzer und Harze.

In der griechischen Heilkunde wurden bestimmte Räucherstoffe u. a. auch bei Erkältungen, Epilepsie oder Fieber sowie zur Abwehr von Krankheiten geräuchert, wie etliche antike Geschichtsschreiber (u. a. Dioskorides, Hipporkates, Theophrast) berichten.

Exkurs: Kreta – die Insel der Seligen

Räucherwerk in Kreta: Fresko aus Knossos

Sehr eng mit der griechischen ist die minoische Kultur verwandt. Diese ist zudem einige Jahrhunderte älter und bereits alte ägyptische Papyri (ca. 1.600 v. Chr.) berichten vom kretischen Räucherwerk, das in der damaligen antiken Welt äußerst beliebt war. Besonders Harze wie Cistrose, Kiefer, Mastix oder Styrax, aber auch Pflanzen wie wilder Fenchel, Iris, Koriander, Narzissen oder Wacholder fanden als Räucherstoffe Verwendung. Dabei fanden die Räucherungen der Minoer nicht nur in ihren Tempeln statt, sondern auch in ihren Unterkünften, wie archäologische Funde belegen. So verfügten die minoischen Häuser über Altarnischen, in denen Räuchergefässe und Götterstatuen ihren festen Platz besaßen. Ebenso wie Griechen und Römer nach ihnen, ordneten die Kreter ihren Göttern bestimmte Düfte zu, was sich aus alten Tontäfelchen rekonstruieren lässt, auf denen die Minoer ihr Wissen aufschrieben.

Die minoische Hochkultur kannte verschiedene Formen von Räuchergefäßen:

  • schmale Räucherschale mit konisch geformten Deckel
  • Räucherfass (Thymaterion): eine mit Löchern bespickte Halbkugel → Hier war Platz für eine Räucherkohle, auf die dann die Räucherstoffe gelegt werden konnten.
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Räucherwerk in Kultur & Religion

 

Quellen:

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  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 42.
  • Krumm-Heller, Arnold: Osmologische Heilkunde. Die Magie der Duftstoffe; Berlin 1955, S. 13.
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  • Martinetz Dieter / Lohs, Karlheinz / Janzen, Jörg: Weihrauch und Myrrhe. Kostbarkeiten der Vergangenheit im Licht der Gegenwart; Berlin 1989, S. 110f.
  • Pfeifer, Michael: Der Weihrauch. Geschichte – Bedeutung – Verwendung; Regensburg 1997, S. 32.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 123.
  • Rimmel Eugene: Magie der Düfte. Die klassische Geschichte des Parfüms; Stuttgart 1993, S. 103-122.
  • Schwarz, Aljoscha A. / Schweppe Ronald P.: Natürlich heilen mit Weihrauch; München 1998, S. 12-13.
  • Thalhofer, Valentin: Handbuch der katholischen Liturgik; Freiburg im Breisgau 1883, Band 1, S. 683ff.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 33-34.