Räucherwerk in Amerika

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Die Ureinwohner Amerikas kennen Räucherwerk schon seit tausenden von Jahren, was archäologische Funde belegen. Sowohl die Stämme der Indianer Nordamerikas als auch die Indio-Völker Mittel- und Südamerikas, alle kannten sie Räuchermittel und gebrauchten diese bei ihren religiösen Ritualen.

Mittel- & Südamerika

Räucherwerk in Amerika

Für die indigenen Völkern in Mittel- und Südamerikas war das Räuchern ein wichtiger Bestandteil ihres religiösen Kultes. So finden sich diesbezüglich eine Vielzahl an Hinweisen bei den Hochkulturen der Mayas, Inkas, Azteken, Mixteken und anderen Völkern (über 4000 Heilfplanzen waren diesen Kulturen bekannt). Hierbei wurde vorallem das genannte Copal-Harz (Copalquahuitl – Sammelbegriff für unterschiedliche südamerikanische Harze) weit gehandelt und in großen Mengen verräuchert. Copal wurde besonders als Opfergabe zur Verehrung der Götter sowie zum Zweck des Vertreibens böser Geister verbrannt. Ebenfalls wurde das Harz auch als Medizin zur Behandlung von diversen Krankheiten (u. a. Erkältungen, Menstruationsbeschwerden, Schwellungen auf dem Körper) aufgetragen bzw. oral eingenommen.

  • Azteken

Die Azteken glaubten, dass ihre Götter den Rauch von bestimmten Pflanzen und Blut von Lebewesen als Nahrung benötigten, weshalb Harze in großen Mengen auf den Opferaltären verbrannt wurde. Das Volk der Azteken betrieb einen umfangreichen Handel mit Räucherstoffen wie Copal in viele Regionen Mittel- und Südamerikas.

  • Mayas

Copal-Harz – Indianisches Räucherwerk

Eine ebenso große Bedeutung haben Räucherharze auch bei den Mayas gehabt, in deren Schöpfungsmythos einer der Götter zur Begrüßung von Licht und Sonne Harz räuchert. Ein weitere Stelle berichtet davon, wie die Erdgottheit Copal-Harz aus dem Baum des Lebens presst. Copal war somit das heilige Harz der Maya. Eines der wichtigsten Rituale der Maya bestand im morgendlichen Rauchopfer: Dazu wurde eine Mischung aus verschiedenfarbigen Copal-Harzen (Götterweihrauch), die in drei Bündel geknotet wurden, in Richtung der aufgehenden Sonne zu Ehren der Götter geopfert.

Die Lakadonen, der letzte heute existierende Maya-Stamm (wurde niemals christianisiert), haben viele Rituale und Zeremonien bzgl. des Räucherns bewahrt: Wie ihre Vorfahren opfern sie ihren Göttern in Weihrauchbrenngefässen, die sie als „Götterschalen“ bezeichnen. In diese Schalen legen sie Harz und entzünden es mit einem Kienspan, woraufhin dieses verbrennt. Der aufsteigenden Rauch wird als Speise der Götter verstanden.

In den Pyramiden und Tempeln des indianischen Mexikos kam den Räuchermischungen neben Weihrauch (hier Copal) zudem auch Tabak eine bedeutende Rolle zu und durfte in keiner Mischung fehlen.

  • Inkas

Auch für die Inkas hatte das Räucherwerk eine immense religiöse Bedeutung. Ihnen galt das Verräuchern von Copal-Harz als heiliger Rauch für die Götter der Sonne. So wurde dem Gott Quetzalcoatl viermal am Tag Copal als „Speise der Götter“ verbrannt. Zudem wurde auch ausgiebig in den Haushalten der Inkas gerräuchert (vermutlich Kräuter), was reich verzierte Gefässe aus Terrakotta belegen. Diese wurden auf kleine Hausaltäre gestellt.

Nordamerika

  • Bedeutung von Räucherwerk

Nordamerika: Zelt der Sioux-Indianer

Die indianischen Stämme Nordamerikas (u. a. Sioux, Cherokee) räucherten ebenfalls recht intensiv bestimmte Pflanzen, die sie als heilig ansahen. Auf diese Weise glaubten sie den Geist der Pflanze freizusetzen und mit seiner Hilfe Botschaften an die Götter zu übermitteln. Ebenfalls wurden heilige Kräuter als Dank- und Opfergabe an die Götter verbrannt. Dabei wird auch der besondere Respekt der Indianer vor der Schöpfung zum Ausdruck gebracht. Desweiteren verräucherten sie bestimmte Pflanzen (z. B. Bilsenkraut, Birke, Kalmus, Salbei, Stechapfel, Wacholder oder Zeder), um Kranke zu heilen oder um eine positive Atmosphäre in ihren Zelten zu schaffen.

  • Räucherzeremonien

In vielen Ritualen und Zeremonien der Indianer Nordamerikas wurde Räucherwerk eingesetzt (oft auch in Form von Räucherbündeln oder Räucherzöpfen), so unter anderem bei den folgenden:

Räucherwerk in Nordamerika: Tabak

  • Initiationsritus von Mädchen, die nun zur Frau werden → Kleider werden mit Rauch bestimmter Räucherstoffe gereinigt zu Beginn, ebenfalls wird während des Rituals geräuchert
  • Initiationsritus von Jungen, die zum Mann werden → Mit Adlerfedern wird während der Zeremonie Rauch verteilt.
  • Pfeifenritual → Spezielle Räucherkräuter (u. a. Tabak) werden in der heiligen Pfeife geraucht. Durch das Rauchen soll die Verbindung zwischen Himmel und Erde hergestellt werden, wobei der aufsteigende Rauch Gedanken und Wünsche zu den Göttern tragen soll. Zu Beginn der Zeremonie wird die Pfeife in alle vier Himmelsrichtungen gezeigt und dann nach oben gen Himmel. Im Anschluss wird die Pfeife zum Rauchen reihum gegeben (unter Gebeten und Gesängen).
Angebot
  • Indianisches Räucherwerk

    Indianische Räuchermuschel (Abalone)

    Bei den nordamerikanischen Indianern hat sich im Laufe der Zeit ein Vielzahl an Räucherwerk und Räucherstoffen entwickelt, die traditionell in Abalone-Muscheln verräuchert werden:

 

Räucherwerk in Kultur & Religion

 

Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996, 189-216.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 60-65.
  • Krumm-Heller, Arnold: Osmologische Heilkunde. Die Magie der Duftstoffe; Berlin 1955, S. 22ff.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009, S. 18-22.
  • Wollner, Fred: Räucherwerk und Rituale. Die vergessene Kunst des Räucherns; Waltenhofen/Hegge 1992, S. 41.