Räuchern in Kulturen, Kulten & Religionen


In den unterschiedlichen, Kulturen,  Kulten und Religionen wurden Räucherstoffe häufig für Opfer, Reinigungsrituale, Beschwörungszeremonien oder als „Transportmittel“ zum Jenseits verwendet. Wir geben hier einen Einblick in die bedeutendsten Kulturen bzw. Religionen.
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Überblick: Räucherwerk in Kultur & Religion

Ursprünge des Räucherns

Geschichte (Historie) des Räucherns

Das Räuchern hat seinen Ursprung irgendwo in der frühen Geschichte der Menschheit und geht vermutlich mit der Entdeckung des Feuers einher, das als Geschenk der Götter angesehen wurde. In fast allen Hochkulturen wurden Räucherungen mit getrockneten Pflanzen, Gräsern, Kräutern, Harzen, Früchten, Samen, Zweigspitzen oder Rinden vollzogen, häufig als Opfergabe (verbunden mit Bittgebeten) an die Götter, zur Begleitung von Ritualen oder zur Vertreibung / Reinigung von negativen Einflüssen bzw. bösen Geistern (Dämonen), aber auch zur Behandlung von Krankheiten. Wahrscheinlich ist das älteste Räucherwerk der Menschheit der Wacholder (Zweige, Holz und Beeren), dessen Namen in der Region des Himalayas mit Räucherstoff gleichgesetzt wird.
Es ist anzunehmen, dass die frühen Menschen die Kunst des Räucherns bei ihren Zusammenkünften am Feuer erfanden, als sie Kräuter, Hölzer, Rinde, oder getrocknete Blätter zufällig ins Feuer warfen. Dabei erkannten sie die unterschiedliche Wirkung bestimmter Düfte auf das Gemüt – einige wohltuend beruhigend, andere eher belebend.

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So fingen sie vermutlich an Pflanzen gezielt zu sammeln, zu verräuchern und deren Auswirkung auf sich selbst in Erfahrung zu bringen. Hieraus entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende ein reicherhaltiger Wissensschatz in den verschiedenen Kulturen, wobei die Kenntnisse zu Pflanzen und deren Wirkung beim Verbrennen anfänglich über mündliche, später dann in schriftlicher Überlieferung an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wurden.

In der griechischen Mythologie bekam Aeone, eine Nymphe der Aphrodite, das Wissen um die Räucherstoffe von den Göttern und gab es an die Menschen weiter.

Die frühen Menschen verfügten über eine enge Verbundenheit zur Natur und kannten bereits Rituale und Zeremonien. Sie hielten häufig Räucherzeremonien auf Altären ab, um auf diese Weise Götter und Geister gnädig zu stimmen. Ebenso befragten die Menschen im Rauch Orakel, da sie glaubten, dass zusammen mit dem Rauch auch die Seele der jeweiligen Pflanze aufsteigt. So räucherten Menschen aus unterschiedlichen Gründen: Einerseits wegen des guten Duftes, andererseits aufgrund der pharmakologischen oder psychoaktiven Wirkung einiger Räucherstoffe. Darüberhinaus fand das Räucherwerk in vielen Kulturen besondere Verwendung im Totenkult: So galt der aufsteigende Rauch als Träger der Seele zum Jenseits/ Himmel.

Mit dem lateinischen Ausdruck „per fumum“ (zu deutsch: „durch den Rauch“), von dem sich auch Parfüm ableitet, wurde früher der Weihrauch bezeichnet. Dieser wurde beim Verbrennen von Opfertieren in der Antike zur Überdeckung des Gestanks dem Feuer beigegeben.


Nachdem Räucherungen anfangs eher sakralen Zwecken dienten, wurden sie in späterer Zeit auch häufig zur „atmosphärischen Reinigung“ sowie zur Desinfektion von Häusern und Wohnräumen (bspw. auch bei Pest-Epedemien und anderen Seuchen) vorgenommen. Tatsächlich hat die moderne Wissenschaft die desinfizierende Wirkung von Weihrauch und anderen Harzen nachgewiesen. Ebenfalls benutzte man Räucherwerk zur Parfümierung von Kleidern und des Körpers, zur Stimulation und Stärkung der körperlichen Lust sowie als unterstützendes Hilfsmittel für Meditation und Gebet. Schließlich diente und dient das Räuchern auch zur Haltbarmachung von Nahrungsmitteln (bspw. Fleisch und Fisch).

Verbreitung des Räucherns in den kulturellen Zentren

Bereits in sehr früher Zeit wurden entlang des Nils, in Mesopotamien, in Indien und den Ländern des Fernen Ostens Harze und Kräuter gehandelt und als Räucherwerk verwendet. Dabei lassen sich drei große kulturelle Zentren für den Gebrauch von Räucherwerk festmachen: antike Welt (inkl. Orient), indischer Subkontinent (inkl. Tibet, Nepal) und Amerika (besonders Mittel- und Südamerika). Zwischen den ersten beiden Zentren gab es im Laufe der historischen Genese des Räucherwerks einen regen Austausch, wohingehen sich die indianische Räucherkultur unabhängig entwickelt hat.

antike Welt (inkl. dem Orient)

Weihrauch (Olibanum) – Antikes Handelsgut

Im Altertum galt das Weihrauch-Harz als das bedeutendste Räuchermittel, welches von kleinen Bäumen (boswellia sacra) gewonnen wurde, die an den Küsten der arabischen Halbinsel wuchsen. Dieses Harz wurde von Arabien nach Ägypten, Griechenland und sogar bis nach Indien von Karawanen über Land- und Seewege exportiert. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die berühmte Weihrauchstraße, über die alle wichtigen antiken Zentren und Heiligtümer erreicht wurden und über die der Hauptverkehr des Weihrauchhandels lief. Räucherstoffe waren in der Antike neben Salz und Gold ein äußerst wichtiges und wertvolles Handelsgut, die teilweise sogar mit Gold aufgewogen wurden. Die alten Hochkulturen der antiken Welt wie Ägypter, Perser, Griechen und Babylonier gebrauchten in ihren religiösen Zeremonien Unmengen an Weihrauch und eine Vielzahl weiterer Harze und Hölzer. Diese verbrannten sie unter freiem Himmel auf riesigen Altären. Ab ca 1000 v. Chr. hat die Verbreitung der Räucherkultur aufgrund des regen Handels über die verschiedenen Handelswege stark an Fahrt aufgenommen.

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  • Ägypten: In der Blütezeit Ägyptens konnte der Bedarf an Harzen nur sehr schwer gedeckt werden, denn es wurde zu allen Ritualen geräuchert sowohl öffentlich als auch zu den geheimen magischen Riten. Als wichtigstes Räucherwerk wird das so genannte „Kyphi“ überliefert, eine Mischung aus 16 verschiedenen Stoffen, die in den Tempeln zu Ehren der Götter verbrannt wurde. Außerdem stellten die ägyptischen Priester aus dem Olibanum-Harz unter anderem Räucherkerzen und diverse Heilmittel wie Salben, Pflaster, Zäpfchen und Pulver her. Ebenfalls war es Tradition bei den Beerdigungen von Pharaonen Räuchergefässe und Harze als Grabbeigaben beizulegen. Eine ähnliche Bedeutung hatte das Räucherwerk auch in den Reichen Mespotamiens (Assur, Sumer, Babylon, Ur etc.). ► Mehr Informationen zum Räucherwerk im alten Ägypten …
  • Griechenland: Im alten Griechenland wurde Räucherwerk nicht nur zu öffentlichen Festen und zu rituellen Zeremonien in den Tempeln (bspw. zur Besänftigung der Götter), sondern auch in den aufkommenden Mysterienkulten verbrannt. Daneben verwendete man das Räuchern auch hier bereits für medizinische Zwecke, wovon sich Belege in den hippokratischen Schriften finden. ► Mehr Informationen zum Räucherwerk im antiken Griechenland …
  • Rom: Im römischen Reich war der Verbrauch von Räucherwerk ebenfalls sehr groß, das in den Tempeln zu Ehren der Götter in genau vorgeschriebenen Ritualen als Rauchopfer verbrannt wurde. In der Kaiserzeit wurde brennender Weihrauch zum Einzug in eine Stadt vorangetragen (vermutlich um den Kloakengestank zu verdrängen) und es wurde an bestimmten Tagen auf öffentlichen Plätzen zu Ehren des Kaisers (wurde als „Herr und Gott“ verehrt) ein Rauchopfer in einer Räucherzeremonie dargebracht. Im Jahr 95 v. Chr. wurde in Rom ein Gesetz erlassen, das die Verwendung von Räucherstoffen regelte. Das Gesetz beinhaltete zudem, welcher Räucherstoff für welche Gottheit verwendet werden durfte. Allgemein wurde im antiken Rom öffentlich und privat zu allen Feierlichleiten und Gelegenheiten geräuchert. Mit dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion flossen die heidnischen Bräuche Roms in die kirchlichen Rituale ein: So hielt spätestens ab diesem Zeitpunkt auch das Räuchern im Christentum Einzug. Aber auch die Schriften der Bibel kannten bereits Räuchermittel und einen gewissen Räucherkult (zur Zeit des Salomonischen Tempels). Die Schriften der frühen Christen berichten außerdem, dass dem Gottessohn in der Krippe Weihrauch, Gold und Myrrhe als Geschenke gebracht wurden. Der Räucherkult erreichte im römischen Reich mit Beginn und Ausbreitung des Christentums auch seinen Höhepunkt. ► Mehr Informationen zum Räucherwerk im antiken Rom …
  • Israel: Im Judentum gebrauchte man Weihrauch im Tempel und zum Gebet. In etlichen Stellen des Alten Testaments werden Weihrauch, Myrrhe und andere Räuchermittel erwähnt. Sie waren ein fester Bestandteil in der Praxis des jüdischen Glaubens. ► Mehr Informationen zum Räucherwerk im Judentum …

indischer Subkontinet (inkl. Himalaya-Raum)

Tibetische Räucherschale mit Wacholderbeeren

  • Indien: Hier fand das Räucherwerk besonders in der indischen Heillehre, dem Ayurveda, eine besondere Anwendung.
  • Tibet: Ebenso hat das Räuchern in der tibetanischen Medizin eine große Tradition und wurde bei fast allen Arten von geistiger sowie psychologischer Störung verwendet.
  • China: Bei den Chinesen wurde in den öffentlichen Tempeln und auch in privaten Häusern geräuchert. Das Verbrennen von Weihrauch sollte hier die Gegenwart der Götter gewährleisten und ungünstige Energien fernhalten. Aber auch bei erotischen Ritualen fanden Räucherstoffe Anwendung.
  • Japan: Eine sehr große Tradition nehmen die Räuchermittel in Japan ein, die im Laufe der Jahrhunderte immer weiter entwickelt und verfeinert wurde. Japan verfügt über erlesenes Räucherwerk (auch „Koh“ genannt). Dazu haben die Japaner eine Räucherzeremonie entwickelt (ähnlich wie die Teezeremonie). Bei dieser so genannte Koh-Dō-Zeremonie (auch „Weg des Räucherns“ genannt), „hören“ der Räucherwerkmeister und seine Gäste gemeinsam den „Klang des Duftes“. Diese meditative Zeremonie steht in engem Zusammenhang mit dem Zen.
  • Mehr Informationen zum Räucherwerk in Asien …

Amerika

  • Mittel- & Südamerika: Bei den indigenen Völkern Amerikas hatte das Räuchern ebenfalls eine sehr große Bedeutung. So lassen sich viele Hinweise diesbezüglich bei den Hochkulturen der Mayas, Azteken, Inkas und Mixteken finden, die so genanntes Copal (Sammelbegriff für unterschiedliche Harze) handelten und räucherten. Solche Copal-Harze wurden zur Verehrung der Götter und dem Vertreiben schlechter Geister verräuchert sowie zur Behandlung von diversen Krankheiten aufgetragen und eingenommen.
  • Nordamerika: Die indianischen Völker / Stämme räucherten sehr intensiv, um auf diese Heilung zu erlangen und in den Einklang mit der Natur zu kommen. Hier ist besonders das Verräuchern von Kräutern verbreitet (z. B.diverse Salbeiarten), das den Schamanen zur Kontaktaufnahme mit der Geisterwelt, dem Vertreiben schlechter Geister, bei den Totenriten als „Schmierstoff“ für die aus dem Körper scheidende Seele oder aber auch als Heilmittel für Krankheiten diente. Zudem nahmen bzw. nehmen die Indianer durch ihre Räucherzeremonien sogar Kontakt zu ihren Vorfahren auf.
  • Mehr Informationen zum Räucherwerk in Amerika …

Afrika

In der afrikanischen Stammeskultur war das Räuchern ebenfalls weit über den Kontinent verbreitet. So verbrannten die Medizinmänner bei ihren magischen und medizinischen Zeremonien häufig dafür geeignetes Räucherwerk.

Entwicklung des Räucherns in Nordeuropa

Nicht nur bei den Hochkulturen der Griechen und Römer hatte das Räuchern eine historische Bedeutung, sondern auch bei den „wilden“ Völkern Nordeuropas:

Erzgebirgische Räucherkerze in Halterung

  • Kelten: In Europa war das Räuchern neben den alten Griechen und Römern auch bei den Kelten verbreitet. Diese besaßen Hausaltäre, auf denen sie ihre unterschiedlichen Gaben als Opfer darbrachten (auch Rauchopfer). Die keltischen Siedlungen verfügten in der Regel in ihrer Mitte über eine große Feuerstelle, in der zu rituellen Anlässen auch verschiedene Räucherstoffe (einheimische Pflanzen) verbrannt wurden.
  • Germanen: Ab ca. 280 n. Chr. gibt es erste Hinweise für Räucheropferungen bei den Germanen. Dabei verwendeten diese besonders gern Pflanzen wie Beifuss, Wacholder und andere einheimischen Kräuter und Hölzer als Räucherwerk. Später wurden solche Räucherungen im Zuge der Christianisierung der germanischen Stämme aufgrund ihrer Verbindung zum heidnischen Glauben verboten bzw. als christliche Bräuche umgedeutet.
  • Mittelalter bis heute: Etliche der alten heidnisch-germanischen Bräuche wurden christlich umgedeutet und haben sich auf diese Weise bis heute in den Alpenlandschaften Deutschlands, Österreichs sowie der Schweiz erhalten. Es ist in diesen Gegenden üblich in den Rauchnächten (Rauhnächten) zum Jahreswechsel (Zeit zwischen dem Weihnachtstag und dem Dreikönigstag) die Häuser und Ställe auszuräuchern, um diese von bösen Geistern bzw. schlechten Energien zu reinigen. Die Wiederentdeckung der heidnischen Mysterien in der Renaissance verhalf dem Räuchern zu einer neuer Blüte: In den alchemistischen Werken dieser Zeit, denen eine Vielzahl an spätantiken Werken zugrunde lag, wurden die Pflanzen und deren Wirkungen bzw. die Zuordnung bestimmter Räucherstoffe zu den antiken Gottheiten und Planeten beschrieben. Nichtsdestotrotz geriet das Räuchern in der Moderne zeitweise in Vergessenheit (abgesehen von der katholischen Kirche) und wurde erst in den letzten Jahren im Zuge der neuen Natur- und Esoterikwelle wieder populärer .
  • Erzgebirge: In den letzten Jahrhunderten wurde es besonders bei den Bergläuten im Erzgebirge Brauch selbstgedrehte Räucherkerzen (Räucherkegel) mit unter Tage ins Bergwerk zu nehmen und dort für eine gute Atmosphäre zu sorgen.
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Quellen:

  • Fischer-Rizzi, Susanne: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; München 1996.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999.
  • Rätsch, Christian: Räucherstoffe. Der Atem des Drachen; Aarau (Schweiz) 2009.
  • Rimmel Eugene: Magie der Düfte. Die klassische Geschichte des Parfüms; Stuttgart 1993.
  • Wollner, Fred: Duftender Rauch für die Seele. Vom praktischen Umgang mit Räucherwerk; München 1998.