Räucherduft aus dem Erzgebirge

Weihnachtspyramide

Bald ist es wieder soweit: Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Die vorangehende Adventszeit lädt uns alljährlich dazu ein, sich mit vielerlei alten Traditionen in diesen meist unwirtlichen Tagen eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen und sich so allmählich auf Weihnachten einzustimmen. Zum weit geläufigen Brauchtum in unseren Landen gehören hier besonders das Aufhängen oder Aufstellen eines Adventskranzes in der Stube, der obligatorische Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, um Geschenke zu kaufen und Glühwein zu trinken oder aber das Backen von Plätzchen und anderen Leckereien, was dann schließlich in den Traditionen zum Heiligen Abend / Christfest mit Weihnachtsbaum, Kirchenbesuch (meist mit Krippenspiel) und leckerem Essen (sei es z.B. Bratwurst mit Kartoffelsalat oder Weihnachtsgans mit Rotkohl) mündet.

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Adventlicher Duft: Erzgebirgisches Räucherwerk

Räucherkerzen (Räucherkegel)

Neben diesem gesamtdeutschen Brauchtum werden uns in besonderer Weise aus dem sächsischen Erzgebirge, das nicht umsonst als „Weihnachtsland“ bekannt ist, eine Vielzahl von Bräuchen überliefert, zu denen auch das Beduften der adventlichen Stube durch die beliebten Räucherkerzen (in Mundart: „Weihrichkarzl“ oder „Raacherkarzle“) gehört, die in den letzten Jahrzehnten weit über das Erzgebirge hinaus Verbreitung gefunden haben. Mittlerweile gibt es sie in den exotischsten Duftrichtungen und sie werden in alle Welt exportiert. Die Räucherkerzchen werden mit Hilfe spezieller Räuchergefäße verräuchert, die vom traditionell schmauchenden Räuchermann (Prototyp wurde um das Jahr 1856 von Ferdinand Frohs und Gotthelf Friedrich Haustein in Heidersdorf (bei Seiffen) hergestellt), über kleine Räucherhäuschen bis hin zu liebevoll gefertigten RäucheröfenWerbung reichen. Das beliebte Räucherwerk wird im Erzgebirge traditionell in der Zeit vom 1. Advent bis zum Dreikönigstag am 6. Januar verbrannt. Anfangs wurden Räucherkerzen im Erzgebirge durch Apotheker, Olitätenhändler sowie Räucherkerzelmacher verkauft, deren Rezepturen vermutlich auf Zisterziensermönche des Klosters Grünhain im Westerzgebirge zurückgingen. Aber auch die Tradition bei erzgebirgischen Familien Räucherkerzen für den Eigenbedarf herzustellen ist bereits sehr alt. Bereits im berühmten Heiligobndlied (gilt als längstes Weihnachtslied der Welt), das um das Jahr 1799 entstanden ist und Johanne Amalie von Elterlein zugeschrieben wird, sind den kleinen Kerzchen eine ganze Strophe gewidmet:

Zünd när e Weihrauchkarzel a,
doß nooch Weihnachten riecht,
un setz es of dos Scherbel dort,
dos unnern Ufen liegt.

Im 19. bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es dann in vielen Familien üblich Räucherkerzchen als Nebenverdienst an kalten Winterabenden herzustellen. Hierzu saß häufig die ganze Familie von klein bis groß in der Stube beisammen und formte Räucherkerzchen, die anschließend am Ofen getrocknet wurden. Der Teig dafür stammte meist vom Apotheker oder einem Großhersteller, in deren Auftrag die Familien tätig waren. Die heutigen Traditionsunternehmen wie Knox, Carl Jäger, Crottendorfer Räucherkerzen oder Huss gingen sowohl aus Apotheken als auch solcher Familien hervor.

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Brauchtum und Traditionen im Erzgebirge

Zu den erzgebirgischen Traditionen in der Advents- und Weihnachtszeit gehören eine Vielzahl weiterer Sitten und Bräuche, die wir an dieser Stelle kurz vorstellen möchten:

Erzgebirgischer Räuchermann

  • das traditionelle Anschieben der Pyramiden (entstanden ab ca. 1820) zu Adventsbeginn daheim sowie auf den Weihnachtsmärkten in den erzgebirgischen Städten, wonach mit einem erzgebirgischen Kräuterschnaps bei erfolgreichem Anschub feierlich angestoßen wird
  • das Illuminieren der Fenster mit Schwibbögen (1726 wurde das erste Exemplar vom Bergschmied Johann Teller aus Johanngeorgenstadt) geschmiedet, was ursprünglich den Bergleuten in den dunklen Tagen den Weg vom Bergwerk nach Hause zeigen sollte
  • das Aufstellen von handgefertigten Figuren wie Bergmann und Lichterengel (bilden ab dem 19. Jhrdt. ein unzertrennbares Paar), Nußknackern, Kurrenden (häufig in Kombination mit dem Motiv der berühmten Seiffener Rundkirche), Räuchermännern oder anderen Holzschnitzereien
  • der traditionelle Stollenanstich (Dresdner Christstollen) auf dem Dresdner Striezelmarkt, wobei Stollen sich überall in Sachsen einer großen Beliebtheit erfreuen (im Erzgebirge ist es der Butterstollen)
  • der „Hutzenobnd“, ein geselliger Abend mit Gesang, erzgebirgischer Kost, Schnitzen und Klöppeln → findet traditionell in der Hutzenstube statt, einem Raum im Wohnhaus, der zum Klöppeln genutzt wird
  • dem Neunerlei (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Räuchermischung), auch in der Mundart als „Neinerlaa“ bezeichnet, bei dem es sich um das Weihnachtsessen an Heilig Abend handelt, das aus neun verschiedenen Gerichten besteht (u.a. Bratwurst, Sauerkraut, Linsen, Klöße, Schweinebraten, Pilze, Kompott, Semmelmilch mit Mandeln, Nüsse), die aber stark variieren können
  • das Abräumen des Geschirrs nach dem Essen am Heiligabend muss nach altem Brauch durch das Einwickeln in die Tischdecke erfolgen
  • Besuch der Christmette in den frühen Morgenstunden des ersten Weihnachtstages
  • jedes Jahr finden in der Advents- und Weihnachtszeit die traditionellen Bergaufzüge und Bergparaden in Festtracht (oft in Verbindung mit der Mettenschicht) in vielen Städten des Erzgebirges wie z.B. Stollberg, Seiffen, Schwarzenberg, Annaberg-Buchholz oder Marienberg statt, die ursprünglich als Huldigung der Bergleute an die Landesherren zu deren Festtagen gedacht waren
  • dem Hausvater kommt am Heiligabend die besondere Aufgabe zu, das Heiligabendlicht auf einem kunstvollen Kerzenleuchter (wird von Generation zu Generation weitervererbt) zu entzünden
  • sehr feierlich begehen die Bergleute die Mettenschicht (letzte gefahren Schicht unter Tage vor Weihnachten)
  • beim Kuchensingen ziehen Kinder sowie auch Erwachsene von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder, wofür sie als Lohn Kuchen erhalten
  • das Männelwecken (Männlwecken, Männelkloppen, Mannelaufwecktog) ist ein Ritual am Samstag vor dem 1. Advent, um die festliche Adventszeit einzuläuten (mit dem Vorabend beginnt übrigens auch die kirchlich-liturgische Adventszeit), bei dem es sich um das Hervorholen und Aufstellen der weihnachtlichen Deko-Figuren, Pyramiden und Schwibbögen handelt (mancherorts treffen sich dazu die Männer mit ihrer wertvollsten Figur und erwecken das Räuchermännchen durch lautes Klopfen auf dem Tisch des Versammlungsraumes und dem erstmaligen Anzünden einer Räucherkerze im Räuchermann
  • die Figuren werden traditionell im Weihnachtseck (Winkel im Raum, ähnlich zum Herrgottswinkel in Süddeutschland), im Fenster oder in Regalen aufgestellt
  • im Laufe der Adventszeit wird zudem der Weihnachtsberg (Nachbildung der erzgebirgischen Landschaft) mit Figuren, Tieren (Waldtiere, Schafe, Kühe, etc.), Häuschen, Bergwerk und seit neuerer Zeit aufgebaut auch mit Modelleisenbahn aufgebaut
  • das Heiligabend-Stroh (Erinnerung an den Stall zu Betlehem) bezeichnet das Stroh, welches auf einem Platz unter dem Christbaum oder anderswo in der Wohnstube ausgelegt wird und auf das dann auch häufig die Krippenfiguren gestellt werden
  • als Innernächte (Losnächte) wird die Zeit zwischen Weihnachten, Silvester und Hochneujahr (6. Januar) bezeichnet, in der kein Porzellan zerbrechen sollte, weil es sonst Unglück für das kommende Jahr bringt
  • nicht nur der 24. Dezember wird im Erzgebirge als Heiligabend gefeiert. Sowohl Silvester (31. Dezember) als auch Heilige Drei Könige (6. Januar) gelten als 2. und 3. Heiligabend und werden entsprechend gefeiert.
  • diverse Liebesorakel (u.a. Tierorakel, Zettel schreiben, Scheiteziehen oder Namen löschen), die ab dem Andreasabend (30. November) befragt werden, um herauszufinden, ob das Mädchen im kommenden Jahr einen Ehemann finde und was für ein Mann für sie bestimmt sei
  • an Heiligabend und Silvester wird Zinn- oder Bleigießen gemacht

Die meisten dieser Bräuche sind eng mit den Bergbautraditionen des Erzgebirges verbunden und aus diesen hervorgegangen, denn die Region wurde über Jahrhunderte durch den Silber- bzw. Erzbergbau geprägt und hat dem Erzabbau auch ihren Namen zu verdanken.

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Erzgebirgische Musik

Eng mit der eignen Kultur des Erzgebirges ist der erzgebirgische Dialekt verbunden, der auch heute noch vielerorts gepflegt wird. Betrachtet man andere Regionen in Deutschland, so ist die Dialektpflege nicht mehr selbstverständlich. Die starke Heimat- und Kulturverbundenheit der Erzgebirgler hat hier auch einen wesentlichen Einfluss auf den Erhalt des Dialekts. Das äußert sich ebenfalls in der Musik. So gab und gibt es eine reiche musikalische Tradition in der erzgebirgischen Mundart, die auch über regionale Grenzen hinaus bekannt ist. Das klassische erzgebirgische Liedgut ist besonders durch die großen Heimatdichter des frühen 19. und 20. Jahrhunderts geprägt, zu denen u.a. Anton Günther, Christian Gottlob Wild und Hans Soph gehören. Besonders Anton Günther nimmt hier eine herausragende Stellung ein: Er erfand auf seinen Streifzügen durch heimische Wälder nicht nur die Liedpostkarte, sondern prägte wie kein anderer Dichter und Sänger das erzgebirgische Volkslied. Bekannte Komponisten wie z.B. Richard Wagner haben einige dieser Mundart-Lieder für den mehrstimmigen Gesang erweitert.

O selige Weihnachtszeit!
(von Anton Günther)

Ihr Leitle, freit eich alle,
guckt naus wie’s draußen Graipele schneit!
De Weihnachtszeit is komme.
Vergaßt alln Zank on Streit.

O selige Zeit, o Weihnachtszeit!
Du brengst ons wieder Frieden,
machst onner Herz voll Lust on Freid.
O selige Weihnachtszeit!

Wie glänzen hall de Lichtle
verstuhlnst aus jeden Fansterle raus,
denn’s zieht dorch jeden Hüttel
’s Bornkinnel ei on aus.

Horch, wie de Glocken klinge
ons zu in stiller heiliger Nacht;
on fromme Kinner singe:
Eich is heit Frieden gebracht!

O komm doch heiliger Frieden
on klopp a jeden Fansterle a,
zieh ei in alle Herzen,
deß jeder singe ka:

O selige Zeit, o Weihnachtszeit!
Du brengst ons wieder Frieden,
machst onner Herz voll Lust on Freid.
O selige Weihnachtszeit!

Diese Mundartlieder wurden von unterschiedlichen Heimatgruppen wie u.a. von Joachim Süß und seinem Ensemble, dem Erzgebirgsensemble Aue, den Preßnitzer Musikanten, oder den Zschorlauer Nachtigallen aufgenommen und bei Festen, Konzerten, im Radio sowie in Fernsehsendungen gespielt. Aber auch in unserer Zeit gibt es eine Vielzahl an Künstlern, die in Mundart singen, wie z.B. De Randfichten, De Erbschleicher, De Ranzn, De Krippelkiefern oder Schluckauf. Als Wegbereiter der modernen erzgebirgischen Musik gelten gemeinhin die Geschwister Caldarelli, die ab den 1930er bis in die 1970er Jahre als Vorbild für volkstümliche Musik aus dem Erzgebirge wurden.

Weihnachten im Erzgebirge

Weiterführende Beiträge

In den folgenden Artikeln wird das Brauchtum rund ums Räuchern im Erzgebirge näher beleuchtet:


► Überblick aller Räuchermittel / Räucherwerk
 

Quellen:

  • Blechschmidt, Manfred: Das erzgebirgische Kräuterbuch; Berlin 1997, S. 174-179.
  • Heilfurth, Gerhard / Heinold, Erhardt / Rau, Hans Jürgen: Weihnachtsland Erzgebirge. Geschichte und Geschichten, Volkskunst, Holzspielzeug, Sitten und Bräuche, Lieder, Gedichte und Rezepte; Husum ³1993, S. 32.
  • Huber, Franz X.J./ Schmidt, Anja: Weihrauch, Styrax, Sandelholz. Das Erlebnisbuch des Räucherwerks; Bern – München – Wien 1999, S. 99f.
  • Sehn, Dietmar: Weihnachten in Sachsen; Erfurt 2013, S. 89.
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