Kräuterweihe / Kräutersegnung

Zu den uralten Traditionen der Menschen gehört das Sammeln von Kräutern und deren anschließende Weihe durch einen Priester, das nach altem Brauch in die Mitte des Monats August auf Mariä Himmelfahrt fällt, weil in dieser Zeit die Kräuter ihre heilkräftigste Wirkung entfalten. Diese getrockneten und gesegneten haben sich als Räucherwerk für unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten bewährt.


Was ist eine Kräuterweihe (Kräutersegnung)?

Gebundenes Kräuterbüschel (Salbei) zur Kräuterweihe

Alljährlich werden zum Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August in vielen Gegenden Westeuropas seit über tausend Jahren Heilkräuter in der Kirche gesegnet. Dazu spricht der Pfarrer nach der Predigt oder vor dem Schlußsegen im Gottesdienst ein spezielles Segensgebet über die gebundenen Kräuterbüschel (auch Krautwisch, Marienwisch, Neunerbuschen, Rauchkräuterbuschen, Sangen, Weihbüschel, Weihkräuterbuschen, Wisch, Würzbüschel oder Würzwisch genannt) und besprengt im Anschluss an das Gebet die Kräuter mit Weihwasser. Mancherorts werden zudem noch Kräuterprozessionen abgehalten. Dieser Brauch der Kräutersegnung hat seinen Ursprung vermutlich bei unseren germanischen Vorfahren, die schon in vorchristlichen Zeiten Heilkräuter sammelten und die Götter zu deren Verwendung um ihren Beistand anriefen. Ab etwa dem 9. Jahrhundert wurde die Kräuterweihe (auch als Wurzelweihe, Würzweihe, Würzkräuterweihe oder Wischweihe bezeichnet), bei der es sich um eine sogenannte Sakramentalie handelt, mit dem alten Marienfest „Mariä Himmelfahrt“ verbunden, denn Maria wird von den Menschen schon seit langer Zeit auch als „Königin der Blumen“, „Blume des Feldes“, „Lilie der Täler“ sowie als „Beschützerin der Feldfrüchte“ verehrt. Die Heilkraft der Kräuter soll durch die Fürbitte der Kirche dem ganzen Menschen zum Heil dienen. Die Kräuterweihe gilt zudem als Ausdruck für die Achtung des Menschen vor Gottes Schöpfung.
Die geweihten Kräuter werden nach dem Gottesdienst daheim in den Wohnräumen (auf dem Dachboden oder im Herrgottswinkel (Bayern)) und im Stall zum Schutz mit nach unten hängenden Blüten aufgehangen. Wenn die Kräuterbuschen gut durchgetrocknet sind, lassen sie sich das ganze Jahr über als schützendes und heilkräftiges Räucherwerk einsetzen (z.B. im Krankenzimmer). Dazu wird etwas von den Kräuter abgezupft, zerrieben und mit Weihrauch oder anderen Harzen vermischt. Anschließend lässt sich diese Mischung hervorragend in einer Räucherpfanne räuchern. Ebenfalls ist es traditionell üblich Kräuter dem Vieh unters Futter zu mischen (soll vor Verzauberung der Tiere schützen) oder Kranken in Form von Tees, Bädern oder Aufgüssen zur Genesung zu verabreichen. Zum festen Brauchtum in den Alpenregionen gehört es einen Teil der Kräuterbüschen in den Rauhnächten mittels einer Räucherpfanne (eiserne Glutpfanne) zum Schutz vor bösen Geistern, Verhexung, Blitzschlag, Unwetter und Katastrophen jeglicher Art verbrannt. Dazu werden Haus und Hof ordentlich ausgeräuchert. Bei schweren Gewittern ist es alter Brauch einen Teil des Krautbundes im Ofen zu verbrennen, was Mensch, Tier, Haus und Hof vor Unheil beschützen soll.

Tipp! Wer keine Möglichkeit hat an einer traditionellen Kräuterweihe teilzunehmen (dieser Brauch wird leider nicht mehr überall gepflegt), um dort seine selbst gesammelten Kräuter segnen zu lassen, kann sich notfalls auch selbst behelfen, indem er sich Weihwasser besorgt und ein geeignetes Segensgebet heraussucht. Anschließend legt er die Kräuter auf einen Tisch, spricht das Segensgebet über die Kräuter und besprengt sie zum Abschluss mit etwas Weihwasser.
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Welche Kräuter werden zu Kräuterbüscheln gebunden?

Mit der Sommersonnenwende (Johannistag) beginnt die Zeit des Kräutersammelns, weil zu diesem Datum die Johanniskräuter reif sind und ihre stärkste Heilkraft entfalten. In den darauffolgenden Wochen werden alle in Vollblüte stehenden Weihkräuter für die Kräuterbuschenweihe gepflückt und anschließend zum Trocknen aufgehangen. In ganz früheren Zeiten wurden 77 unterschiedliche heilkräftige Kräuter gesammelt und zu einem Strauß gebunden. Mittlerweile ist die Anzahl der enthaltenen Kräuter je nach Ort und Region verschieden. So können die Kräutersträuße zwischen 7 und 99 Kräutern variieren.

Die Anzahl der enthaltenen Kräuter wird auch symbolisch ausgedeutet:

  • 7 als Zahl der Wochen- bzw. Schöpfungstage, Sakramente, Schmerzen Mariens oder Gaben des Hl. Geistes,
  • 9 als Zahl für dreimal die Hl. Dreifaltigkeit,
  • 12 als Zahl der Apostel und der Stämme Israels,
  • 14 als Zahl der Nothelfer,
  • 24 als Zahl der 24 Älteste auf 24 Thronen in der Offenbarung des Johannes (vgl. Offb 4,4),
  • 72 als Zahl der Ältesten (vgl. Gen 10) sowie der Jünger Jesu (vgl. Lk 10,1)

In den meisten Regionen beinhalten die Buschen 7 oder 9 Grundkräuter, die zu einem Kräuterbündel zusammengefasst werden, wobei häufig die Königskerze (manchmal auch eine Rose oder Lilie) den Mittelpunkt des Büschels bildet. Mancherorts ist es zudem üblich einen dünnen Trieb des Haselstrauchs in das Würzbüschel einzubinden, was den Blitz fernhalten soll. Folgende Pflanzen werden neben der Königskerze u.a. für die Herstellung eines Kräuterbüschels verwendet:

Eine Anleitung zum Binden von Kräuterbuschen findet sich übrigens in unserem folgendem Beitrag: Räucherbündel / Smudge sticks.

Was sind Heilkräuter? Bestimmte Pflanzen werden von den Menschen seit alter Zeit aufgrund ihrer besonderen positiven gesundheitlichen Wirkung auf Körper und Geist als Heilpflanzen / Heilkräuter genutzt. Viele dieser heilkräftigen Pflanzen wurden und werden dazu auch eigens in den verschiedensten Gärten kultiviert – sei es z.B. von den Mönchen im traditionellen Klostergarten, im Bauerngarten, im Alpengarten oder im heimischen Schrebergarten.
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Exkurs: Mariä Himmelfahrt

Entschlafung Mariens

Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel (Assumptio Beatae Mariae Virginis) wurde durch Bischof Kyrill von Alexandrien ( 375/80-444) eingeführt und zählt mit zu den ältesten Marienfesten. Zuerst wurde es als Hochfest der Mariengrabkirche in Jerusalem gefeiert und steht vermutlich mit einem alten syrischen Erntedankfest in Verbindung. Um das Jahr 700 übernahm auch die Westkirche dieses Fest. Die Kirche feiert mit diesem Ereignis in besonderer Weise die leibliche Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel. In den Ostkirchen wird das Fest als „Hochfest des Entschlafens der allheiligen Gottesgebärerin“ begangen. Der Festtag wird im Volksmund auch als Großer Frauentag, Frautag, Mariä Würzweihe, Kräuterbuschtag, Kräutlfrauentag oder Buschfrauentag bezeichnet.

Weshalb ist die Kräuterweihe mit Mariä Himmelfahrt verbunden?

In der Wissenschaft werden unterschiedliche Gründe angeführt, warum die Kräuterweihe im Kontext zu Mariä Himmelfahrt steht:

  1. Das Datum für dieses frühchristliche Fest steht evtl. mit einem alten syrischen Erntedankfest in Verbindung.
  2. Nach einer Legende haben die Apostel das Grab der Jungfrau Maria noch einmal geöffnet. Darin fanden sie statt einem Leichnam duftende Blumen und Kräuter.
  3. In vorchristlicher Zeit gehörte das Sammeln von Heilkräutern und besonderer Weiherituale zum festen Brauchtum der Germanen. Solche heidnischen Kräuterweihen wurde wohl zuerst um das Jahr 745 n. Chr. verboten und dann etwas später als Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt in die kirchliche Liturgie integriert. Die Wirkung der Kräuter wurde auf Gott und die besondere Fürsprache Marias bezogen. Somit wurde dieser alte Brauch christianisiert.

Vermutlich haben alle drei genannten Gründe ihren Beitrag zur Einführung der Kräutersegnung in den gottesdienstlichen Ablauf an Mariä Himmelfahrt geleistet.

Was ist der Frauendreißiger?

Der Zeitraum zwischen Mariä Himmelfahrt (15. August) und dem Tag vor dem Fest Kreuzerhöhung (14. September) wird „Frauendreißiger“ genannt. Diese 30 Tage gelten als Zeit der Überleitung in den Herbst und wurden in früheren Tagen als besinnliche Zeit mit Mariengebeten und Marienwallfahrten begangen. Die Legende besagt, dass in diesem Zeitraum die Erde von der Gottesmutter besonders gesegnet wird. In diesen Tagen wird den Heilkräutern (außer dem Johanniskraut) ihre höchste Heilwirkung nachgesagt, weshalb sie nach alter Tradition gerade in dieser Zeitspanne bevorzugt gesammelt werden.


Geeignete Segensgebete zur Kräuterweihe

Das Segensgebet zur Kräuterweihe aus dem Benediktionale (Buch mit den offiziellen kirchlichen Segensgebeten):

Lasset uns beten. Herr, unser Gott, du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben und sie in den Himmel aufgenommen. An ihrem Fest danken wir dir für alle Wunder deiner Schöpfung. Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst du uns Gesundheit und Freude. Segne diese Kräuter und Blumen. Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum deines Lebens. Schenke uns auf die Fürsprache Mariens dein Heil. Lass uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir gelangen und dereinst einstimmen in das Lob der ganzen Schöpfung, die dich preist durch deinen Sohn Jesus Christus in alle Ewigkeit. Amen.


Ein anderes Segensgebet, wie es für die Kräuterweihe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus vorgesehen ist (Auszug):

Lasset uns beten! Allmächtiger ewiger Gott, der Du Himmel, Erde und Meer, Sichtbares und Unsichtbares durch Dein Wort aus dem Nichts erschaffen hast und der Du befohlen hast, das die Erde Kräuter und Bäume zum Nutzen von Mensch und Vieh hervorbringe, und der Du angeordnet hast, dass jede Pflanze Frucht bringe nach ihrer Art, und der Du in Deiner Liebe gewährt hast, dass die Kräuter nicht bloß den Lebewesen zur Nahrung, sondern auch dem kranken Leib zur Heilung dienen: Wir bitten Dich demütig mit Geist und Mund, dass Du diese verschiedenen Arten von Kräutern und Früchten in Deiner Milde segnest und ihnen über ihre von Dir gegebene natürliche Kraft hinaus die Gnade Deines neuen Segens eingießest, damit sie, zum Nutzen von Mensch und Vieh in Deinem Namen angewandt, ein Schutz werden gegen alle Krankheiten und Widrigkeiten. Durch unseren Herrn Jesus Christus (…) Amen.


Lasset uns beten! Gott, der Du durch Deinen Diener Moses den Kindern Israels geboten hast, eine Handvoll der neuen Früchte zu ihrer Segnung zu den Priestern zu bringen und dass sie die schönsten Früchte der Bäume nehme und sich freuen vor Dir, dem Herrn, ihren Gott: Stehe unseren Bitten gnädig bei und gieße die Fülle Deines Segens über uns und über diese Bündel der neuen Früchte, der neuen Kräuter und der Ansammlung von Früchten, die wir unter Danksagung Dir darbringen und die wir in Deinem Namen an diesem Festtag segnen, und gewähre, dass sie für Menschen, Vieh, Kleinvieh und Lasttiere gegen gegen Krankheiten, Seuchen, Geschwüre, Übeltaten, Beschwörungen, Schlangenbisse und Bisse anderer giftiger Tiere und Bestien, wie auch jegliches Gift, ein Heilmittel seien und gegen teuflische Täuschung und List und Betrug Abwehr bieten, an welchem Ort auch immer etwas davon gelegt oder gebracht oder verwahrt wird. (…) Amen.


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Weiterführende Beiträge

Mehr Informationen zum europäischen Räucherwerk finden sich in den folgenden Beiträgen:

 
Quellen:

  • Benediktionale; Freiburg im Breisgau 1978, S. 65.
  • Braun, Joseph: Liturgisches Handlexikon; München ²1924, S. 181.
  • Fuchs, Christine: Räuchern – im Rhythmus des Jahreskreises. Die Kraft der Natur durch achtsam gestaltete Räucherrituale im Jahreslauf erfahren; Stuttgart 2015, S. 87ff.
  • Hellmann, Anton: Der Sakristan. Das Buch für die Praxis; Freiburg im Breisgau 1983, S. 137.
  • Kleines Rituale nach der außerordentlichen Form des römischen Ritus; Thalwil 2013, S. 196f.
  • Läpple, Alfred: Kleines Lexikon des christlichen Brauchtums; Augsburg 1996, S. 132ff.
  • SCHOTT, Das vollständige Römische Messbuch, lateinisch und deutsch, 1962, Nachdruck von 1995, S. 1008ff.
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